Die BIKE Transalp-Sieger 2014 im Interview Die BIKE Transalp-Sieger 2014 im Interview Die BIKE Transalp-Sieger 2014 im Interview

Im Interview: Das stärkste Marathon-Team Deutschlands

Die BIKE Transalp-Sieger 2014 im Interview

  • Björn Kafka
 • Publiziert vor 7 Jahren

Jochen Käß und Markus Kaufmann gelten derzeit als Traum-Duo im Marathonbereich. In ihren Palmeres stehen Deutsche Meistertitel, zwei Transalpsiege, unzählige Marathongewinne und Spitzenplatzierungen.

Das Team Centurion Vaude dominierte die Craft BIKE Transalp nach Belieben: Drei Etappensiege und 13 Podiumsplatzierungen fuhren Kaufmann/Käß und Genze/Geismayr ein. BIKE fragte die Gesamtsieger Markus Kaufmann (32) und Jochen Käß (33) nach dem Geheimnis ihres Erfolges.


Die Dominanz Eures Teams war unheimlich – wie schafft man das?


Kaufmann: Wir haben uns ganz gezielt auf die diesjährige Transalp vorbereitet und versucht, das Maximum herauszuholen. Dabei spielte nicht nur die Leistung der Fahrer eine Rolle, sondern auch das gesamte Team im Hintergrund. Natürlich machen andere Top-Teams das auch, aber wir haben dieses Jahr neue Trainings- und Ernährungsmethoden ausprobiert. Zudem versuchten wir bei jeder Etappe, eine bestimmte Strategie zu fahren, die jedesmal aufging. Im Grunde ist es verrückt, dass es so reibungslos lief.
Käß: Ja, das war schon krass. Jeder Tag war gut eingespielt. Es fing mit dem Frühstück an, das es immer zur selben Zeit gab. Direkt im Ziel gab es Shakes, dann den direkten Transfer zum Hotel, wo schon das gekochte Essen bereitstand. Dann Massage, wieder essen, ruhen, essen, Siegerehrung und ab ins Bett.


Wer sich die Leistungsdaten anschaut, stellt schnell fest, dass 2014 die härteste Transalp überhaupt war. Wie kann es sein, dass das Niveau noch zu steigern war?


Käß: Noch vor wenigen Jahren lief die Transalp anders ab. Dort gab es immer wieder Bummel­etappen, und die Siege wurden verschenkt. Das ist seit drei, vier Jahren nicht mehr so. Jeden Tag wird jetzt mit dem Messer zwischen den Zähnen gefahren. Daran wachsen auch die Sportler. Das sportliche Niveau wurde extrem nach oben gezogen, und wer jetzt vorne mitspielen möchte, muss sich noch seriöser vorbereiten.
Kaufmann: Für mich und Jochen galt es, dieses Jahr noch einen rauszuhauen, nachdem wir wegen eines Rahmenbruchs das Gelbe Trikot beim Cape Epic verloren. Wie Jochen schon erwähnt hat, versuchen die Top-Fahrer immer besser zu werden. Ich habe Ende 2013 den Trainer gewechselt, und das hat noch mal einen Ausschlag gegeben. Ich trainiere weitaus härter als früher. Zudem wurde noch kräftig an der Ernährung geschraubt, und ich mache mehr Krafttraining.

Cape Epic,Sportzpics,Nick Muzik Beim Cape Epic 2014 bremste die beiden ein Rahmenbruch aus. Sonst wären sie auch hier um den Sieg mitgefahren.


Die Titelverteidigung soll ja immer schwerer sein als der erste Sieg – wie war es für Euch?


Kaufmann: Ich war dieses Jahr körperlich noch stärker und habe weniger gelitten als im Vorjahr. Es soll nicht überheblich klingen, aber ich hatte immer die Kontrolle im Rennen. Ich schaute ganz genau auf meine Wattleistung und wusste, bei wie viel Watt welcher Fahrer Probleme bekommt. So konnten wir genau steuern, zu welchem Zeitpunkt wir das Tempo etwas erhöhten oder richtig attackierten.
Käß: Klar hatten wir den Druck, aber damit können wir Fahrer und das Team hinter uns gut umgehen. Zudem profitierten wir auch von dem Fahrfehler, den Kristian Hynek (Team Topeak Ergon Racing: Anm. d. Red.) beging und dadurch sein Laufrad schrottete. Somit hatten wir viel Puffer auf ihn und Alban Lakata.


Die beiden hatten kein Backup-Team wie Ihr.


Kaufmann: Und das war verhängnisvoll … wir hatten das beste Backup-Team der Welt dabei. Daniel Geismayr und Hannes Genze waren in Top-Form und sind nicht umsonst Etappensieger und Gesamtzweite geworden. Wir wollten nichts dem Zufall überlassen und wussten schon von dem Cape Epic, wie wichtig das Zweit-Team sein kann. Wir halfen dort ja Ergon, nachdem wir keine Chance mehr auf den Gesamtsieg hatten.
Käß: Auch beim Material haben wir uns eher auf die schwerere, aber stabilere Alternative verlassen. Besonders bei den Mänteln wählten wir die sichere Variante. Aber wir haben ja eh schon sehr leichte Bikes.


Ein Etappenrennen wird im Hotelzimmer gewonnen – wie weit könnt Ihr die Aussage bestätigen?


