Kennen Sie noch King Ralph? Kennen Sie noch King Ralph? Kennen Sie noch King Ralph?

Kennen Sie noch King Ralph?

  • Henri Lesewitz
 • Publiziert vor 17 Jahren

Er schuf den ersten Bikepark in Deutschland und wurde von der Downhill-Szene als „King Ralph“ gekrönt. Vor vier Jahren gab Ralph Hermann überraschend das Zepter seines „Funpark Todtnau“ weiter.


HALLO RALPH, HAST DU NOCH DEIN KÖNIGSGEWAND?
Nein, das habe ich an meinen Nachfolger Felix weitergegeben. Die Fahrer hatten es mir bei der Deutschen Meisterschaft 1998 verliehen.


WANN BIST DU DAS LETZTE MAL DOWNHILL GEFAHREN?
Das ist sicher schon zwei Jahre her. Als ich in Todtnau aufgehört habe, war das Thema für mich durch. Heute habe ich viel mehr Spaß, eine ganz normale Tour zu fahren. Uphill und Schweiß haben auch ihren Reiz.


WIE BIST DU DAMALS AUF DIE IDEE MIT DEM DOWNHILL-PARK GEKOMMEN?
Die Idee gärte schon zu der Zeit, als ich noch Rennen gefahren bin – Mitte der Neunziger. Im französischen Metabief gab es damals schon lange eine permanente Strecke. Ich hörte die Geschichten aus Amerika, wo es ebenfalls Parks für Biker gab. Der Hasenhorn- Sessellift in Todtnau schien mir perfekt, um so was auch in Deutschland auf die Beine zu stellen. Also fragte ich bei den zuständigen Stellen an. Damals hatte man als Downhiller ja praktisch überhaupt keine Möglichkeit, vernünftig zu trainieren.


WIE WAR DIE REAKTION?
Auf der einen Seite skeptisch, klar. Keiner konnte einschätzen, was da passieren würde. Ob da jetzt Horden von Bikern in den Ort einfallen oder ob da vereinzelt mal ein paar Radfahrer kommen würden. Trotzdem hat die Gemeinde schnell den touristischen Wert gesehen. Die Resonanz der Presse war gewaltig. Sogar der Stern hat berichtet. Ich meine, davon träumt doch jedes Tourismus-Amt, dass der eigene Ort mal groß im Stern steht.


HÄTTEST DU GEDACHT, DASS BIKEPARKS MAL SO BOOMEN WÜRDEN?
Eigentlich schon. Biken ist schließlich Volkssport, wie Skifahren auch. Mir war klar, dass es eine große Nachfrage an Parks geben würde. Und auch, dass so etwas natürlich für die Tourismus-Ämter interessant ist.


WIE KANN MAN SICH DEN JOB ALS PARKCHEF VORSTELLEN?
Ich war eine komplette One-Man-Show – mit der Schaufel die Strecke graben, Shop und Bike-Verleih organisieren, Marketing, Events planen, Sponsoren suchen. Alles lag auf meinem Tisch. Ich konnte jahrelang gut davon leben. Ich hatte jede Menge Spaß. Aber es war auch viel Stress dabei.


HAT SICH DIE DOWNHILL-SZENE MIT DEN JAHREN VERÄNDERT?
Sicher. Am Anfang war ja noch alles neu. Alle sind gefahren, um Spaß zu haben. Die Leute kamen aus den verschiedensten Richtungen dazu. Damals hatten die Downhill-Bikes noch zehn-zwölf Zentimeter Federweg. Schau dir die Räder heute an: Alles ist super professionell. Außerdem hat sich die Downhill-Szene inzwischen in die verschiedensten Richtungen aufgesplittet.


WARUM HAST DU AUFGEHÖRT?
Ich habe mich sieben Jahre in den Park reingehängt. Da war mal Zeit für was Neues. Irgendwann kommt der Punkt, da muss man sagen: entweder, oder. Heute bin ich selbstständiger Handelsvertreter – Snowboards, Schuhe, alles Mögliche. Bevor ich ging, habe ich mich aber um einen geeigneten Nachfolger gekümmert. Ich wollte, dass der Geist von Todtnau erhalten bleibt. Felix Wesendahl ist genau der Richtige dafür.


VERFOLGST DU NOCH DIE BIKE-SZENE?
Eher wenig. Wenn ich mal eine Zeitschrift in die Hände bekomme, dann schaue ich da gerne rein. Ansonsten fahre ich Touren, so oft es meine Zeit zulässt. Dann hole ich mein Bike aus dem Keller, mache mir einen schönen Tag, stelle das Rad wieder zurück, und gut ist.


REIZT ES DICH GAR NICHT, NOCH EINMAL IN TODTNAU ZU FAHREN?
Reizen schon, klar. Dann redet man ewig mit den Kumpels, dass man das mal unbedingt machen müsste. Und irgendwann ist ein weiteres Jahr vorbei und man wundert sich, dass es wieder nicht geklappt hat.

Themen: BikeparkDownhillKing RalphTodtnau


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