Das Geheimnis hinter Sabine Spitz' Comeback Das Geheimnis hinter Sabine Spitz' Comeback Das Geheimnis hinter Sabine Spitz' Comeback

Interview mit Sabine Spitz

Das Geheimnis hinter Sabine Spitz' Comeback

  • Björn Kafka
 • Publiziert vor 4 Jahren

Sabine Spitz scheint die Gesetze der Biologie außer Kraft zu setzen: Mit 46 Jahren fährt sie Siegen und Top-Platzierungen entgegen. BIKE sprach mit der Nimmermüden.


Du bist inzwischen 46 Jahre alt. Ist jetzt nicht endlich mal Schluss mit dem Profisport?
(Lacht) Scheinbar nicht. Solange ich vorne mitfahren kann und Spaß habe, werde ich nicht aufhören.


Das hörte sich 2016, etwa in derselben Saisonphase, anders an. Da hattest Du öffentlich gemacht, dass 2016 Deine letzte Cross-Country-Saison sei.
Ich wollte bei den Olympischen Spielen in Rio mein Cross-Country-Kapitel beenden, aber dazu kam es nicht. Eine Verletzung hinderte mich daran, in Top-Form zu fahren. Innerlich fühlte es sich so an, als ob die letzte Seite in meiner Sportkarriere rausgerissen worden wäre.


Kannst Du das bitte genauer erklären? Jeder Biker verletzt sich doch mal.
Es fing ziemlich banal beim Training zum Worldcup in Mount Saint Anne an. Ich stürzte aufs Knie und hatte eine kleine Wunde, die aber schnell verheilte. Nach dem Worldcup begannen dann plötzlich die Probleme. Mein Knie wurde doppelt so dick. Der scheinbar harmlose Sturz hatte Dreck in die Wunde gebracht, der bei der Heilung eingeschlossen wurde. Daraufhin entzündete sich mein Schleimbeutel. Ich verschob meinen Flug nach Rio und ließ mich in den USA operieren. Entzündetes Gewebe raus, Antibiotika rein. In Rio ging kaum noch was. Ich fuhr zwar das Rennen, aber mein Knie schien zu explodieren. Nach dem Rennen fuhr ich direkt ins Krankenhaus und kam wieder unters Messer. Zurück in Deutschland kam der dritte Eingriff. In der Zwischenzeit war meine Haut auf dem Knie so angegriffen, dass die Wunde sich nicht mehr richtig schloss. Ich hatte ein fingernagelgroßes Loch und schaute auf meine Kniescheibe. Um es kurz zu machen: Ich lag zehn Wochen mit ausgestrecktem Bein auf dem Sofa und konnte nix machen. Mein Oberschenkel schmolz um sechs Zentimeter. So wollte ich das Ende meiner Karriere nicht in Erinnerung behalten.


Aber sagt man sich da nicht, mein Körper will nicht mehr, er braucht Pause?
Nein, mein Körper wollte, nur die ganzen Operationen – fünf insgesamt – hatten den Heilungsprozess massiv verschlechtert. (Spitz hebt ihr Knie an und zeigt auf die wulstige Wunde an Ihrer Kniescheibe.) Danach kam dann der harte Weg zurück.


Und das mit Erfolg: WM-Zweite im Marathon, Worldcup-Zweite, Bundesliga-Siegerin.
Damit habe ich zum Teil auch nicht gerechnet. Es läuft bis jetzt gut, und ich konzentriere mich auf die Cross-Country-WM in Australien. Zudem fahre ich nur die Worldcups, die nicht zu lange und stressige Anreisen beinhalten.
Hat das auch finanzielle Gründe? Dein Team ist ja nur noch eine Zwei-Personen-Show.
Ralf (ihr Ehemann Ralf Schäuble / Anm. d. Red.) und ich kennen das ja nun seit zwei Jahren so. Wir reisen im Camper an und machen unser Ding. Ganz entspannt.


Aber ist da nicht der Wunsch, von einem großem Team gesponsort zu werden?
Na ja, der Umstand mit der Zwei-Mann-Nummer ist ja den Sponsoren geschuldet. Ich bin zu alt für die Firmen. Niemand gibt mir mehr einen Zwei- oder Dreijahresvertrag. Es ging so weit, dass ich Oma Spitz genannt wurde; und dass es hieß: Die kann doch nichts mehr.


Ist 2017 also eine Art Genugtuung?
Ich denke da nicht an Genugtuung, eher daran, wie viel Spaß es macht, vorne zu fahren. Ich freue mich, dass hartes Training sich auszahlt, denn das wird mit dem Alter immer schwieriger. Nicht von den Beinen her, sondern von der Birne. Das stupide Intervallgebolze hat null Erlebnisfaktor, aber anders geht es nicht im Cross Country.


