Sabine Spitz Sabine Spitz Sabine Spitz

Sabine Spitz

  • BIKE Magazin
 • Publiziert vor 18 Jahren

Als ganz Deutschland das Superstar-Fieber erwischte, hatte die deutsche Cross Country-Szene längst einen – nur bekam das bisher kaum einer mit. So unauffällig wie Sabine Spitz hat sich noch kein Profi an die Spitzenposition der Weltrangliste herangearbeitet.

Sie rackert. Sie schindet sich. Sie verzichtet. So hat es Sabine Spitz nach ganz oben geschafft. Von der Chemielaborantin zu einer der weltbesten Cross-Country-Profis. Medaillen bei Europa- und Weltmeisterschaften, im vergangenen Jahr ein Worldcup-Sieg und nun sogar die Führung in der Weltrangliste.

Erfolge, von denen die nationale Rennszene seit dem Rücktritt von Mike Kluge nur noch träumen konnte. Doch die Öffentlichkeit nimmt kaum Notiz davon. Keine Schlagzeilen, keine Fernseh-Werbung. Etwas schade findet sie das schon. Beirren läßt sich Sabine Spitz davon aber nicht. Sie ist Vollblut-Sportlerin. Ein Arbeitstier. Eine, die durch Erfolge auffallen will, nicht durch Allüren. Man sucht vergeblich nach Ecken und Kanten an der 31-Jährigen, die seit zwei Jahren ihr Geld beim internationalen Merida-Team verdient. Ihre Klamotten sind modisch, aber nicht „in“. Ihre Frisur ist frech, aber nicht gewagt. Sie wohnt in einer Drei- Zimmer-Wohnung, ist verheiratet und antwortet auf die Frage nach ihrer Lieblingsmusik mit „Querbeet.“ Tatsächlich besteht ihre winzige CD-Sammlung hauptsächlich aus „Best of“- Alben einstiger Chart-Stürmer. Als Hobbys gibt sie „Relaxen“ und „Lesen“ an, das Sammeln von Plüschtieren bezeichnet sie als ihre größte Macke. Wenn sie von kleinen Sünden spricht, dann meint sie damit „ab und zu ein Glas Wein“. Und ihre Worldcup-Pokale stehen halb versteckt in einer Ecke des Wohnzimmers. Normalität in Extremform. Sportliches Vorbild statt Idol. Siegerin statt Superstar. Aber vielleicht ist es ja auch gerade das, was Sabine Spitz so sympatisch macht. Denn eines ist sie trotz ihrer großen Erfolge geblieben: ein charmantes, bodenständiges Mädchen mit Träumen und Zielen.


Wie sieht dein Trainingspensum aus?
Ich fahre inzwischen etwa 25000 Kilometer im Jahr, 80 Prozent davon auf der Straße. Dazu kommen das Training im Kraftraum und regelmäßige Leistungstests im Trainingsinstitut Freiburg. 170 bis 200 Tage im Jahr bin ich auf Rennen oder bei Trainingslagern unterwegs. Das ist ein richtiger Full-Time-Job.


Fragt man sich nicht manchmal, wofür?
Der Spaß am Radfahren ist für mich genug Motivation, das auf mich zu nehmen. Aber Radfahren macht doch nicht immer Spaß... Gut, wenn das Wetter mies ist, wie jetzt im Trainingslager auf Zypern, oder wenn Intervalltraining ansteht. Sicher gibt es solche Tage, wo man einfach keine Lust hat; aber es ist mein Job. Ich glaube, in jedem Beruf gibt es Sachen, die Spaß machen und solche, die weniger motivierend sind. Ich versuche das so zu sehen. Auf jeden Fall macht mir Rad fahren wesentlich mehr Freude als mein Job als Chemielaborantin, den ich früher hatte.


Du führst seit Monaten die Weltrangliste an und zählst seit Jahren zu den besten Fahrerinnen der Welt. Trotzdem kennt man dich außerhalb der Szene kaum. Woran liegt das?
Das ist ein Teufelskreis. Richtig bekannt wird man nur übers Fernsehen, also fordern die Sponsoren entsprechende Medienpräsenz. Doch übertragen wird Fußball, Formel 1 oder Skispringen. Ich denke, dass die Verantwortlichen bei den zuständigen Stellen einfach selbst keinen Bezug zum Mountainbiken haben. Der Sport ist doch so spannend und interessant. Da muss man dranbleiben, Leistungen zeigen. Vielleicht wird das Biken ja irgendwann mal entdeckt.


Du hattest schon immer gute Ergebnisse. Der große Durchbruch kam aber erst vergangenes Jahr. Hast du in deinem Leben etwas verändert?
Geändert im klassischen Sinne nicht, aber die Olympischen Spiele 2000 haben bei mir einen Schalter umgelegt. Im Olympischen Dorf gab es ein so genanntes „Deutsches Haus“, wo jeden Abend erfolgreiche Sportler geehrt wurden. Es war so ergreifend, das mitzuerleben – ein richtiger Kalter-Schauer-Effekt. Ich hatte Gänsehaut, und ich wusste: Da willst du auch mal stehen. Das hat mir einen riesigen Schub Motivation gegeben. Ich habe dann mein Training etwas umgestellt und mir vom Bundestrainer einen ganz persönlichen Trainingsplan ausarbeiten lassen. Es gibt übrigens auch eine Faustregel: Wenn man einen Sport anfängt, braucht man zehn Jahre, bis man spitze ist. Ich habe 1992 angefangen mit dem Biken.


STECKBRIEF
Name: Sabine Spitz
Wohnort: Murg-Niederhof (Ba-Wü)
Alter: 31 Jahre
Beruf: Profibikerin
Team: Merida-VW Nutzfahrzeuge
Lieblingsessen: Tagliatelle al Pesto
Lieblingsurlaubsland: Australien, Mallorca
Lieblingssängerin: Lisa Stansfield
Lieblings-TV-Serie: Nikola
Erfolge:
2000: 9. Platz Olympia
2001: Deutsche Meisterschaft 1. Platz,
Europameisterschaft 2. Platz,
Weltmeisterschaft 3. Platz
2002: Deutsche Meisterschaft 1. Platz,
Europameisterschaft 3. Platz,
Weltmeisterschaft 3. Platz,
Worldcup Vancouver 1. Platz,
Führung Weltrangliste seit Mitte 2002
Autogramm-Adresse: Sabine Spitz,
79730 Niederhof
Homepage:
www.radbine.de

Themen: Sabine Spitz


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