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Interview mit Sportograf-Chef Tom Janas

Immer am Drücker: Sportograf Tom Janas

Henri Lesewitz am 30.06.2016

Sie liegen hinter Kurven, lauern an Anstiegen: Jeder, der schon ein Rennen fuhr, wurde von einem „Sportografen“ abgelichtet. Die Agentur von Tom Janas versorgt uns mit perfekten Erinnerungsfotos.

Was war das letzte Foto, das von Dir gemacht wurde?
Das war vor drei Tagen in Davos. Ich bin mit Kumpels die Bahnentour gefahren, 10000 Tiefenmeter an einem Tag. Da habe ich von mir ein lustiges Selfie vor einer Kuh gemacht. Mit dem Smartphone. Als Erinnerung.

Was unterscheidet ein normales Foto von einem Erinnerungsfoto?
Ganz klar, die Emotion, die es beim Betrachter auslöst, der ja meist selbst auf dem Bild zu sehen ist.

Fast jeder hat ein Smartphone. Man hat das Gefühl, die Leute fotografieren permanent alles, inklusive sich selbst. Warum geben Menschen 5,99 Euro für ein Foto bei Euch aus?
Weil es Bilder sind, die man so nicht selbst machen kann. Man kann kein Selfie knipsen, während man auf einem Mountainbike mit sechzig Sachen eine krasse Abfahrt hinunterrast. Und die Location spielt bei unseren Bildern natürlich auch immer eine wichtige Rolle. Action und Landschaft, das versuchen wir auf den Bildern zu vereinen. Und zwar so, dass es auch auf großen Monitoren oder auf Abzügen gut aussieht.

Klingt nach einer einfachen Formel.
Es gibt keine Formel. Der Aufwand, den wir betreiben, ist extrem. Es geht ja darum, Emotionen einzufangen. Und das geht nur an den richtigen Stellen. Die steile Rampe am Salzbergwerk bei der Salzkammergut Trophy zum Beispiel. Oder der legendäre Pas de Lona beim Grand Raid. Da passiert was. Das sind Klassiker. Die kennt man. Aber wir sind manchmal an einem einzigen Wochenende auf zwanzig Events. Es ist immer eine riesige Herausforderung, die perfekten Fotopunkte zu finden.

Wie muss das Bild sein?
Das ist es ja eben. Darauf gibt es keine wirkliche Antwort, weil die Geschmäcker nun mal verschieden sind. Der eine will Landschaft, der andere will ein Bild vom Ziel. Manche Motive werden mit vier Blitzen fotografiert. Andere ohne Blitz. Mitzieher zum Beispiel sehen dynamisch aus. Es gibt aber Leute, die finden, dass das verwaschen aussieht. Deshalb schnüren wir Fotopakete. Da ist dann alles drin. Foto-Flat für 19,99 Euro.

Sportgraf, Carsten Behler

Sportograf: Nach einem Rennen ewig warten, bis die Event-Fotografen ihre Verkaufstische aufgebaut haben? Ist doch nervig, dachten sich Tom Janas und Kumpel Guido Holz und gründeten am 29. August 2005 eine eigene Foto-Agentur – und zwar mit Online-Verkauf. Heute sind die "Sportografen" weltweit auf nahezu allen größeren Mountainbike-Veranstaltungen unterwegs. Mehr als 30 Fotografen arbeiten für die Agentur. Pro Veranstaltung entstehen bis zu einer Million Bilder. www.sportograf.com

Wie geht das, zwanzig Events auf einmal zu fotografieren?
Zunächst mal: Es ist purer Stress. Viele denken ja, wir liegen da den ganzen Tag lang gemütlich im Gras rum und knipsen. Die logistische Herausforderung ist gewaltig. Wir sind Mountainbike-Freaks. Deshalb haben wir uns auf Mountainbike-Events spezialisiert. Aber gerade das macht unsere Arbeit so schwierig, im Vergleich zu – ich sage mal – einem Lauf-Marathon. Oft fahren wir Wochen vor dem Rennen mit den Bikes die komplette Rennstrecke ab, um die besten Fotopunkte zu finden. Am Veranstaltungswochenende ist ja keine Zeit mehr dafür, da muss jeder Handgriff sitzen. Wir fahren immer entgegengesetzt, also in Fotorichtung. Haben wir eine Stelle, erfassen wir die GPS-Daten. Wir schauen auch immer, ob man einen Spot für zwei Motive nutzen kann. Bei der Salzkammergut Trophy waren 15 Fotografen im Einsatz. Zwei Tage vor dem Rennen sind wir alle Strecken abgeradelt. Da gibt es immerhin sieben Verschiedene, die Längste ist 211 Kilometer lang.

Wie kommen die Bilder auf die Website?
Auch das ist richtig Action. Sofort nach dem Rennen werden alle Fotos in den Laptop des Team-Leiters geladen, oft über 100000 Bilder. Wir haben aber auch schon an einem Wochenende eine Million Bilder gehabt. Noch während der Rückfahrt im Auto laufen die ganzen Prozesse auf dem Laptop. Später im Büro erkennt ein Programm die Startnummern und sortiert danach die Bilder. Blöd ist es, wenn es schlammig war und die Startnummern nicht zu erkennen sind. Dann muss händisch sortiert werden. Da kann es sein, dass wir schnell noch Hilfskräfte engagieren müssen. Die Sportler sind heiß, die wollen die Bilder am besten schon am nächsten Tag auf unserer Seite sehen. Schnelligkeit ist für die Bestellquote super wichtig. Ein paar Tage später sind die Emotionen ja schon wieder etwas abgekühlt, was man sofort am Bestellverhalten merkt. Die Fahrer sitzen um 20 Uhr beim Feierabendbier. Wir sitzen nach einem Rennen meist noch bis fünf Uhr morgens vor den Computern. Unser Wochenende besteht im Sommer – wenn wir Glück haben – aus dem Mittwoch. Nach der Saison fühle ich mich jedes mal total ausgebrannt.

Wie hoch ist die Bestellquote eigentlich?
Im schlimmsten Fall einstellig. Bei großen Rennen wie dem Cape Epic bestellt aber auch schon mal die Hälfte der Teilnehmer.

Kann man davon leben?
Inzwischen ja. Aber das Problem ist natürlich der Saisoncharakter. Im Sommer knallt es richtig. Im Winter ist dann tote Hose, aber Büro, Computer, Angestellte und Fahrzeuge müssen trotzdem bezahlt werden.

Werden Biker in zwanzig Jahren noch Fotos kaufen?
Wir probieren viel aus. Wollen die Leute in Zukunft eher Video-Clips? Mit was wollen sich Biker an ihr Rennen erinnern? Ich denke, das Foto wird überleben. Erstklassige, emotionale Bilder von geschulten Fotografen. So was kann kein Clip ersetzen. Ein Bild kann man in Ruhe angucken. Ein Video ist zu nervös. Wir schauen zuversichtlich in die Zukunft. 

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Henri Lesewitz am 30.06.2016

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