Wales als Vorbild: Brauchen wir mehr Trailcenter? Wales als Vorbild: Brauchen wir mehr Trailcenter? Wales als Vorbild: Brauchen wir mehr Trailcenter?

Interview Jim Gaffney / Trailcenter Coed Llandegla

Wales als Vorbild: Brauchen wir mehr Trailcenter?

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor einem Jahr

Biken findet in Großbritannien fast nur noch im Trailcenter statt, sagt Jim Gaffney. Er betreibt mit Coed Llandegla im Norden von Wales einen der erfolgreichsten Spots im UK. Wir haben nachgefragt.


Gemeinsam mit einem Kumpel gründete Jim Gaffney 2006 das Trailcenter Coed Llandegla im Norden von Wales. Heute zieht der Park 170.000 Besucher im Jahr an, mehr als achtmal so viele wie das erfolgreichste Trailcenter Deutschlands, Rabenberg. Warum Trailcenter in Großbritannien so erfolgreich sind, wie sie funktionieren und ob sie auch in der aktuellen Krise eine Chance sein können, darüber sprachen wir mit ihm im Interview.


BIKE: In Deutschland sind Trailcenter bislang eher unüblich. Kannst du kurz das Konzept erklären, das dahinter steht?

Jim Gaffney: Trailcenter sind im Prinzip große Bikeparks ohne Uplift. Nur dass die Strecken viel länger sind. Man fährt also einfach ausgeschilderte Touren auf speziellen Mountainbike-Trails in verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Alle Touren laufen am Trailhead zusammen, wo es Verpflegung und einen Bikeshop mit Werkstatt gibt und wo man auch Parken kann. Das kostet nur wenige Pfund, aber darüber und über die Einnahmen aus dem Shop wird das Ganze finanziert.


Fast 15 Jahre gibt es das Trailcenter in Llandegla schon. Wie habt ihr angefangen?

Nach dem Startschuss im ersten Trailcenter in Wales, Coed y Brenin, ging Anfang der 2000er alles relativ schnell. Der Wald hier in Llandegla gehörte damals noch dem finnischen Papierriesen UPM, der immer mehr Papier zu Recyclen begann und daher immer weniger Holz aus dem Wald brauchte. Also schaute man sich nach einer alternativen Nutzung um. In diese Bresche bin ich mit meinem Business-Partner damals gesprungen. Das war 2006. Heute gehört der Wald nach dem Verkauf von UPM der Church of England. Wir zahlen für die Nutzung der Trails eine Pacht und kümmern uns auch um den Unterhalt. Nachdem die Sache gut anlief, fanden wir auch bald finanzielle Unterstützer, die es uns erlaubten, vor zwei Jahren das Besucherzentrum hier zu kaufen.


Wo kommen die Besucher her? Sind das alles Locals?

Nein. Die meisten, denke ich, nehmen etwa ein bis zwei Stunden Anfahrt in Kauf, um nach Llandegla zu kommen. Locals gibt es aber auch viele. Die trifft man vor allem Mittwochabends, wenn wir länger aufhaben und es sich auch nach der Arbeit noch lohnt, herzukommen.


Wie genau werden die Trails unterhalten? Machst du das alleine?

Nicht ganz, aber unsere Crew ist tatsächlich ziemlich klein. Fast alle Mitarbeiter aus dem Visitor-Center sind da irgendwie beteiligt, aber wir müssen uns ja auch noch um andere Aufgaben kümmern. Vollzeit macht das also keiner, aber wir haben zum Glück auch noch Hilfe von einigen Freiwilligen hier aus der Gegend. Dass das überhaupt funktioniert, ist der Natur der Trails geschuldet: Sie sind extra so angelegt, dass sie nur wenig Pflege brauchen, selbst wenn viele Leute darauf fahren.


Habt ihr auch Besucher, die vorher noch nie auf einem Mountainbike gesessen sind?

Klar gibt es die, ziemlich viele sogar, insbesondere seit wir ab Juli wieder geöffnet haben. Wir merken das daran, dass im Moment deutlich mehr Leihbikes gefragt sind als sonst. Aber Llandegla ist da auch speziell: Während die anderen Trailcenter sich Mitte der 2000er vor allem an versierte Biker richteten, versuchten wir von Anfang an auch Anfänger und Neueinsteiger anzusprechen, was sicherlich auch ein Grund für unseren Erfolg ist. Gerade auf den einfachen Trails muss man sich aber auch kein teures Bike leihen, sondern kann auch mit einem einfachen Mountainbike schon 'ne Menge Spaß haben.


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