Kennen Sie noch Mike Kluge?

  • Tomek
 • Publiziert vor 17 Jahren

Er hat alle großen Rennen gewonnen, war berüchtigt für seine Party-Exzesse und wurde durch den berühmten „Ford-Deal“ zum Millionär: „Mike the Bike“ ist eine lebende Legende. Dreimal war er Cross-Weltmeister und er holte den Mountainbike-Weltcup. Nach einer längeren Auszeit ist er nun zur Schmiede Focus zurückgekehrt.


Ist dir der Ruhestand zu langweilig geworden?
Drei Jahre war ich praktisch raus. Es gab damals unüberbrückbare Differenzen mit Focus, also bin ich ausgestiegen. In der Zwischenzeit habe ich unter anderem als Fahrtechnik-Trainer für den Robinson-Club gearbeitet. Das hat mir viel Spaß gemacht. Inzwischen sind die Beziehungen zu Focus wieder besser. Die neue Leitung ist auf meiner Wellenlänge, sodass ich meine Kenntnisse als Berater gerne anbiete.


Ford soll dir für die Namensrechte an Focus Millionen gezahlt haben. Hast du nicht längst ausgesorgt?
(lacht) Ausgesorgt ist relativ. Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht stillsitzen kann.


Welchen Reiz hat es für dich, Räder zu konstruieren?
Als ich anfing, Mountainbike zu fahren, steckte noch alles in den Kinderschuhen. Heute ist die Technik besser und wartungsfreier. Ich möchte das Maximum aus dem Material holen, neue Denkanstöße geben.


Was kann Mike Kluge erfinden, was es noch nicht gibt?
Erfinden wohl eher nicht. Heutzutage kann man die Bikes nur noch in Nuancen verbessern. Zum Beispiel bei den Reifen. Ein Patent auf Reifen habe ich schon angemeldet. Durch meine Erfahrung in den verschiedenen Disziplinen – Straße, Cross, Bahn und MTB – habe ich ein so großes Wissen, wie es nur wenige besitzen.


Vermisst du das Leben im Profi-Zirkus?
Ja, es war eine tolle Zeit. Es waren die Siege, die Reisen, die verschiedenen Kulturen, die ich wirklich vermisse. Ich bin nie gleich abgereist. Mir war es wichtig, etwas von einem Land mitzunehmen. Leider wurde meine Karriere sehr schmerzhaft beendet . Bei einem Sturz in Madrid habe ich mich 1998 sehr schwer an Hals und Kopf verletzt. Monatelange Reha und Massagen brachten nur mäßigen Erfolg. Die letzten zwei Rennjahre waren sehr hart. Tagelange Kopfschmerzen machten das Training teilweise unmöglich.


Du sollst oft mit Jan Ullrich trainieren. Wie hast du die Tour de France erlebt?
Wir sind mal zusammen gefahren, aber Jan lebt jetzt in der Schweiz. Die Tour war natürlich ein super Comeback, aber ich hätte es lieber gesehen, wenn er bei Bjarne Riis unter Vertrag gegangen wäre. Meiner Meinung nach hätte er mit ihm siegen können. Aber trotzdem: Jans zweiter Platz ist erstaunlich. Er ist eben ein Jahrhunderttalent.


Hast du auch die Bike-WM verfolgt?
Die WM war toll, es gab wirklich ein paar Lichtblicke. Ich glaube, wenn auf dieser Basis weitergemacht wird, könnte der Bike-Sport wieder mehr Aufmerksamkeit gewinnen. Es ist wichtig, dass es gute Fahrerinnen wie Sabine Spitz gibt, die ihr Umfeld motivieren. Sponsoren, Medieninteresse und weniger Verbandsbürokratie sind aber noch wichtige Punkte. Die Rennen müssen interessanter werden, etwa durch kurze Runden und Strecken und ein geballteres Programm.


Hast du noch Kontakt zur Bike-Szene?
In meiner Profi-Zeit hatte ich eigentlich wenig Kontakt zu den Fahrern. Ich glaube, das liegt in der Natur der Dinge: Du bist praktisch der Gegner jedes Rennfahrers. Aber dieses Jahr in St. Wendel habe ich mich mit Frischi sehr gut unterhalten.


Wirst du noch erkannt, wenn du mit dem Bike unterwegs bist?
Ja, das ist wirklich erstaunlich. Als ich dieses Jahr beim „Club der Besten“ im Robinson Club war, wussten manche über meine Karierre besser Bescheid, als ich selbst (lacht).


Woran liegt das?
Ich war und bin ein Mensch, der Ungerechtigkeiten nicht akzeptiert. Ich lehne mich gegen die Willkür der Verbände auf und fordere nach wie vor einen Fahrersprecher, der mehr auf die Bedürfnisse der Sportler eingeht. Aber der Starrsinn mancher Funktionäre hindert jegliche Entwicklung.


Welcher war dein schönster Sieg?
Mein schönster Sieg war bei der Cross-WM 1992 in Leeds. Nach ein paar mageren Jahren, die besonders mit meiner berüchtigten Feierei zu tun hatten, bereitete ich mich konsequent auf die WM vor. Es klappte alles perfekt. Ich schmunzle heute noch, wenn ich mich am Start des Rennens sehe – ich stand dort mit breiter Brust und wusste, dass mich niemand schlagen konnte.


Was willst du in Zukunft machen?
Ich werde erst mal sehen, wie es sich mit Focus entwickelt. Mein Traum ist aber ein Bike-Hotel in Süd Afrika oder ... wir werden sehen.


(Interview: Björn Scheele, Fotos: Eddie Wagner, Christian Penning)

Themen: Ford-DealMike KlugeMike the BikeMillionär


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