Ronny Kiaulehn Ronny Kiaulehn Ronny Kiaulehn

Ronny Kiaulehn

  • Tomek
 • Publiziert vor 14 Jahren

Er liebte den Strand, die Wellen und den Wind. Doch vor knapp zehn Jahren hatte er einfache keine Lust mehr auf Surfen und wechselte die Perspektive. Heute zählt Ronny Kiaulehn zu den erfolgreichsten Sport Fotografen in Europa. Für uns hat er im Archiv gekramt und einige seiner besten Bike-Bilder rausgesucht.


„MEIN BIKE SETZT STAUB AN.“

Mit sechs bekommt er von seinen Eltern eine „Agfa Pocket“. Mit zwölf die erste Spiegelreflex-Kamera. Danach verbringt Ronny Kiaulehn (38) mehr Zeit in der Dunkelkammer als auf der Schulbank. 1987 flieht er aus Deutschland auf die Kanarischen Inseln und an den Gardasee, um sich einer anderen Leidenschaft zu widmen: dem Windsurfen. Sein Hobby wird kurze Zeit später zum Beruf, als Entwickler und Testfahrer für eine Windsurf-Company. Doch auf dem Brett, das ihm die Welt bedeutet, gärt ein anderer Gedanke.

Kiaulehn geht immer seltener selbst zum Surfen, stattdessen knipst er seine Kollegen in den Wellen. 1996 dann der endgültige Entschluss: Er hängt das Windsurfen an den Nagel, rafft seine Ersparnisse zusammen und deckt sich mit Kameras, Objektiven und Stativen ein. Seitdem schmücken seine Bilder die Titelseiten verschiedenster Sportmagazine. Ronny Kiaulehn, gebürtig in Bayern, Pendler zwischen Deutschland und Italien, hat die Bike-Fotografie entscheidend mitgeprägt.


Ronny, was macht ein „Kiaulehn-Bild“ aus?
Das kann ich nicht sagen. Mir sagen aber viele, dass sie meine Bilder auf einen Schlag erkennen – angeblich, weil ich so gut mit dem Licht arbeiten kann. Aber das zu beurteilen, überlasse ich lieber anderen.


Wie kamst du darauf, ausgerechnet Mountainbike-Fotos zu machen?
Ich habe vor meinen Mountainbike-Geschichten viel für das SURF-Magazin fotografiert. Im Windsurfen waren damals „Mast-mount“-Fotos der letzte Schrei – dazu wurde eine Kamera oben am Surfmast montiert und dann per Fernbedienung oder vom Fahrer selbst ausgelöst. Das waren sehr außergewöhnliche Perspektiven und die Fotos hat man wirklich auf jedem Windsurfmagazin-Titel gesehen. Also fing ich an, ein wenig rumzuspinnen, ob man eine Kamera nicht auch an ein Bike schrauben könnte. Gesagt, getan: Mein erstes Shooting war ein Gabeltest. Das Foto wurde damals auf einer Doppelseite in BIKE veröffentlicht. Einen Monat später war ein Bild von mir auf der Titelseite der BIKE. Für mich war das ein extrem gutes Gefühl. Zwei Fotos und schon ganz vorne.


Wie hat sich die Bike-Fotografie bis heute entwickelt?
Die Entwicklung der Bike-Fotografie verläuft nicht linear immer in eine Richtung. Die Bike-Fotografie entwickelt sich hin und her. Als ich damals anfing, an die Bikes feste Stativkonstruktionen zu montieren, mit zwei Blitzen und einer ferngesteuerten Kamera, hatte ich diese Art der Fotografie eben vom Surfen übernommen – das war eine Inspiration für die Bike-Fotografie, die andere Fotografen aufnahmen. Letztendlich wurde diese Fotorichtung so lange ausgereizt, bis alle die Nase voll hatten. Dann kamen Mitzieher-Bilder. Die Kamera wurde dabei mit dem Fahrer bewegt, sodass der Fahrer scharf ist und der Hintergrund verwischt. Das gab einem das Gefühl von Geschwindigkeit. Jede Fotorichtung wird früher oder später von einer Gegenbewegung abgelöst. Nach dem Mitziehen kamen Bilder, bei denen nicht nur der Biker, sondern auch alles drum herum knackscharf war.


Und heute?
Mitzieher kommen wieder. Aber auch stark aufgeblitzte Fotos sieht man häufig. Das ist zwar schön und hebt den Biker hervor, ich selber arbeite aber wieder mehr mit dem natürlichen Licht. Ich versuche, mich mit den gegebenen Lichtbedingungen so gut wie möglich zu arrangieren. Das ist eine Herausforderung. Ich muss mich mehr mit den Gegebenheiten auseinandersetzen. Aber klar, manchmal kommt man am Blitzgerät nicht vorbei. Auch das Aufblitzen gehört zu meinem Repertoire.


Sitzt man als Bike-Fotograf viel auf dem Rad?
Um ehrlich zu sein, ich fahre kaum noch. Es heißt zwar immer, dass die Digital-Fotografie alles einfacher macht, aber letztendlich habe ich kaum Zeit zum Biken. Mein Bike setzt Staub an.


Aber als Mittel zum Zweck?
Klar bin ich schon selber mit dem Bike an die Spots ge fahren, aber das macht in der Regel keinen Sinn. Erstens kann ich nicht meine komplette Ausrüstung mitnehmen – Blitz, Stativ und vieles mehr. Und zweitens ist die Sturzgefahr mit einem 15 Kilo schweren Fotorucksack einfach zu groß. Ich würde mich schwarzärgern, wenn meine Ausrüstung kaputt ginge. Meist fahre ich deswegen mit dem Auto zu bestimmen Spots und lasse die Jungs runterfahren. Bei den Kollegen, die sich auf Reise-Fotografie spezialisiert haben, sieht das natürlich anders aus.


Muss man als Fotograf nicht alles können?
Sicher muss man breit angelegt sein in seinen Fähigkeiten, aber jeder Fotograf hat seine Vorlieben. Ich bin auf Produktfotos spezialisiert. Das heißt nicht, dass ich nicht draußen arbeite, aber der Fokus ist meist gegenständlich, oft sogar nur auf ein bestimmtes Teil am Bike gelegt. Zum Beispiel bei einem Scheibenbremsentest. Da schaue ich, dass die Scheibe im Zentrum des Bildes liegt. Reisegeschichten oder reine Action-Fotografie mache ich auch, aber eher selten.


Nicht jeder Fototermin läuft wie am Schnürchen. Gibt es ein Shooting, das dir in besonderer Erinnerung geblieben ist?
Ja, am Monte Brione am Gardasee, im Jahr 2000. Wir machten gerade eine Testgeschichte. Christoph Listmann, Markus Greber und Karl Platt waren dabei. Karl fuhr gerade durchs Bild und war auf einmal weg. Er stürzte einen Abhang hinunter, der 300 Meter senkrecht abfiel. Ich hab das erst gar nicht geschnallt, weil ich hinter der Kamera war. Aber dann wurde mir klar: Der ist tot. Wie durch ein Wunder war aber nichts passiert. Karl hatte sich irgendwie an einem Strauch festhalten können und das Rad war auch noch da. Das Kurioseste an der Geschichte ist aber, dass Christoph Listmann alles auf Video aufgezeichnet hat.

Info: www.ronnykiaulehn.com 

Themen: FotografRonny Kiaulehn


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