Kennen Sie noch Wayne Crossdale?

  • BIKE Magazin
 • Publiziert vor 16 Jahren

„Insane“ heißt so viel wie „plemplem“. „Passt ja“, dachte sich der Amerikaner Wayne Crossdale (41) und kasperte sich als „Insane Wayne“ durch den Worldcup-Zirkus. Der Downhiller war ein umjubelter Star – auch wenn es für Titel nie reichte.


Hallo Wayne, es ist ganz schön ruhig um dich geworden ...
Stimmt. Ich installiere jetzt Klimaanlagen und Heizungen. Gelegentlich arbeite ich noch als Stuntman. Vielleicht hast du mich ja mal in der TV-Serie „Pacific Blue“ gesehen.



Klingt ja vergleichsweise normal.
Ach weißt du, ich hatte die ersten 36 Jahre meines Lebens keinen richtigen Job. Das reicht dann irgendwann.


Wie siehst du die Zeit von damals heute?
„I had the ride of my life“. Ich war knapp zehn Jahre auf dem Höhepunkt. Ich habe die ganze Welt gesehen, habe unzählige Freundschaften geschlossen. Wenn ich morgen sterben würde, hätte ich nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Die ganze Mountainbike-Szene ist einfach großartig und hat mir ein schönes Leben und viele Abenteuer beschert. Außerdem habe ich dabei die schönsten Frauen kennen gelernt. (lacht).


Was würdest du heute anders machen?
Nicht viel.


Was denn?
Nun, in Italien musste ich ein paar Tage im Knast verbringen. Ich wurde erwischt, als ich versucht habe, mit dem Bike den schiefen Turm von Pisa runterzufahren. Ich wurde aus Japan ausgewiesen, weil ich mich betrunken im Schoß einer Buddha-Figur fotografieren ließ. Muss wohl was Religiöses gewesen sein. Ich kann kein Japanisch. Jedenfalls kam die Polizei und ich wurde in Handschellen zum Flughafen gebracht. Bei all diesen Abenteuern war auch immer mein bester Freund „Earthquake Jake“ dabei.“


Warum hast du aufgehört?
Von 1992 an war ich fast immer unterwegs und habe kaum etwas von der Entwicklung meiner Kinder Wayne jr. und Crystal mitbekommen. Je älter ich wurde, desto öfter war ich zudem verletzt. Vor sechs Jahren, als meine Ex-Frau neu heiratete, entschloss ich mich, meine Kinder vor meine Karriere zu stellen. Ich zog vor Gericht und bekam das Sorgerecht zugesprochen. Als allein erziehender Vater brauche ich ein regelmäßiges Einkommen, deshalb habe ich bei meinem Daddy in der Firma angefangen.


Was wurde aus dem Downhiller „Insane Wayne“?
Ich bike noch so oft ich kann. Das ist gut für die Seele. Wenn ich nicht regelmäßig fahre, bekomme ich Depressionen (lacht). Ich gehe oft mit meinem Sohn und den Kindern aus der Nachbarschaft biken.


Schlägt dich dein Sohn mittlerweile?
Noch nicht. Ob du es glaubst oder nicht: Ich bin heute besser in Form als damals. Gegen Ende meiner Karriere war ich zum Ende der Saison oft verletzt und hatte irgendwo einen Gipsverband. Nun, da ich nicht ständig über irgendwelche Verletzungen hinwegkommen muss, fahre ich wesentlich besser.


Lust, mal wieder Rennen zu fahren?
Klar doch, im September werde ich beim legendären Kamikaze-Rennen in Mammoth starten.


Wo siehst du dich in ein paar Jahren?
Ich werde hoffentlich ein ziemlich dickes Bankkonto haben. Die Welt hat längst noch nicht alles von „Insane Wayne“ gesehen. Eines Tages werde ich wieder da sein. Falls nicht, dann ist Wayne jr. auf jeden Fall da.


(Interview: Antje Weser, Fotos: Bernd Auers, Chris Blecher, Eddie Wagner)

Zottelhaare, schräge Outfits und stets Unsinn im Kopf: Wayne Crossdale war ein Jahrzehnt lang der Klassen-Clown der Downhill-Szene...

...gleichzeitig gehörte er zu den schnellsten Bikern der US-Szene. Sein Lieblingsrennen: der legendäre Kamikaze-Downhill in Mammoth.


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