„Ich war der Pflug, der bestimmte Dinge geebnet hat“ „Ich war der Pflug, der bestimmte Dinge geebnet hat“ „Ich war der Pflug, der bestimmte Dinge geebnet hat“

Thomas Frischknecht im Interview

„Ich war der Pflug, der bestimmte Dinge geebnet hat“

  • Henri Lesewitz
 • Publiziert vor 5 Jahren

Der Schweizer Thomas Frischknecht zählte fast 20 Jahre zur Worldcup-Elite. Als Team-Manager führte er Nino Schurter zu WM-Titeln und Olympia-Medaillen. Kaum einer kennt Schurter so gut wie „Frischi“.

Nino Schurter

Der Schweizer Nino Schurter (geb. 13. Mai 1986) wuchs in einer Biker-Familie im Valsertal auf. Die Kombination aus Power und Fahrtechnik katapultierte Schurter schnell in die Top-Liga. Mit 23 Jahren gewann er als bis dahin jüngster Fahrer der Bike-Geschichte die Elite-WM. Weitere Titel folgten. Als größte Niederlage seiner Karriere bezeichnet Schurter die Silbermedaille bei der Olympiade in London. Er war nach hartem Fight knapp Jaroslav Kulhavy unterlegen. Schurter fährt für das Team Scott Odlo von MTB-Legende Thomas Frischknecht.
Website von Nino Schurter: www.rsracing.ch

Nino Schurter: der MTB-Weltmeister 2015

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Das ausführliche Interview mit Nino Schurter finden Sie in BIKE 1/2016 – erhältlich ab 1. Dezember am Kiosk. 
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Interview mit Thomas Frischknecht über Nino Schurter

Thomas Frischknechts Erfolge haben dazu beigetragen, dass der Mountainbike-Sport in der Schweiz einen so hohen Stellenwert hat.


BIKE: Warum fährt Nino so schnell?

Thomas Frischknecht: Weil er so professionell ist. Er hat extrem klare Vorstellungen davon, was er will. Er ist voll darauf fokussiert und geht seine ganz klare Linie. Ich würde sogar sagen, dass er ein Stück weit egoistisch ist. Aber das gehört dazu, wenn man die Nummer eins im Sport sein will. Auf der anderen Seite: Er ist nicht verbissen, sondern versucht immer, auch Spaß zu haben. Das sieht man in den Abfahrten ganz gut. Manchmal zieht er bei Sprüngen einen Whip. Er macht da nicht Show für andere, sondern er macht es für sich. Einfach so, um Spaß zu haben.


Es ist ziemlich beeindruckend, Nino in den Downhill-Sektionen zu sehen. Man könnte denken, er wäre lieber Freerider.

Nino ist sicher nicht der typische Cross-Country-Fahrer. Theoretisch könnte Nino auch Downhill-Rennen fahren. Er stammt ja aus einer Familie, in der der Spaß am Biken immer groß geschrieben wurde. Sein Vater war Trainer der Downhill-Nationalmannschaft. Ninos Bruder Mario ist Downhill-Rennen gefahren und die beiden haben sich im Training immer hitzige Duelle geliefert. Kenner wissen: Mario war mindestens so talentiert wie Nino. Dass sich Nino letztendlich für Cross Country entschieden hat, liegt sicher auch daran, dass die Disziplin einen höheren Stellenwert hat, weil sie olympisch ist. Sein Talent für Cross Country hatte sich schon sehr früh herauskristallisiert. Er war bei den Rennen schon im Jugendalter überlegen.


Du zählst zu den erfolgreichsten Bikern der Welt, warst mehrmals Weltmeister und hast dreimal den Gesamt-Worldcup gewonnen. Jetzt bist Du der Team-Manager von Nino. Auf welche Weise profitiert Nino von Deiner Erfahrung?

