BIKE besucht... Magura

Aus Tradition bissig

  • Stefan Frey
 • Publiziert vor 4 Jahren

Im beschaulichen Bad Urach wurde einst nicht nur die Brezel erfunden. Die findigen Schwaben ertüftelten die erste hydraulische Felgenbremse. Heute fertigt Magura Bremsen aus Hightech-Polymeren.

Aufgepasst, Geschichtsstunde: Wer Magura bisher nur mit grellgelben Fahrradbremsen verbunden hat, darf jetzt mal aufhorchen. Freunde des motorbetriebenen Zweiradsports werden es längst wissen – Magura hat 1923 mit Gasdrehgriffen für die ersten BMW-Motorräder angefangen.

Zuvor hat der Tüftler und Firmengründer Gustav Magenwirth aus dem beschaulichen Bad Urach an Gasmotoren für Benz mitentwickelt. 1893 entstand so aus den Worten Magenwirth und Urach – na was wohl – Magura. Das gelbe Firmenlogo zeigt nicht etwa ein großes M, sondern eine stilisierte Zahnstange. Das Urprodukt. Die Zacken wurden mit den Jahren immer weiter wegrationalisiert. Erst neun, dann fünf und heute bleiben eben noch drei.

Damit hat alles angefangen. Zahnstangen-Getriebe waren eines der ersten Produkte der Schwaben.

Firmengeschichten zum Anfassen: Auf dem Speicher lagern Griffe und Hebel aus nahezu einem Jahrhundert. Nächstes Jahr wird Magura 125 Jahre alt. 

Fahrrad findet bei Magura übrigens erst seit 1987 statt. Damals, als die alten Cantilever-Bremsen noch teigig an den Felgen lutschten wie weichgekochte Pasta, brachten die Schwaben eine wahre Bremsen-Sensation auf den Markt. Bissfest und auf den Punkt dosierbar.

Die hydraulische HS33 war das Non-Plus-Ultra unter den Felgenbremsen. Mit der Scheibenbremse Gustav M setzte Magura 1996 dann noch eins obendrauf. Der Schwaben-Anker war über Jahre an Bremskraft nicht zu übertreffen.

Alt und neu: Im Hintergrund der Magura-Klassiker Gustav M. Vorne ihr Nachfolger MT7. Von 1961 bis 1967 fertigte Magura übrigens die Tankanzeigen für den VW Käfer.

Die kleinste Magura-Scheibenbremse ist nicht einmal Handteller-groß. Eingesetzt wird sie an Verbrenner-Motor-Modellautos im Maßstab 1:5.

Wer heute das alte Werksgebäude betritt, staunt nicht schlecht: außen ein trostloser 50er-Jahre-Bau, innen herrscht durchgestylte Büro-Atmosphäre. Vor ein paar Jahren haben sich die Schwaben quasi neu erfunden und fertigen seit 2011 komplette Bremsgriffe aus Carbotecture, einem Hightech-Kunststoff aus streng geheimer Rezeptur. Einzigartig in diesem Bereich.

Das mussten wir uns natürlich ansehen. Dafür müssen wir rauf auf die Schwäbische Alb. Zehn Kilometer von Bad Urach entfernt steht in Hülben Maguras Kunststoff-Produktion. Zur Montage geht es dann fünfzehn Autominuten weiter nach Hengen. Von hier aus finden die Hightech-Stopper ihren Weg in die Welt hinaus.

Die jüngsten Hightech-Stopper: die streng limitierte Danny MacAskill Signature-Bremse. Der 4-Kolben-Anker im poppigen Racing Gelb verzögert zuverlässig selbst im steilsten Gelände. Beim komplett neu entwickelten HC3-Hebel lässt sich über den Ratio Adjust das Übersetzungsverhältnis und somit die Dosierbarkeit perfekt einstellen. Soviel Exklusivität hat ihren Preis: schlappe 699 Euro kostet die besondere MTB-Bremse.



Die komplette Magura-Reportage – den dritten Teil unserer Made in Germany-Serie – lesen Sie in BIKE 5/2017. Die komplette Ausgabe können Sie auch in der BIKE-App (iTunes und Google Play) lesen oder im DK-Shop bestellen – solange der Vorrat reicht:


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So entsteht eine MTB-Bremse bei Magura

13 Bilder

Themen: Bad UrachBIKE 5/2017CarbotectureGewinnspiel/VerlosungGustav MHausbesuchmade in germanyMaguraMT7MT8


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