Rio 2016: Geheimfavorit Peter Sagan

Peter Sagan: „Olympisches Gold ist das Größte!“

  • Stefan Loibl
 • Publiziert vor 4 Jahren

Peter Sagan ist amtierender Straßenweltmeister, Sprintkönig der Tour de France und der Star im Peloton. Vor seinem MTB-Seitensprung in Rio spricht der Slowake über seine Vorbereitung und Chancen.

Er braucht keinen Sprinterzug, sondern bereitet seine Attacken im Finale selbst vor. Das kann nur einer im Profi-Peloton der Straßenfahrer, nämlich der amtierende Weltmeister Peter Sagan. Überlegen gewann er 2016 bei der Tour de France das grüne Trikot und drei Etappen. In der kommenden Saison wird Sagan für das deutsche Team Bora – Hansgrohe fahren. Doch nun steht für den slowakischen Superstar erst einmal das Mountainbike-Rennen in Rio an. Sagan hatte sich früh im Jahr gegen einen Start beim olympischen Straßenrennen entschieden. Der Kurs liege ihm nicht, die Medaillen-Chancen seien zu gering, so seine Begründung. Dafür steigt der 26-Jährige aufs Mountainbike und bestreitet das Männerrennen am 21. August bei Olympia in Rio 2016.

Nach der Tour de France gönnte sich Sagan deshalb eine kurze Auszeit und flog anschließend nach Park City (Utah), um dort auf dem Bike in der Höhe zu trainieren. Bei zwei kleineren, lokalen Rennen stand er auch am Start, um sich auf die kurze Belastung eines Cross-Country-Rennens vorzubereiten.

Dabei ist Sagan dem Mountainbike-Sport seit Kindheit an sehr verbunden. Wie viele andere Top-Straßenfahrer wechselte auch er später vom Stollenreifen-Lager auf die Straße. Das war im Jahr 2009, nachdem er 2008 den MTB-Weltmeistertitel bei den Junioren gewonnen hatte. Angefangen mit dem Radsport hat Sagan auf mit dem Mountainbike. Bereits als Siebenjähriger startete er bei einem slowakischen Cross-Country-Rennen mit einem Baumarkt-Bike, das er sich von seiner Schwester ausgeliehen hatte. Und er gewann.

Sagan wollte bereits 2012 in London das MTB-Rennen fahren

Heute steht das erste Training auf dem MTB-Kurs in Deodoro an. Während sich die Top-Biker wie Schurter, Absalon & Co. beim Testrennen im Herbst 2015 erstmals einen Eindruck von der künstlichen Strecke gemacht haben, kennt Sagan den Kurs nur von Youtube-Videos. Trotzdem ist er zuversichtlich, wie er gestern im Interview gesagt hat:

In der Slowakei als Sportstar verehrt, im Straßenpeloton als Leader und fairer Sportsmann respektiert: Peter Sagan fährt in Rio auf einem Specialized. London-Sieger Jaroslav Kulhavy hat er bisher nur kurz im Aufzug getroffen.


Was weißt du von der Strecke in Deodoro?
Peter Sagan: Ich habe nur einige Videos von der Strecke gesehen. Morgen ist das erste Training, dann werden wir sehen. Sie soll sehr schnell sein und nur an einigen Stellen ein bisschen technisch. Aber wir werden sehen.


Wie sah deine unmittelbare Vorbereitung für das MTB-Rennen aus?
Nach der Tour de France habe ich mir ein bisschen Ruhe gegönnt und habe dann in der Höhe trainiert. Die Gegend um Park City und die Trails kenne ich von Straßenrennen sehr gut. Zudem bin ich zwei lokale Rennen dort gefahren. Denn Rennen sind immer besser als Training. Denn bei Olympia ohne eine vernünftige Rennvorbereitung an den Start zu gehen, ist immer hart.


Was hat sich im MTB-Sport verändert in den vergangenen Jahren?
Seit sieben Jahren bin ich nun kein großes Mountainbike-Rennen mehr gefahren. Es hat sich viel verändert, die Rennen sind jetzt viel kürzer als früher. Ich denke, dass ich technisch nicht schlecht bin.

Sagan wird in Rio ein Specialized Epic fahren – genau wie Jaroslav Kulhavy. 


Welches realistische Ziel hast du Dir gesetzt?
Ich bin nicht hier, um zu verlieren. Ich stehe nicht für irgendein Ergebnis am Start. Alles ist möglich. Ich werde alles versuchen. Aber ich erwarte mir nichts ganz Großes. Aber ich werde mein Maximum geben.


Welche Erinnerungen hast du an Olympia?
Als Kind habe ich die Olympischen Spiele von Sydney im Fernsehen gesehen. Damals hat Miguel Martinez Gold geholt und Filip Meirhaeghe war Zweiter. Das war etwas Besonderes, an das ich mich erinnere.


Und London 2012?
Ich bin in London das Straßenrennen gefahren. Das Olympische Dorf ist wirklich etwas Besonderes. Eine bunte Mischung, die einen kommen, andere gehen, andere bereiten sich auf ihren Wettkampf vor und andere machen Party. Diesmal lebe ein wenig außerhalb des Olympischen Dorfes. Auch in London habe ich damals versucht, dass ich beim MTB-Rennen starte, aber der slowakische Radsport-Verband hatte damals keine UCI-Punkte, die mir den Start ermöglicht hätten.


Was zählt Olympia für Dich?
Eine Medaille ist ein großer Traum von mir. Ich habe den WM-Titel auf der Straße gewonnen. Wie kann man das steigern? Da gibt es nur die Olympischen Spiele, die das noch toppen können.


Du startest sehr weit hinten. Welche Taktik hast du Dir zurechtgelegt?
Klar, man kann ein solches Rennen am Start verlieren. Aber wenn ich ein wenig Glück habe, kann ich schnell nach vorne fahren. Mal schauen, wie viel Kraft ich brauche, um mich nach dem Start nach vorne zu kämpfen. Aber ich muss gleich Vollgas starten und dann noch schneller werden (lacht). Beispielsweise die Tour de France hat nichts mit einem MTB-Rennen geimeinsam. Man kann es auch nicht mit einem Zeitfahren vergleichen, am ehesten noch mit einem Cyclocross-Rennen. Das Gute dabei: Es ist nur ein Tag, es sind sogar nur 1,5 Stunden.


Also ist eine Top-Platzierung am Sonntag nicht völlig ausgeschlossen?
Olympisches Gold ist das Größte, das man gewinnen kann. Ich weiß nicht, was ich für Sonntag genau erwarten kann. Auf jeden Fall ist es etwas Spezielles für mich, hier dabei zu sein.


Rennrad oder Mountainbike, was taugt Dir mehr?
Auf dem Mountainbike fühle ich mich wohler als auf dem Rennrad. Aber am wohlsten fühle ich mich auf dem Motorrad (lacht).

Immer lässig und einen lockeren Spruch auf den Lippen: Peter Sagan gehört zu den Sympathieträgern des Straßenradsports – und das mit gerade einmal 26 Jahren.

Die große Unbekannte im olympischen MTB-Rennen der Männer: Straßen-Weltmeister Peter Sagan.

Themen: InterviewOlympia-MTB-RioPeter Sagan


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