Interview Gary Fisher

"Wir müssen endlich dreidimensional denken!"

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor 2 Monaten

Schlaghosen, Schnurrbart, Hut. Doch nicht nur in Sachen Klamotten ist Gary Fisher eine Ikone. Dieses Jahr wird er 70, aber von Ruhestand ist keine Rede. Er hat schon die nächsten Projekte im Visier.

Zusammen mit einigen anderen hat er das Mountainbiken am Mount Tamalpais in Kalifornien aus der Traufe gehoben. Er war der erste, der bezahlbare Bikes in Großserie produzierte. Er gilt als Vater der 29er und Advokat des Carbon-Rahmens. Reif für die Rente fühlt sich Gary Fisher mit fast 70 Jahren aber noch lange nicht. Sein nächstes Projekt: urbane Mobilität. Das ausführliche Interview mit Gary Fisher lest ihr in BIKE 11/20 – ab 6. Oktober im Handel, als Digitalausgabe oder in der App . Hier schon einmal ein Vorgeschmack.


BIKE: Gary, du warst Radrennfahrer, Mountainbike-Pionier, Unternehmer. Diesen November wirst du 70. Sitzt du überhaupt noch viel auf dem Rad?

Gary Fisher: Knapp 60 Kilometer fahre ich jeden Tag, das hält mich fit. Um fünf Uhr früh stehe ich auf und fahre mit dem Rennrad los. Da kann ich direkt von der Haustür aus starten, was mit dem Mountainbike mitten in der Stadt einfach keinen Sinn machen würde.


Warum so früh?

Morgens hab' ich meine Ruhe und die Straßen sind noch leer. Das ist ein Muss, denn leider sind die Radwege in San Francisco ziemlich schlecht. Keine Straße haben wir dort als Radfahrer für uns allein, alles ist für Autos ausgelegt. Dass sich hier, bei der Infrastruktur, endlich was ändert, das ist mein großer Traum! Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg.


Wo liegt das Problem?

Es gibt da mehrere Punkte. Zum einen glaube ich, dass die Gesellschaft noch nicht richtig bereit dafür ist. Die USA sind ein Land der Autofahrer - schon seit den 50er und 60er Jahren hat man uns das eingebläut, wie toll das ist, ein eigenes Auto zu haben und damit überall hin zu fahren. Dabei ist das total unlogisch denn ein eigenes Auto braucht viel Platz und ist unglaublich teuer. Aber die Menschen denken eben nicht immer logisch. Und zum anderen ist das auch politisch nicht gewollt, denn weil nach wie vor so viele Autos verkauft werden, hängt da eine riesige Industrie dran. Die kann sich teure Lobbyisten leisten, die viel Geld in der Hinterhand haben. Und wer viel Geld hat, der hat auch viel politischen Einfluss.


Gibt es keine Hoffnung?

Natürlich gibt es die. Gerade im Moment, in der Corona-Krise. Mich erinnert die Situation ein bisschen an die Öl-Krise in den frühen 70ern. Da kauften die Leute auch wie verrückt Fahrräder und fuhren überall damit hin. Leider wurde daraus kein längerer Trend, denn der richtige Nährboden dafür fehlte. Die Räder verschwanden nach der Krise wieder in den Garagen und verstaubten. Heute könnte das anders laufen: Die Bikes sind viel ergonomischer und viel besser, Lastenbikes mit E-Antrieb können auch gut Autos ersetzen, das hätte sich in den 70ern noch keiner vorstellen können. Und es gibt viel mehr Menschen, die sich für eine bessere Infrastruktur für Fahrräder einsetzen. Damals gab es vielleicht 450 Bike-Aktivisten in den ganzen USA, die wurden als Spinner und Sonderlinge abgetan. Heute sind es hundert mal so viele und die Bike-Industrie ist auch viel mächtiger. Die bezahlt mittlerweile eigene Lobbyisten. Das ist schonmal ein Anfang, auch wenn diese Leute lange nicht so viel Geld im Rücken haben, wie die Lobbyisten der Autoindustrie.


Immerhin ein Anfang. Aber was muss den konkret passieren? Wie müssen die Radwege der Zukunft aussehen?

Lass mich da anders anfangen. Letztes Jahr war ich zum ersten Mal bei der Red Bull Rampage. Mir hat es alles wahnsinnig gut gefallen. Aber was mich am meisten beeindruckt hat, waren die Trail-Builder: Die schaufeln nicht einfach, die rechnen. Für die gibt es nicht nur geradeaus, links, rechts, sondern auch hoch und runter. Und sie sind nicht die Einzigen: In Ray’s Indoor Bikepark in Ohio, da machen die das auch so. Da verlierst du den Schwung überhaupt nicht, du flutschst überall durch. Solche Leute brauchen wir, die müssen die neuen Radwege machen. Die wissen, wie es geht. Wir müssen endlich dreidimensional denken!


Was ist so wichtig für dich, an solchen neuen Radwegen? Geht es nur um den Weg von A nach B?

Nein, das greift viel tiefer und ist für mehr Menschen wichtig als nur uns Biker. Wenn die Leute mehr auf dem Rad unterwegs sind, sind sie fitter, die Städte sind sauberer, überall ist mehr Platz und umweltfreundlicher ist das alles auch noch. Das Wichtigste ist aber: Sie sind glücklicher. Denn Biken macht glücklich! Mittlerweile ist das sogar medizinisch nachgewiesen.


Warum genau Biken glücklich macht, welche Rolle Gary Fisher bei der Erfindung des Mountainbikens spielte und warum er auch als Vater der Twentyniner gilt, lest ihr im großen Interview in BIKE 11/20.

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