Interview Sabine Spitz zu Olympia Rio

Sabine Spitz: „Eine WM ist nichts gegen Olympia“

  • Stefan Loibl
 • Publiziert vor 4 Jahren

Sabine Spitz ist in Rio 2016 zum fünften Mal bei Olympia dabei und Deutschlands Medaillenhoffnung Nummer 1. Wir haben mit ihr über den Kurs, ihr Karriereende und Faszination Olympia gesprochen.


BIKE: Der Kurs in Rio ist größtenteils künstlich – wie in London. Repräsentiert er überhaupt den Mountainbike-Sport?

Sabine Spitz: Da müsste man erst klären, was es heißt, den Mountainbike-Sport zu repräsentieren? Da gibt es gewiss die unterschiedlichsten Ansichten. Tatsache ist, dass wir in London sehr spannende und auch spektakuläre Rennen hatten, die für den Mountainbike-Sport eine tolle Werbung waren. Und es war ein Kurs, der alle Facetten des Sports gefordert hat. Und besser als beim Olympischen Rennen in London wurde der Mountainbikes-Sport für Medien und Zuschauer noch nie transportiert.


Liegt Dir der Kurs? Ist er eher etwas für Kletterer oder starke Abfahrer?

Für Allrounder würde ich sagen. Es ist ein schneller Kurs, auf dem man in der Lage sein muss, die technischen Passagen sauber zu fahren, um Tempo in die Flachstücke mitzunehmen. Die Anstiege sind selektiv, aber nicht extrem. Mir hat die Runde bei der Besichtigung sehr gut gefallen. Sie kommt meinen Fähigkeit sicher entgegen.

Sabine Spitz beim Testrennen im Herbst 2015: Dort konnte sich die 44-Jährige einen ersten Eindruck von der künstlich angelegten MTB-Strecke in Deodoro machen.


2016 scheint Olympia ein omnipräsentes Thema zu sein. Werden die Spiele überbewertet?

Im Vergleich zu Fußball eher unterbewertet… aber im Ernst, innerhalb des Mountainbike-Sports hat dieses Rennen zu Recht den höchsten Stellenwert. Es ist das einzige Rennen innerhalb eines 4-Jahres-Zyklus, dass weltweit eine riesige Menschenmenge erreicht und damit eine einmalige Bühne bietet. Da ist eine WM nichts dagegen. Im Vergleich zu meinem WM-Titel 2003 waren die Reaktionen auf meine Bronzemedaille von Athen ein Jahr später um ein Vielfaches größer. Daher ist es auch rein sportlich betrachtet das bedeutendste Rennen. Alle stehen perfekt vorbereitet an der Startlinie, denn die Chance Olympia kommt nur alle vier Jahre.


Du bist zum fünften Mal bei Olympia mit dabei, was hat sich seit Sydney 2000 verändert?

Beim Mountainbike-Sport viel, bei den Spielen selber eher wenig. Die Dinge, die die Olympischen Spiele ausmachen, sind noch immer die gleichen – egal ob positiv oder negativ. Klar, jeder Austragungsort hat seinen individuellen Charakter. Der Unterschied zwischen Athen und Peking zum Beispiel hätte wohl nicht größer sein können. Die Faszination Olympische Spiele bleibt aber.


Hättest du vor zehn Jahren gedacht, dass du mit 44 Jahren noch einmal bei Olympia am Start stehst?

Nein ganz sicher nicht. Damals war mein Fokus auf Peking gerichtet und kein Jahr weiter. Selbst vor vier Jahren hätte ich nicht gedacht, dass ich die Olympischen Spiele in Rio nochmals als Sportlerin in Angriff nehme. Aber es ist toll, dass ich jetzt nochmals dabei sein kann. Natürlich habe ich auch den Anspruch an mich, in Topform an den Start zu gehen und um die Medaillen zu kämpfen.


Du hast bereits Gold, Silber und Bronze in der Vitrine hängen. Wie hast du dich in der Vorbereitung noch motiviert?

Schon die Perspektive, meine fünften Spiele zu bestreiten, war Motivation genug. Und wie gesagt, ich will dann dort auch meine bestmögliche Leistung zeigen. Die Olympischen Spiele waren für mich von Anfang an etwas Besonderes. 1996 hatte ich den Traum, einmal dabei zu sein, jetzt werden es schon meine fünften Spiele.

Werden das deine letzten Olympischen Spiele sein? Gibt’s schon Pläne für danach?

Das kann ich nun schon mit einem klaren Ja beantworten. 2016 soll mein letztes Jahr im Cross Country werden. Aber ich kann mir gut vorstellen auf der Langstrecke, speziell auch bei Etappenrennen, noch weiter aktiv zu sein. Das Cape Epic dieses Jahr hat mir viel Spaß gemacht. Aber mal sehen, so wirklich konkrete Pläne gibt im Moment noch nicht.


Mehr zum olympischen MTB-Rennen in Rio 2016 lesen Sie in BIKE 9/2016. Die Ausgabe können Sie in der BIKE-App (iTunes und Google Play) lesen oder im DK-Shop bestellen:


Lesen im Apple App Store
Lesen im Google Play Store
Bestellen im DK-Shop

Sauber fahren, um Tempo in die Flachstücke mitzunehmen. Der Kurs in Rio ist nicht extrem, aber sehr selektiv. Nach dem Testrennen wurden noch ein paar Passagen geändert.

Themen: 2016InterviewOlympia-MTB-RioOlympische SpieleSabine Spitz


Lesen Sie das BIKE Magazin. Einfach digital in der BIKE-App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag
  • Das interaktive Fahrtechnik-Special mit Sabine Spitz und Stefan Herrmann

    04.06.2010

  • Olympia Rio 2016: MTB-Kurs
    Strecken-Check: der Olympia-Kurs von Rio 2016

    16.11.2015

  • Moritz Milatz' Weg nach Rio zu Olympia #1
    So bereitet sich Moritz Milatz auf Olympia vor

    20.06.2016

  • Olympia 2016: Mountainbike-Starter, Teams & Favoriten
    Olympia 2016: Teams und Chancen

    15.07.2016

  • Deutsche Meisterschaften Cross Country 2016 – Damen
    Sabine Spitz zum 13. Mal Deutsche Cross-Country-Königin

    18.07.2016

  • Olympia Rio 2016: Test der Profi-Bikes
    Mit diesen Bikes starten Schurter, Fumic & Co.

    29.07.2016

  • Deutsche Meisterschaft Marathon 2018 Kirchzarten
    Gold für Spitz und Schelb bei Marathon-DM

    18.06.2018

  • TV-Termine: Olympia 2012

    02.03.2012

  • Uli Stanciu im Video-Interview
    So entstand das erste BIKE Magazin

    29.04.2019

  • Eurobike-Messe 2016 Friedrichshafen
    Das neue Konzept der Eurobike 2016

    09.03.2016

  • Video-Doku: Road 2 Rio
    Maja Wloszczowskas Weg zu Olympia-Silber [Video]

    23.01.2017

  • „Sky is the Limit“: Bulls-Fahrer Thomas Dietsch am Start
    MTB-Rennen im Himalaya: „Die Höhe macht einen fertig“

    26.03.2015

  • Kurz-Interview: Manuel Fumic vor Comeback

    04.07.2013

  • Interview Gary Fisher
    "Wir müssen endlich dreidimensional denken!"

    10.10.2020

  • Cape Epic 2019 – Finale
    Schurter/Forster gewinnen Cape Epic 2019

    25.03.2019