Warum es so schwer ist, Dopingsünder zu erwischen... Warum es so schwer ist, Dopingsünder zu erwischen... Warum es so schwer ist, Dopingsünder zu erwischen...

Interview mit Dopingfahnder Prof. Mario Thevis

Warum es so schwer ist, Dopingsünder zu erwischen...

  • Björn Kafka
 • Publiziert vor 5 Jahren

Dopingschock: Eine nachträglich geöffnete Probe von 2012 hat die slowenische Bikerin Blaža Klemenčič überführt. Der Kölner Professor Mario Thevis gehört zu den besten Dopingjägern der Welt.


Die slowenische Mountainbikerin Blaža Klemenčič wurde Ende 2015 positiv getestet, nachdem eine Probe von 2012 analysiert wurde. Wieso gibt es solche Nachtests?
Das Nachtesten von eingefrorenen Proben ist zu einer der schärfsten Waffen im Anti­dopingkampf geworden. Wir dürfen inzwischen zehn Jahre alte Proben testen, und auf Basis positiver Befunde können gedopte Sportler mit allen Konsequenzen im Nach­hinein sanktioniert werden. Die Methode ist sehr gängig geworden, sodass sich Athleten auch bei vorläufig negativen Befunden nicht längerfristig sicher sein können, nicht doch noch aufgrund verbotener Substanzen bestraft zu werden.


Was unterscheidet diese Nachtests von denen, die es früher gab?
Die Dopinganalytik entwickelt sich ständig weiter – sei es von den Testverfahren her oder von neuen Messgeräten, die genauer und empfindlicher arbeiten. Nur mal ein Beispiel: Vor wenigen Jahren konnten wir anabole Steroide nur zwei Wochen nachweisen. Jetzt sind wir, mit verfeinerten Methoden, bei vier Wochen. Früher setzten betrügerische Sportler anabole Steroide daher zirka zwei Wochen vor Wettkämpfen ab, um unter dem Radar der Dopinganalytik zu verweilen – diese Personen könnten jetzt überführt werden. Mit den verbesserten Analysemethoden und Nachtests haben wir ein dichteres Netz gewoben, in dem mehr hängen bleibt.


Wer beantragt diese Nachtest?
Zum Beispiel der Veranstalter des jeweiligen Wettkampfes: die UCI, das Internationale Olympische Komitee, und so weiter. Das Labor, das Analysen durchführt, kann nicht eigenmächtig handeln.


Wie interessiert sind die Verbände überhaupt an Nachtests? Wie Sie wissen, wurden von den 3667 Dopingproben der Olympischen Spiele von 2004 in Athen nur 110 neu überprüft. Fünf Proben, allesamt Medaillengewinner, wurden 2012 positiv nachgetestet. Wenn man das hochrechnet, kämen man auf etwa 167 positive Tests.
Wie gesagt, die Entscheidung trifft der jeweilige Auftraggeber.

Fotolia Medikamentenmissbrauch, die wohl häufigste Doping-Methode. Nicht immer muss sich dafür ein Schuss gesetzt werden.


Wie werden solche Tests überhaupt entwickelt und verfeinert?
Ab und zu bekommt man Tipps von Betreuern oder Athleten, denen verschiedene Dopingmethoden aufgefallen sind. Zum anderen stellt sich uns immer die Frage, bei welchen Substanzen und Methoden des Dopings es noch Nachweislücken gibt und wir bessere Verfahren benötigen. Den Großteil der Arbeit übernehmen Forscher. Diese Wissenschaftler schauen nach, wie sich zum Beispiel Doping­substanzen verstoffwechseln. In der Praxis werden dann neue Nachweismethoden getestet.


Wie lange dauert es, einen neuen Test anwenden zu dürfen?
Das kommt drauf an: Wenn wir einen Test nur verfeinern, ist er sofort anwendbar. Wenn wir aber eine ganz neue Herangehensweise probieren und/oder neue Geräte, müssen übergeordnete Gremien diese Methode absegnen. Wie schnell das geht, ist unterschiedlich. Die Tests müssen valide sein. Das Schlimmste, was passieren kann, ist ein falsch positiver Test. Das gilt es unbedingt zu verhindern.


Wie entscheidend ist das Timing der Probenentnahme – besonders im Hinblick auf Mikrodosierungen wie bei EPO?
Timing ist wichtig, denn wir wissen, wann welche Substanzeinnahmen Sinn machen, um eine Leistungssteigerung zum Wettbewerb hervorzurufen. Zudem kann durch ein gutes Timing die Testfrequenz gesenkt werden. Das ist natürlich auch für den Sportler angenehmer. Zum Thema Mikrodosierungen: Die bekannte Studie aus Frankreich, die vor wenigen Monaten in den Medien aufgegriffen wurde, zeigte, dass Mikrodosierungen nicht auffällig im Blutpass der Sportler waren. Aber, der Blutpass ist nicht das geeignetste Mittel, um diese Mikrodosierungen zu finden – er stellt ein vergleichsweise träges System dar, das gut funktioniert, um Eingriffe wie zum Beispiel Transfusionen aufzuzeigen. Mit speziellen Tests auf EPO wären die Sportler sehr wahrscheinlich erwischt worden. Um es salopp zu sagen: Es wurde möglicherweise nicht das beste Instrument gewählt, um Mikrodosierungen auf die Spur zu kommen. Medial wurde diese Studie dahingehend aber nicht hinterfragt.


Aber gibt es für jedes Mittel einen geeigneten Test? An welchem Mittel beißen Sie sich derzeit noch die Zähne aus?
Es gibt Mittel, die schwer zu finden sind, aber die kann ich natürlich nicht verraten.


Also ein erbitterter Kampf?
So würde ich das nicht sagen, aber wir sollten jeden Vorteil nutzen. Die Antidopingforschung hat sich in den letzten Jahren verbessert. Wir arbeiten enger mit Pharmaunternehmen zusammen, es findet auf allen Kanälen ein gute Kommunikation statt. Heute ist es schwerer zu dopen, und das Abschreckungspotenzial ist sehr viel höher, da wir immer neue Methoden nutzen und auch langzeitgelagerte Proben testen dürfen.


Andreas Dobslaff Dopingfahnder Prof. Mario Thevis

Prof. Mario Thevis (43) ist Professor an der Deutschen Sporthochschule für Biochemie. Er ist einer der führenden Dopingexperten weltweit. Thevis studierte in Aachen Chemie und Sportwissenschaften in Köln. 2004 habilitierte er im Fach Biochemie und ist seit 2006 Professor für präventive Dopingforschung.


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Themen: DopingDopingfahnderDopingsünderInterviewProf. Mario Thevis


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