Na ja, ich war gewissermaßen der Pflug, der bestimmte Dinge für die jetzige Generation von Rennfahrern geebnet hat. Meine Erfolge haben dazu beigetragen, dass die Akzeptanz des Mountainbike-Sports in der Schweiz heute sehr groß ist. Nino, der ja zur zweiten Generation gehört, profitiert natürlich davon. Mir hat damals keiner zur Seite gestanden und ich musste mir alles selbst erarbeiten. Als Team-Manager bin ich der Partner an Ninos Seite, der ihm die Ruhe gibt, um sich voll auf das Training zu konzentrieren. Um das Drumherum kümmere ich mich. Das ist auch das Konzept vom Team Scott Odlo MTB Racing Team. 2002 habe ich das Team zusammen mit Andi Seeli als eine Art privat geführte National-Mannschaft gegründet, damals noch unter dem Namen Swisspower. Andi war knapp zehn Jahre lang Schweizer Nationaltrainer und hatte sich über kleine und große Hürden geärgert, die ihm bei seiner Arbeit oft im Weg standen. Unser Team soll Talenten jetzt die Möglichkeit geben, sich voll auf den Sport zu konzentrieren.


Kannst Du Dich noch erinnern, wie Nino ins Team gekommen ist?

Im Detail kann ich mich nicht mehr erinnern. Es war um 2003, als Nino zusammen mit Florian Vogel ins Team aufgenommen wurde. Dass wir Nino ins Team geholt haben, lag auf der Hand. Er hatte damals schon alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Bei der WM in Lugano holte er Silber hinter Kulhavy. Er war damals ein ziemlich scheuer, junger Knabe.


Gibt es Dinge, die sich Nino bei Dir abgeschaut hat?

Hm, ich will nicht eingebildet rüberkommen. Aber von mir hat er sicher das Verständnis dafür, wie wichtig die Technik ist. Ich war ja schon immer sehr interessiert an den technischen Details meines Bikes und habe geschaut, was man verbessern könnte. Für die Olympischen Spiele in Atlanta habe ich zum Beispiel den Semislick und die 2x9-Übersetzung mitentwickelt. Da konnte ich mich mit meiner Technik-Affinität gut einbringen. Nino hatte so eine Affinität nicht mitgebracht. Als er ins Team kam, war er eher kein Tüftler. Beim ersten Trainingslager in der Toskana hatten wir jeweils einen Rahmen mitgebracht, den die Fahrer selbst aufbauen sollten. Schritt für Schritt. Sie sollten verstehen, wie so ein Bike funktioniert.

Auch jetzt sitzt Thomas Frischknecht selbst noch regelmäßig im Sattel.


Hat Nino selbst auch schon an Produkten mitentwickelt?

Ja, vor den Olympischen Spielen in London haben wir uns die Frage gestellt, welches Bike für den Kurs optimal wäre. Twentyniner empfand Nino als zu groß, 26 Zoll war ihm zu klein. Da kam er auf die Idee, mal was auszuprobieren. 27,5 Zoll! Damals gab es diese Größe im Mountainbike-Rennsport ja gar nicht. Wir haben mit Scott ein Bike entwickelt – und damit den sprichwörtlichen Nagel auf den Kopf getroffen.


Nino gilt als scheu. Angeblich steht er nicht gerne im Rampenlicht. In den sozialen Netzwerken ist er aber sehr aktiv. Ist er ein Medientyp, oder eher nicht?

Er trennt Profisein und Familienleben. Nino hat die Fähigkeit, da gut hin und her switchen zu können. Wenn er im Internet Videos und Fotos postet, dann ist das kein Marketing, sondern Leidenschaft. Trotzdem ist er eher der Familienmensch, der in seiner Freizeit vom Sport abschaltet. Die Filme schneidet er übrigens meist selbst. In IT-Sachen ist er topfit. Er hat ja Mediamatiker gelernt. Manchmal postet er seine GoPro-Videos vom Rennen, ehe er unter die Dusche geht. Aber wie gesagt: Wenn er dann wieder daheim ist, kann er komplett abschalten vom Sport.


Ist Nino in der Schweiz ein Star?

Der Mountainbike-Sport hat einen großen Stellenwert. Die Schweiz ist international nicht in vielen Sportarten erfolgreich. Wir haben Roger Federer. Wir haben Fabian Cancellara und Dario Colognia. Wir haben die Skiabfahrer. Aber das war es dann auch beinahe schon. Wenn man wie Nino Olympische Medaillen gewinnt, ist das in den Medien natürlich ein großes Thema. Die Einschaltquote beim Olympischen Mountainbike-Rennen ist neben dem 100-Meter-Finale eine der höchsten. So gesehen ist er schon ein Star.

Schlagwörter: Cross Country Frischknecht Interview Nino Schurter Scott Weltmeister


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