Interview Danny MacAskill

„Ich wollte Worldcup-Mechaniker werden.“

  • Laurin Lehner
 • Publiziert vor 5 Jahren

Die Videos des Schotten wurden von über hundert Millionen Menschen geklickt. Wir sprachen mit Danny MacAskill über Selfies, das Geheimnis seines Erfolgs und Rückenschmerzen in der Businessclass.


Danny, Du giltst als der bekannteste Biker der Welt. Langweilen Dich Interviews mittlerweile?
Nein, überhaupt nicht. Solange es keine langweiligen Fragen sind (lacht).


Welche Frage wird Dir am häufigsten gestellt?
(Überlegt) Ich glaube, wie ich mit Angst umgehe. Verletzungen sind auch ein begehrtes Thema.


Deine Web-Videos erreichten insgesamt über hundert Millionen Klicks. Schon mal darüber nachgedacht, warum?
Witzigerweise habe ich erst kürzlich darüber diskutiert. Ich glaube, meine ersten Videos waren einfach anders und neu. Richtig gute Trial-Fahrer gab es ja schon, doch Tricks integrierte bisher keiner in seine Runs. Dazu fuhr ich in meinem ersten Clip durch die Stadt und balancierte auf spitzen Zäunen oder sprang auf Telefonhäuschen – also Dinge, zu denen auch Leute einen Bezug haben, die nichts mit Biken am Hut haben. Ich glaube, das kommt besser an, als auf Euro-Paletten rumzuhopsen.


Doch mittlerweile springst Du auf Deiner Drop & Roll- Tour wieder von einer Euro-Platte zur nächsten.
Stimmt. Ich wollte schon immer mit meinem eigenen Team durch die Gegend rollen. Mit großem Bus und Anhänger. Das fühlt sich so an, als wäre man als Musikband auf Tour. Außerdem ist man näher an den Leuten dran. So wirbeln wir direkt vor der Nase der Zuschauer rum, statt nur auf dem Bildschirm.


Seit Deinem ersten Web-Video "Inspired Bicycles" sind nun gut sechs Jahre vergangen. Schon mal überlegt, wie Dein Leben ohne dieses Video verlaufen wäre?
Ehrlich gesagt, nein. Ich hätte aber bestimmt genauso viel Spaß wie jetzt auch. Ich arbeitete damals als Mechaniker in einem Bikeshop in Edinburgh und dachte darüber nach, mich als Worldcup-Mechaniker zu bewerben – so hätte ich auch die Welt mit meinem Bike bereisen können.


Doch jetzt reist Du als Promi um die Welt. Besser, oder?
Klar, hat das was. Doch ich hatte immer Spaß bei meiner Arbeit als Mechaniker. Es war eine gute Zeit mit guten Freunden.


Inwiefern hat sich Dein Leben geändert?
Ich reise viel und sehe die Welt. Das ist neu. Zu Hause hat sich dagegen wenig geändert. Ich wohne in Glasgow in einer kleinen Wohnung und hänge immer noch mit den gleichen Freunden ab. Das ist mir wichtig.


Dein Terminkalender könnte voller nicht sein. Auf Events wirst Du wie ein Pokal rumgereicht. Liegt Dir das?
Es ist Teil meines Jobs. Ich genieße es, mit meinem Drop & Roll-Team bei Events aufzutreten. Jedes Wochenende könnte ich das allerdings nicht. Deshalb ist mir die Zeit zu Hause wichtig.

Danny MacAskill


Deine Bekanntheit hat Dir viele Türen geöffnet, Du hast sogar die Playboy-Mansion besucht. Konntest Du einen Blick in die berüchtigte Grotte werfen?
(Lacht) Nein. Ich war damit beschäftigt, mit meinem Bike über Heckenbüsche und Playboy-Bunnies zu hopsen. Allerdings war das Video nicht meine Idee. Es war schon ganz nett, doch das Highlight meiner Karriere war es nicht.


Sondern?
Einer der besten Momente war kurz nach meinem Videoerfolg 2009. Ich veranstaltete eine Bikeshow zusammen mit Martyn Ashton, und im Publikum saßen Hans Rey, Steve Peat, Greg Minnaar und Brian Lopes. All die Typen, die ich bisher nur aus Magazinen kannte, schauten mir nun beim Biken zu. Das finde ich heute noch krass. Oder kürzlich, als ich bei der Laureus-Award-Verleihung gemeinsam einen Trink mit Schauspieler Bill Murray hatte – solche Dinge sind schon witzig und etwas Besonderes.


Bei Bike-Events kommst Du keine zwei Meter weit, ohne dass jemand ein Selfie mit Dir machen will. Sagst Du auch mal nein, wenn Du schlechte Laune hast?
Ich sage nie nein. Da würde ich mich schlecht fühlen. Schließlich ist das der erste persönliche Eindruck, den derjenige oder diejenige von mir hat. Doch klar bin auch ich mal schlecht drauf und fühle mich nicht danach. Würde ich nein sagen, heißt es schnell: "Was für ein arroganter Typ."


Was waren die Schattenseiten Deiner bisherigen Karriere.
Verletzungen. Ich hatte Kleinere und Langwierige. Meist passierten sie nicht bei krassen Stunts, sondern bei scheinbar einfachen Dingen. Ich brach mir zum Beispiel mein Schlüsselbein, als ich einen Pumptrack gefahren bin – wie dämlich ist das denn!


Musst Du Dir vor Schmerz auf die Lippe beißen, wenn Du morgens aufstehst?
Nein. Viele wundern sich, wie ich mit meinem ungefederten Bike von drei Metern Höhe ins Flache springen kann, ohne dass mein Rücken explodiert, doch das ist meistens kein Problem. Anders ist es, wenn ich lange im Flieger sitze – da hilft selbst der Komfortsitz der Businessclass kaum was.


Haben Dich Deine Videos zum Millionär gemacht?
Nein, noch lange nicht. Das ist übrigens auch eine der Fragen, die mir häufig gestellt werden.

Danny MacAskill - riding on the garden fence


YouTube-Star Danny MacAskill 

Danny MacAskill ist am 23. Dezember 1985 auf der Insel Skye, im Nordwesten Schottlands, geboren und aufgewachsen. Später arbeitete er als Mechaniker in einem Bikeshop in Edinburgh. Irgendwann drehte er mit Freunden ein Video, bei dem er mit seinem Bike spielerisch durch die Stadt fuhr. Im April 2009 wurde der Clip"Inspired Bicycles" auf YouTube hochgeladen und erreichte innerhalb von 40 Stunden 350000 Klicks. Heute sind es über 36 Millionen. Der Start einer großen Karriere. www.dannymacaskill.co.uk

Schlagwörter: Danny MacAskill Interview Legende Star Trial


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