Roland Green

  • Martin Platter
 • Publiziert vor 17 Jahren

Mit 15 Jahren hat Roland Green die Schule geschmissen, um Bikeprofi zu werden. Heute, fast 15 Jahre später, ist der Doppelweltmeister auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Im Interview erzählt er über die Zukunft des Cross-Country-Sports, Straßenrennen und schnelle Autos.

Er kann sich auf die Saison-Highlights vorbereiten wie kaum ein anderer und gewinnt wichtige Rennen bei egal welchem Wetter. Hitze, Regen oder Schlamm – alles nur eine Sache der Vorbereitung. Roland Green ist kein Mann der lauten Töne, sondern ein stiller Schaffer mit subtilem Humor, der konsequent auf seine Ziele hinarbeitet. Das Geschäft verliert er dabei nie aus den Augen. Seinen Erfolg hat sich der 28-jährige Vorzeige-Athlet alleine erarbeitet und es sogar schon als Gastfahrer in die Mannschaft von Tour-Sieger Lance Armstrong geschafft. Mit US-Postal startet er auch bei einer Straßenrundfahrt in die neue Saison. Doch Straßenprofi ist für Green keine Perspektive – sein Herz hängt am Bike-Sport. Und wenn man ihm glaubt, geht es mit der Rennszene schon bald wieder richtig bergauf.


BIKE: Roland, neben Henrik Djernis bist du erst der zweite Fahrer in der Bike-Geschichte, der seinen WM-Titel verteidigen konnte. Was ist das Geheimnis deines Erfolgs?
Green: Es sind verschiedene Faktoren: das Team, die Motivation und natürlich das Training. Wenn ich zu Hause in Victoria bin, trainiere ich oft mit Ryder Hesjedal (kanadischer Teamkollege im Fisher-Team, WM-Bronze U23). Ich habe zwei Programme mit unterschiedlichen Intensitäten. Bis vor zwei Jahren hatte ich jedoch noch Mühe mit der Leistungskonstanz. Ryder hat mich dann oft angestachelt, indem er mich aufforderte, noch mehr aus mir herauszuholen. Als sich die guten Resultate einstellten, war es wie ein Schneeball-Effekt. Ich habe Lust auf mehr bekommen und noch intensiver trainiert.


Wie gestaltet sich dein Training?
Zu 80 Prozent auf dem Rennrad, der Rest im Gelände.


Etliche Weltmeister hatten nach ihrem großen Erfolg Mühe, ihre Leistung zu bestätigen. Was machst du anders?
Sich an der Spitze zu halten, ist tatsächlich eine große Herausforderung. Man muss sich stets aufs Neue motivieren können. Das erfordert einen starken Willen. Ich profitiere von einem behutsamem Aufbautraining. Seit 1996 habe ich mich Schritt für Schritt zum Spitzenfahrer entwickelt. Ich bin überzeugt: Je behutsamer man sich an die Spitze herantastet, desto länger kann man von der Substanz zehren und sich auf hohem Leistungsniveau behaupten. Wichtig ist aber auch, dass ich liebe, was ich mache. Nur Stürze oder Krankheiten konnten mich in den letzten Jahren am Siegen hindern.


Gibts einen Trainer, der hinter deinen Erfolgen steht?
Nein, ich trainiere mich selber seit ich mit 15 die Schule verlassen und begonnen habe, Bike-Rennen zu fahren. Mit 18 hab ich mir dann ein Flugticket gekauft und bin nach Europa geflogen, um dort Bike-Profi zu werden. Das war die beste Lehre, die ich machen konnte. All die Jahre habe ich viel über Training und Wettkampfvorbereitung gelesen und im Laufe der Zeit genügend Erfahrungen sammeln können, um mich optimal vorzubereiten. Es gehört schließlich zu meinem Job, über meinen Körper genau Bescheid zu wissen. Training, Entspannung, Ernährung und Reisen – alles basiert auf Erfahrungswerten.


Wie wichtig ist die mentale Stärke gerade bei Schlammrennen wie bei der WM in Kaprun?
Vor allem morgens beim Aufstehen war es enorm wichtig, die richtige Einstellung zum Wetter zu finden. Ich habe es noch nie zuvor erlebt, dass es vor und während eines Rennens so stark geregnet hat wie in Kaprun. Mit diesem Bewusstsein haben wahrscheinlich schon viele Fahrer vor dem eigentlichen Start mental aufgegeben. Ich konzentrierte mich darauf, das Bike möglichst gut auf die garstigen Bedingungen vorzubereiten. Im Rennen hat mich mein Wille angetrieben. Meine Einstellung ist simpel: Ich will mein Bestes geben. Wenn ich dabei den Sieg nicht erreiche, ist das okay. Wenn ich jedoch den Triumph nicht erringe, weil ich mich nicht genügend angestrengt habe oder weil mir ein dummer Fehler unterlaufen ist, dann werde ich unzufrieden.


Du wirst heuer 29 Jahre. Wie lange willst du noch Bike-Profi bleiben?
Ich habe geplant mit 32 oder 33 zurückzutreten.


Mit was wirst du dann deinen Lebensunterhalt bestreiten?
Mit irgendeinem Job, der mit Autos zu tun hat.


Könntest du dir vorstellen, Autorallyes zu fahren wie Nicolas Vouilloz?
Auch wenn es mich reizen würde, halte ich es nicht für möglich, dass man in meinem Alter noch erfolgreich Rallyes fahren kann. Diese Fähigkeit muss man sich in jungen Jahren antrainieren.


Steckbrief:

Name: Roland Green
Wohnort: Victoria, Kanada
Geburtstag: 19.7.1974
Grösse: 180 cm
Gewicht: 75 Kilo
Team: Trek-Volkswagen
Erfolge: Weltmeister 2001 und 2002, Worldcupsieger 2001, derzeit vierter der Weltrangliste
Hobbies: Autos, Autorallyes und alle Arten von Motorsport im TV, Fischen

Themen: Cross-CountryRoland GreenWeltmeister


Lesen Sie das BIKE Magazin. Einfach digital in der BIKE-App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag
  • Greg Herbolds Weltmeister-Bike von 1990
    Das heilige Mountainbike

    21.05.2015

  • Revival: American Eagle Mountainbikes
    Bart Brentjens lässt American Eagle aufleben

    10.11.2016

  • Kennen Sie noch Henrik Djernis?

    25.05.2004

  • Cyprus Sunshine Cup 2016: Rennbericht
    Deutsche Damen-Elite auf Erfolgskurs

    06.03.2016

  • Nina Göhl

    08.11.2003

  • Interview Jolanda Neff
    "Mein Job ist es zu schauen, dass es mir gut geht."

    14.08.2016

  • Termine: Ritchey Mountainbike Challenge 2012

    12.12.2011

  • Buchtipp: Der ultimative Bike-Workshop

    15.02.2012

  • Thomas Frischknecht im Interview
    „Ich war der Pflug, der bestimmte Dinge geebnet hat“

    25.11.2015