Interview Bob Sticha

Kennen Sie noch Bob Sticha?

  • Martin Platter
 • Publiziert vor 16 Jahren

Der Tscheche emigrierte 1968 in die Schweiz. Durch seine ausgefallenen Erfindungen wie der Scheibenbremse machte sich der gelernte Automechaniker einen Namen in der Bike-Branche.

So erfand Sticha etwa das Bike mit Allradantrieb. Aber vor allem die Scheibenbremse haben wir dem Tüftler zu verdanken. Heute hat er seinen eigenen Bike-Shop in St. Gallen.


BIKE: Herr Sticha, Sie sind schwer zu erreichen. Viel unterwegs?
Bob Sticha: Ich bin für eine Woche bei Hope in England gewesen. Ich arbeite schon seit 13 Jahren mit Hope zusammen. Wir haben über die neuen Entwicklungen diskutiert und mussten Präsentationen vorbereiten.


Wie sind Sie damals auf die Idee gekommen, Scheibenbremsen und Federgabeln fürs Mountainbike zu entwickeln?
Ich bin selbst Motocross- und Autorennen gefahren. Anfang der 60er-Jahre konnte ich das Entstehen der ersten Scheibenbremse für den Motorsport verfolgen. Die Problematik der Felgenbremse war schnell auch beim Fahrrad erkannt. 1989 baute ich die erste mechanische Scheibenbremse fürs Rennrad. Drei Jahre später baute ich die erste Federgabel, die mit Elastomeren funktionierte.


Wie haben die Leute auf Ihre Ideen reagiert?
Einige mit Interesse, andere dachten, sie seien überflüssig. Auch Journalisten waren sehr skeptisch – zu Unrecht. Ich war ein wenig älter und erfahrener und mir war klar, dass die Scheibenbremse auch für das Fahrrad kommen würde.


1991 haben Sie das Bike-Rennen in der Bobbahn von St. Moritz erfunden.
Ja, darauf bin ich immer noch stolz! Ich habe damals die überhaupt erste Abfahrt in einem Eiskanal gemacht. Das war schon was ganz Besonderes! Hintergrund der Aktion war auch, dass ich damit meine Federgabel und Scheibenbremse präsentieren wollte.

Scheibenbremsen, Federgabeln: Bob Sticha entwickelte fürs Bike, was es im Motorsport schon lange gab...

...Selbst die traditionelle Rennradtechnik ist ihm dabei nicht heilig.


Was ist aus dem „Bob Race“ geworden?
1995 nahmen 66 Fahrer teil, darunter auch namhafte Sportler aus verschiedenen Sportarten. Das war ein ganz großes Ding. Aber für die folgenden Jahre bekam ich keine Erlaubnis mehr. Deswegen gibt es das Rennen heute nicht mehr.


Sie waren immer der Prototyp des Tüftlers. Was hecken Sie im Moment aus?
Meine Hauptbeschäftigung ist eigentlich mein Bike-Shop. Aber ich entwickle mit Hope auch eine neue hydraulische Scheibenbremse. Die Problematik, dass Scheibenbremsen zu heiß werden, kennen wir ja vom Auto. Um die Hitze zu reduzieren, muss man die Scheibe auch beim Bike, wie beim Auto, belüften. Wir sind dabei, die Sache fürs Bike salonfähig zu machen. Dass ich dabei die volle Unterstützung von Hope habe, freut mich sehr.


Wo krankt es an den heutigen Mountainbikes noch?
Die Räder sind sehr weit entwickelt. Es gibt eine ganze Reihe Räder, die nach heutigem Kenntnisstand optimal funktionieren – eine ausgereifte Federung vorne und hinten und gute Bremsen. Über Komponenten brauchen wir gar nicht lange zu diskutieren. Die sind schon lange gesund.


In Ihrem Shop stehen auch Hochräder. Das direkte Gegenteil von hochtechnischen Mountainbikes.
Ja, das ist eine alte Liebe von mir. Ich habe antike Sachen immer gern gehabt. Die Hochräder bei mir im Laden werden von einer tschechischen Familie von Hand hergestellt, wie vor 100 Jahren. Sie haben die Kopie zur Perfektion gebracht. Ich verkaufe in meinem Laden ein paar davon, aber eigentlich ist es mehr mein Hobby. Und es ist kein Problem damit zu fahren. Früher ging das auch und da waren die Straßen nicht so gut ausgebaut.


Was haben Sie sich für die Zukunft vorgenommen?
Im Moment leide ich noch an den Folgen eines Unfalls. Ich wurde letztes Jahr auf dem Rad von einem Hund attackiert. Aber sobald es geht, will ich wieder mehr biken. Und weniger arbeiten! Und viel segeln – auch eine alte Liebe von mir.

Themen: 30-Jahre-BIKEBremsenEntwicklerInterviewLegende


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