Interview Jürgen Beneke

Kennen Sie noch Jürgen Beneke?

  • Joachim Osten
 • Publiziert vor 16 Jahren

Wenn es steil bergab ging, ging es für Jürgen Beneke steil bergauf. 1993 gewann der Freiburger die Gesamtwertung des Downhill-Worldcups. Heute lebt er mit seiner Frau in der Nähe von New York.


Du bist nicht leicht zu erreichen. Die richtige Telefonnummer haben wir von deiner Oma.
Witzig, dass ihr noch die Nummer von meiner Oma habt. Ich telefonier einmal pro Woche mit ihr, um den Kontakt zu halten.


Welche Rolle spielt sie in deinem Leben?
Eine sehr große. Meine Mutter ist früh gestorben und mein Vater hat viel gearbeitet. Deshalb bin ich bei meiner Oma aufgewachsen. Als ich in Deutschland Rennen gefahren bin, hat sie immer meine Sachen gewaschen. Mit meiner Frau Stacey bin ich nach Amerika gezogen. Meine Oma trauert der alten Zeit schon noch nach.


Warum bist du aus dem Profi-Downhill ausgestiegen?
Die Entwicklung des Downhills hat mich genervt: Am Anfang war es noch sportlich mit Tretpassagen drin. Später hat es sich eher in Richtung Freifall entwickelt. Eine Kette brauchte man da echt nicht mehr. Außerdem hab ich es nie in den inneren Kreis der US-Rennszene geschafft.


Also war das Karriereende auch so eine Art Trotzreaktion?
Nein. Vor allem hab ich die Schnauze voll gehabt von der Reiserei um die ganze Welt. Dann ist mir ein paar Mal die Hand vom Lenker abgerutscht, einmal bin ich erst im Krankenhaus wieder aufgewacht. Das waren mir die 30000 Dollar, die ich zuletzt verdient hab, nicht wert.


Womit verdienst du heute dein Geld?
Ich renoviere Häuser. Ich hab hier bei einem Freund auf dem Bau gearbeitet und alles gelernt. Jetzt bin ich Klempner, Dachdecker, Maurer und Elektriker zusammen.


Also steht heute nur noch Arbeit statt Sport auf dem Programm?
Nee, so kann man das eigentlich nicht sagen. Ich fahr jetzt Motocross. Im März war ich in Georgia und bin den „National“ gefahren. Das ist ein dreistündiges Motocross-Rennen. Ich bin 39. von 600 geworden. Momentan geh ich einfach zu den Rennen und fahr mit. Ich bin total unbekannt, mich kennt kein Schwein. Aber gerade deshalb hab ich unheimlich viel Spaß.


Hast du ein Team oder Sponsoren?
Derzeit fahre ich allein. Das Motorrad hab ich von Gas Gas günstiger bekommen. Ein Freund bei der Bootsfirma GrandSLAM Boats hat mir den Rest bezahlt. Dafür muss ich jetzt immer mit einem Fischaufkleber auf der Maschine fahren.


Wie ist das Feeling in Amerika?
Die Leute denken an Amerika und sehen ein großes Land. Ich bin seit 1995 hier und denke: Amerika besteht aus ganz unterschiedlichen Regionen. Ich hätte keinen Bock in manche Regionen zu ziehen, aber in der Nähe von New York ist es okay. Hier haben wir einen riesigen europäischen Einfluss. New York ist sehr international.


Was sind deine Ziele für die nächste Zeit?
Ich muss Rennen fahren, sonst wird mir langweilig. Ich würde gern professionell Motorrad fahren. Nächstes Jahr mach ich eine Arbeitspause und trainiere nur auf dem Motorrad. Beim Mountainbiken war es ähnlich: Ich hab aufgehört zu arbeiten und trainiert. Dann hab ich den Worldcup gewonnen.


Möchtest du noch deine Oma grüßen?
Klar! Sag ihr, sie soll schon mal die Buletten für nächstes Mal machen. Aber ich komm nicht mehr im Winter. Wenn ich sieben Stunden im Flieger sitze, aussteige und dann ist keine Sonne da – das ist nicht akzeptabel (lacht). Ich komm jetzt nur noch im Sommer.

Themen: DownhillFreiburgJürgen BenekeNew YorkWorldcup


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