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Humor-Coach Jonathan Briefs Humor-Coach Jonathan Briefs

Interview mit Humor-Coach Jonathan Briefs

Humor ist gefragt: Ehrgeiz blockiert beim Mountainbiken

Björn Kafka am 24.04.2016

Der Kölner Jonathan Briefs ist Humor-Coach und arbeitet mit namhaften Profisportlern. Sein Ansatz scheint konträr: weg von den Ergebnissen, hin zum Spaß. Ein Gespräch über Ehrgeiz und Freude.

Herr Briefs, Sie sind Humor-Coach und betreuen die österreichische Skisprungmannschaft. Da stellt sich die Frage: Gab es vorher keinen Platz für Humor im Leistungssport?
Ich kenne viele Sportler, die sehr wohl Humor besitzen. Vielmehr würde ich den Begriff Humor aufdröseln: Humor hat mit Lachen zu tun und Lachen mit Freude. Ich möchte Sportlern Freude am Tun vermitteln und Ihnen ein anderes Denken vermitteln. Weg vom Ergebnisorientierten hin zum Freudemachenden. Dieses Denken fehlte anfangs bei vielen Sportlern.

Das klingt abstrakt.
Ist es aber nicht. Nehmen wir das Beispiel von Felix Neureuther. Felix steht nicht am Start und denkt: Ich muss gewinnen – das wäre ergebnisorientiert – sondern er möchte schöne Schwünge machen, den Lauf genießen. Also Freude haben. Ich möchte Sport nicht als Belohnungssystem vermitteln, sondern als Genuss des Tuns. Das funktioniert aber nicht wie eine Pille, die man einwirft: Spaß an seinem Tun zu haben, ist ein Prozess, der sich entwickeln muss.

Wie sieht denn Ihre Arbeit genau aus? Sie erzählen ja keine Witze, oder?
Sehr unterschiedlich. Ich komme aus dem Improvisationstheater und nehme viele der dortigen Übungen für die Sportler. Es geht darum, dass sich Athleten bewusst auf neue Dinge einlassen, sie vielleicht ein wenig zu überfordern. Das Impro-Theater bietet einem Sportler die Gelegenheit, sich und die Team-Kollegen mal anders zu erleben und Rollen zu wechseln. Zum Beispiel kann man die Hackordnung mal umdrehen. Da greift dann auch der Humor, das Lachen. Lachen löst Widerstände, Konflikte und entspannt. Auf der anderen Seite möchte ich dem Sportler wieder zu seiner Urmotivation verhelfen, die er hatte, als er mit dem Sport begann. Niemand beginnt mit Sport und denkt: Ich will Weltmeister werden. Meist liegt dieses Urgefühl in der Kindheit, als die Athleten mit ihrem Sport begannen. Bei den österreichischen Skispringern ließen wir die Jungs von einer Kinderschanze springen, um ihnen dieses Gefühl wieder zu vermitteln. Radsportler sollten wieder zu ihren Wurzel zurück: Welchen Trail fuhren sie als Kind? Welcher war der ersten lange, steile Berg, den man schaffte? Ich versuche, Momente aus den Fahrern herauszukitzeln, bei denen sie besonders gut drauf waren. Da kommen teilweise kuriose Sachen heraus: zum Beispiel, dass Sportler unvorbereitet extrem gut fahren.

So wie René Wildhaber, der den Start zur ersten Stage der Enduro World Series fast verpennte und sie dann gewann. Er sagte danach, er hätte keine Zeit gehabt, sich mental einzustellen.
Ja, diese Egaleinstellung löst Verkrampfungen. Ich nenne diese Momente "Moments of Excellence". Wer diese Momente oder dieses Gefühl im Training oder Wettkampf immer wieder bekommt, steht auf dem Flow-Gaspedal.

Hat man da als Humor-Coach nicht anfangs einen schweren Stand?
Sportler haben oftmals einen Scanner-Blick, mit dem sie checken, ob ihnen einen Methode oder Ernährung etwas bringt. Ich hatte immer das Glück, dass Verbände und Cheftrainer direkt zu mir kamen. Dadurch nahmen die Athleten an, dass wohl was dran sein sollte. Auf der anderen Seite sind viele Sportler glücklich darüber, dass ihnen etwas geboten wird, was nicht mit dieser sportlichen Ernsthaftigkeit behaftet ist. Felix Neureuther kam am ersten Tag zu mir und sagte: "Ich bin froh, dass Du ein Humor-Coach bist und nicht Sportpsychologe. Von denen hatte ich schon ein paar."

Aber alles immer nur locker und freudig zu nehmen, hilft sicher nicht bei der Jagd nach Podestplätzen. Etwas Ehrgeiz braucht es doch.
Aber im gesunden Maße. Ich mag das Wort Ehrgeiz nicht. Allein, wie es sich zusammensetzt: Ehre und Geiz. Für mich ist das negativ besetzt. Eine gesunde Menge an Disziplin und Willen sind unabdingbar, um erfolgreich zu sein, oder Spaß an einer Bewegung zu haben. Übertriebener Ehrgeiz blockiert aber massiv. Wer zum Beispiel nach einem Anstieg auf Teufel komm raus in der Abfahrt noch Plätze gutmachen möchte, steigert das Sturzrisiko. Besser wäre es zu sagen: Ich genieße jetzt den Trail und spiele mit dem Gelände.

Das wäre im Rennen – viele Biker bekommen aber schon die Nacht vorher kein Auge zu, weil sie nervös sind.
Man muss Wege finden, diesen Druck zu kanalisieren. Hobbysportler machen das alles nur zum Spaß – das sollte man sich immer wieder ins Gedächtnis rufen. Viele nehmen sich ja sogar Urlaub, um Rennen zu fahren. Solange man keinen Euro dafür bekommt, sollte man Spaß-Biker bleiben. Profis hingegen sollten Spaßarbeiter sein.

Info Jonathan Briefs

Jonathan Briefs arbeitet als Humorberater und Kommunikationstrainer. Der Kölner betreut unter Anderem die österreichische Skisprung-Nationalmannschaft sowie das Deutsche Alpine Herren-Team. Zudem ist Briefs als Redner, Autor, Dozent und Improvisationstheater-Coach tätig. Im Mai 2015 erschien sein neues Buch: Denk um die Ecke und die willst nie mehr woanders sein.

Humor-Coach Jonathan Briefs

Humor-Coach Jonathan Briefs: "Ich habe diesen anarchistischen Ansatz, den Leuten Freude zu vermitteln."

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Björn Kafka am 24.04.2016

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