Dennoch: Ewig wird es nicht mehr so weitergehen. Wie sieht der Plan danach aus?
Eine befreundete Sportpsychologin sagt immer: Wenn ich daran denke aufzuhören, dann habe ich es innerlich schon getan und brauche nicht mehr an die Startlinie rollen. Aber klar, ich habe tief hinten im Kopf schon Ideen, wie ich weitermachen möchte.


Gibt es da was Konkretes?
Ich werde in der Bike-Branche bleiben – so viel kann ich sagen.


Der Wunsch nach Kindern kommt nicht drin vor?
Ich hatte nie einen ausgeprägten Kinderwunsch.


EGO-Promotion,Armin M. Küstenbrück Ich wurde schobn Oma Spitz genannt... (Sabine Spitz)

INFO SABINE SPITZ

Sabine Spitz gehört zu den erfolgreichsten Mountainbikerinnen überhaupt. Eine aus­führliche Auflistung würde hier den Rahmen der Seiten sprengen, deshalb nur ein kurzer Auszug: Sie gewann drei Medaillen bei den Olympischen Spielen (Gold, Silber, Bronze). Zudem gewann sie Bronze (4x), Silber (9x), und Gold (2x) bei Weltmeisterschaften. Daneben errang sie 18 deutsche Meis­tertitel, siegte bei zwei Worldcups und stand zwölf Mal bei den Europameisterschaften auf dem Podium.
Info    www.sabine-spitz.com



Diesen Artikel bzw. die gesamte Ausgabe BIKE 9/2017 können Sie in der BIKE-App (iTunes und Google Play) lesen oder die Ausgabe im DK-Shop nachbestellen:


Lesen im Apple App Store
Lesen im Google Play Store
Bestellen im DK-Shop

Themen: InterviewSabine Spitz


Lesen Sie das BIKE Magazin. Einfach digital in der BIKE-App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag
Anzeige
  • Cross Country Worldcup 2017 #2 Albstadt: Rennbericht
    Generationenwechsel im XC-Worldcup?

    29.05.2017Beim zweiten Cross-Country-Worldcup 2017 in Albstadt drängten vor allem die jungen Fahrer nach vorne und setzten die Favoriten massiv unter Druck. Bei den Damen holte die Ukraine ...

  • 10 Jahre Cube Action Team – Interview
    „Kosten sind explodiert & der Enduro-Spirit geht verloren.“

    17.06.2021Cube formierte als erster Hersteller vor zehn Jahren ein Enduro-Rennteam. Wir sprachen mit Teammanager Claus Wachsmann und Racer Gusti Wildhaber über den Einstieg der UCI, den ...

  • XCO Worldcup 2016 #3 La Bresse: Vorschau
    Worldcup La Bresse: Kampf um die Olympia-Tickets

    27.05.2016Der Cross Country-Worldcup 2016 gastiert für sein drittes Rennen in La Bresse in den Vogesen. Schurter gegen Absalon? Welche Fahrer lösen das Ticket für Olympia und was machen die ...

  • Pioniere und Erben: das BIKE Test-Prozedere

    03.01.2014Zwei Männer, eine Mission: den Bikes auf den Zahn fühlen. Uli Stanciu und Christoph Listmann vergleichen das BIKE Test-Prozedere von damals und heute.

  • Sabine Spitz wechselt zu „GHOST International“

    09.01.2007Nach zwei Jahren beim Team Specialized wechselt die derzeit erfolgreichste deutsche Mountainbikerin Sabine Spitz (Murg-Niederhof) zu „Ghost International“. Ab der Saison 2007 wird ...

  • Cross Country Worldcup #1 Nove Mesto: Damen
    Worldcup: Drei deutsche Damen in Top 7

    21.05.2017Erfreuliche Nachrichten aus deutscher Sicht beim MTB-Worldcup in Nove Mesto: Sabine Spitz überraschte beim Sieg von Annika Langvad als Zweite, Morath und Grobert komplettieren ...

  • Interview Jim Gaffney / Trailcenter Coed Llandegla
    Wales als Vorbild: Brauchen wir mehr Trailcenter?

    04.10.2020Biken findet in Großbritannien fast nur noch im Trailcenter statt, sagt Jim Gaffney. Er betreibt mit Coed Llandegla im Norden von Wales einen der erfolgreichsten Spots im UK. Wir ...

  • Chris Chance im Interview
    Chris Chance: „Es ist in meinem Blut.“

    03.07.2015Die Presse nannte ihn Stahl-Papst, die Bikes seiner Schmiede Fat City Cycles genießen bis heute Kultstatus. Nach seinem Ausstieg vor 15 Jahren verkündet Chris Chance sein ...

  • Thomas Frischknecht im Interview
    Interview Thomas Frischknecht

    13.02.2004„Bike-Profis haben ein cooles Leben“ – Marathon-Weltmeister Thomas Frischknecht im Gespräch über MTB-Sport, Familie, Nachwuchs-Arbeit und Doping.