Käß: Gar nicht. Ich schlief im Wohnmobil und fand immer gleiche Bedingungen vor. Darum geht es ja: maximale Erholung durch guten Schlaf, eine gewohnte Umgebung und ideal abgestimmte Ernährung. Wir machten einen Tag den Fehler, außerhalb zu Essen und prompt hatten zwei Fahrer am nächsten Tag Probleme. Aber um auf die Aussage zurückzukommen: Sie stimmt natürlich und zielt auf die maximal mögliche Regenerationszeit ab.
Kaufmann: Ja, ich lag sehr viel im Bett, um mich zu erholen. Alle von uns taten das. Und wie Jochen es schon ansprach: Eine gewohnte Umgebung kann bei der Erholung helfen. Im Hotelzimmer hatten einige von uns ihr eigenes Kissen und die eigene Decke mit. Übrigens: Team Sky nimmt die eigenen Matratzen mit. Wichtig dabei ist aber auch, dass der Körper schnell wieder seine Grundtemperatur erreicht. Wir arbeiten da zum Teil mit speziellen Techniken (Kühltechniken, Kühlwesten). Wärme und Hitze können extrem leistungslimitierend sein. Schon im Rennen achteten wir auf ausreichend Kühlung.


Es klingt so, als ob der Erfolg von Centurion Vaude aus vielen einzelnen Komponenten besteht, die schon maximal ausgereizt wurden. Kann man da überhaupt noch einen draufsetzen?


Kaufmann: Ja, in allen Bereichen kann man sich verbessern. Sei es im Training, bei der Ernährung, der Gesamtorganisation des Teams, der Aerodynamik, dem Gewicht und, und, und. Wir haben noch viele Schrauben, an denen gedreht werden kann.
Käß: Da stimme ich Markus zu. Im Ablauf kann man noch einiges machen; zum Beispiel bei den Hotelstandorten, um eine Verkürzung der Transferzeiten zu erreichen. Aber, jedes Team kämpft mit diesen Problemen, und wir waren dieses Jahr schon eines der besten in diesem Bereich.

Themen: 2014Centurion vaudeInterviewkäßkaufmannSiegerTransalp


Lesen Sie das BIKE Magazin. Einfach digital in der BIKE-App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag
Anzeige
  • South Tyrol Trail: Nonstop-Etappenrennen per GPS
    Solo-Mountainbike-Rennen durch Südtirol

    14.02.2016Per GPS führt der South Tyrol Trail Mountainbiker 365 Tage im Jahr auf drei Routen von Westen nach Osten durch Südtirol. Alles andere kann jeder selbst entscheiden, der Schnellste ...

  • Kurz-Interview: Manuel Fumic vor Comeback

    04.07.2013Ein Sturz beim Training für den Worldcup in Albstadt zerstörte Manuel Fumics Saisonpläne. Nach nur sieben Wochen kehrt Deutschlands bester XC-Fahrer zurück. Wir haben mit ihm ...

  • Interview mit Dopingfahnder Prof. Mario Thevis
    Warum es so schwer ist, Dopingsünder zu erwischen...

    30.08.2016Dopingschock: Eine nachträglich geöffnete Probe von 2012 hat die slowenische Bikerin Blaža Klemenčič überführt. Der Kölner Professor Mario Thevis gehört zu den besten Dopingjägern ...

  • Chris Chance im Interview
    Chris Chance: „Es ist in meinem Blut.“

    03.07.2015Die Presse nannte ihn Stahl-Papst, die Bikes seiner Schmiede Fat City Cycles genießen bis heute Kultstatus. Nach seinem Ausstieg vor 15 Jahren verkündet Chris Chance sein ...

  • Interview Jolanda Neff
    "Mein Job ist es zu schauen, dass es mir gut geht."

    14.08.2016Jolanda Neff macht, worauf sie Lust hat. Vielleicht wurde sie deswegen jüngste Worldcup-Gesamtsiegerin der Bike-Geschichte. Ein Gespräch über harten Cross-Country-Sport, ...

  • Maxxis BIKE Transalp 2019 – Etappe 5
    Königsetappe mit Schauern, Sturz und Heiratsantrag

    19.07.2019112 Kilometer: Die 5. Transalp-Etappe war die längste des Rennens. Schauer und die fast 3000 Höhenmeter machten es den Bikern nicht leicht. Es gab einen Wechsel an der Spitze und ...

  • Test 2017 – Trailbikes: Transalp Signature II X12 Trail 1.0
    Transalp Signature II X12 Trail 1.0 im Test

    05.12.2017Das Transalp kam mit simplen Rohrformen und schwarzer Eloxierung als Mauerblümchen in unsere Redaktion und verlässt die Teststrecke als klarer Testsieger.

  • Maxxis BIKE Transalp 2019 - Etappe 6
    Verschnaufpause vor dem Finale

    20.07.2019Auf der sechsten Etappe gönnten die Veranstalter den Fahrern eine kleine Verschnaufpause. Die 58 Kilometer und rund 1500 Höhenmeter bewältigten die schnellsten Teams in knapp über ...

  • 5 klassische Transalp-Routen: Download GPS-Daten
    Über die Alpen: Von Kurz-Transalp bis Westalpen-Route

    22.12.2017Fragt man Transalp-Papst Uli Stanciu nach seiner Lieblingsroute über die Alpen, dann fallen ihm sofort zehn ein. Davon hier fünf Klassiker, die er alle mit frisch aufgespürten ...