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Interview Jürgen Sprich

Kennen Sie noch Jürgen Sprich?

BIKE Magazin am 22.01.2005

Anfang der Neunziger galt Jürgen Sprich (36) als kühner Ästhet der Cross-Country-Szene. 1993 verließ er den Rennsportzirkus. Mit Ex-Teamkollege Jürgen Eckmann bildet er noch heute ein Gespann.

Jürgen Sprich im BIKE-Interview

BIKE: Deinen Mailboxtext kann ich mittlerweile auswendig. Viel beschäftigt?
Jürgen Sprich: a, ich bin erst seit fünf Minuten im Büro. Gestern Nacht bin ich erst wieder zu Hause angekommen. Ich war geschäftlich in Hamburg. Jetzt bin ich hundemüde.

Beruflich bist du dem Radsport treu geblieben.
Ja, nach meinem Rücktritt habe ich zusammen mit meinem ehemaligen Team-Kollegen Jürgen Eckmann eine eigene Vertriebsfirma für Schwinn gegründet. Ende 2003 verkauften wir sie an Pearl Izumi. Seit diesem Jahr stehen wir beide auf ihrer Gehaltsliste. Jürgen geht Ende des Jahres als Vizepräsident für Pearl Izumi nach Amerika. Ich manage den europäischen Raum.

Profitierst du im Job von den Erfahrungen als Profi?
Auf jeden Fall! Ich kenne den Profisport und die Industrie. Ich habe immer Sachen gemacht, bei denen man über den Tellerrand blicken konnte. Zum Beispiel für die BIKE zu arbeiten. Ich erinnere mich, wie Uli Stanciu bei einem Rennen in Kaprun von seiner Idee eines BIKE-Magazins erzählte. Wir waren bei der ersten Konferenz dabei, da gab es das Magazin im Grunde noch gar nicht. Wir überlegten, wie man gute Tests aufbauen könnte, luden 20 Bikes in den Bulli und fuhren zum Gardasee. Damals hatte Uli die Vision, dass der Gardasee mal zum Mekka des Mountainbiken würde. Wahnsinn, ich konnte mir das damals nicht vorstellen.

Als du 1986 dein erstes Rennen gefahren bist, steckte der Sport noch in den Kinderschuhen.
Ja, ich habe mir das Rad sogar von einem Vereinskollegen geliehen. Früher waren die Worldcup-Rennen eine Kombination aus Cross Country und Downhill. Das erste bin ich noch mit starrer Gabel gefahren. Das zweite mit einer Marzocchi-Gabel. Ich hatte eine Skibrille auf, denn bei jedem Eintauchen spritzte mir das Öl ins Gesicht. Eigentlich wollte ich überhaupt keinen Downhill fahren, aber mit 22 Jahren bekam ich Heuschnupfen. Dadurch wurde Cross Country im Sommer eine zu große Belastung für die Lungen.

Wie hat sich die MTB-Szene in deinen Augen verändert?
Damals war das die Pionierzeit. Und ich bin glücklich, dass ich diese Zeit miterleben durfte und nicht heute Rennen fahre. Das Schönste waren die Get-Together-Partys nach den Worldcup-Rennen. Da hat man zusammen an einem Tisch gesessen, sich unterhalten und etwas getrunken. Man sah sich nicht nur auf der Strecke. Damals war es einfach etwas lockerer. In der letzten Saison, die ich gefahren bin, merkte man schon, dass sich die Strecken veränderten. Es gab viele Sprünge und schwere Stürze. Zusammen mit meinem Heuschnupfen war das ein klarer Fingerzeig und hat mir bestätigt, einen Schluss-Strich zu ziehen.

Jürgen Eckmann Jürgen Sprich

Zusammen mit Schwager Jürgen Eckmann fuhr der Draufgänger Jürgen Sprich an Europas Spitze.

Jürgen Eckmann und du, ihr ward ein unzertrennliches Gespann. Du warst wie ein Familienmitglied der Eckmanns.
Tja, er ist mit meiner Schwester verheiratet und ich mit seiner Nichte. Wenn es die Zeit zulässt, fahren wir auch noch gemeinsam Rad.

Fährst du auch Marathons?
Nein, ich fahre regelmäßig mit Freunden. Durch Pearl Izumi bin ich jetzt auch zum Joggen gekommen und dieses Jahr zum ersten Mal einen Marathon gelaufen. Ich hatte gerade mal zwei Wochen Vorbereitungszeit und konnte mich danach zwei bis drei Tage nicht mehr fortbewegen.

(Interview: Almuth Gierse, Fotos: Dirk Belling, Heinz Endler)

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Waghalsige Abfahrten im Downhill.

BIKE Magazin am 22.01.2005