Desert Dash 2018: Der längste Marathon der Welt in Namibia Desert Dash 2018: Der längste Marathon der Welt in Namibia

Desert Dash 2018: Rennen und Sieger der Einzelfahrer

Konny Looser: Sieger der Solo-Fahrer im Interview

Henri Lesewitz am 01.03.2018

"Beim ersten Mal hatte ich Angst"

Der Strand von Swakopmund, kurz vor 6 Uhr morgens. Der Zeitnehmer hat gerade den Messteppich eingestöpselt, da kommen die Journalisten aufgeregt aus dem Festzelt, in dem sie eben noch vor sich hingedöst haben. Die Führenden werden gleich da sein, wurde per Streckenfunk mitgeteilt. Und da kommen sie auch schon angesprintet aus dem Schwarz der Nacht. Das schnellste 4er-Team und direkt dahinter Konny Looser, der erste Solofahrer. 13:55 Stunden. Was für eine Fabelzeit!

Es ist das längste Mountainbike-Rennen der Welt, es sind die Sieger. Doch es gibt weder eine Lautsprecherdurchsage, noch Musik-Gewummer. Swakopmund schläft noch. Looser, für den es der dritte Sieg beim Desert Dash ist, klickt aus und fällt seiner Freundin in die Arme. Dafür, dass er gerade 369 Kilometer durch die Wüste gekurbelt ist, sieht er erstaunlich vital aus. Im Sommer, nach seinem Sieg bei der berühmt-berüchtigten Salzkammergut Trophy, hatte er es kaum noch vom Bike geschafft.

Desert Dash 2018: Der längste Marathon der Welt in Namibia

Der Schweizer Marathon-Meister Konny Looser beim Desert Dash 2018.

Glückwunsch zum Sieg! Eine Wahnsinnszeit.

Danke. Die Bedingungen waren in diesem Jahr außergewöhnlich gut. Der Gegenwind war nicht ganz so stark.

Du siehst nicht wirklich zermürbt aus. Wie viel hast Du für das Rennen trainiert?

Speziell trainiert habe ich dafür nicht so viel. Da muss man die Saison als Ganzes sehen. Die hat bei mir im März mit dem Cape Epic angefangen. Und das Desert Dash ist jetzt der Jahresabschluss. Mittlerweile ist ja Dezember. Das Jahr über saß ich 800 Stunden im Sattel. Ich bin etwa 20 000 Kilometer und 350 000 Höhenmeter gefahren und hatte alles in allem 53 Renntage. Im Bezug auf die perfekte Vorbereitung für das Desert Dash gibt es ja viele Theorien. Manche trainieren zum Beispiel nachts, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. Andere fahren im Vorfeld wahnsinnig lange Distanzen. So etwas habe ich alles nicht getan.

Du bist Schweizer Marathon-Meister. Bekannt bist Du aber vor allem wegen Deiner Erfolge auf den extrem langen Strecken, etwa bei der Salzkammergut Trophy oder hier beim Desert Dash. Was reizt Dich an Extremdistanzen?

Als Sportler sucht man immer nach neuen Herausforderungen. Motivation ist super wichtig, das betrifft nicht nur das Thema Platzierungen. Das soll jetzt nicht überheblich klingen, aber 100 Kilometer sind für mich keine Riesen-Challenge mehr. Da ist klar, dass ich das gut schaffe. Ich bin schon lange Profi. Angefangen hatte ich mit Cross, danach bin ich eine Zeit lang Cross Country gefahren. Irgendwann war dann Marathon für mich reizvoller, als 90 Minuten im Kreis zu fahren. Nach fünf Starts bei der BIKE Transalp brauchte ich aber mal was Neues. So kam ich auf das Desert Dash und auf die Salzkammergut Trophy.

Wie lief Dein erster Start beim Desert Dash?

Das war 2014, da bin ich mit meiner Freundin Vera als Zweier-Team gestartet. Das Ganze war eher eine spontane Aktion. Ich hatte ziemlich Respekt vor der Distanz, aber die größte Sorge hatte mir etwas ganz anderes bereitet. Ich hatte Erzählungen gehört, dass es in der Wüste Hyänen gibt und andere wilde Tiere. Ob das stimmte, wusste ich nicht. Aber ich hatte echt Angst in der Dunkelheit, richtig Schiss. Das hat mich phasenweise echt fertig gemacht. Aber letztlich war die Sorge natürlich unberechtigt. Aus sportlicher Sicht war das Rennen ziemlich anspruchsvoll. Aber ich dachte: Das will ich noch mal alleine versuchen. Und das hat geklappt. 2015 und 2016 habe ich dann die Solokategorie gewonnen.

Dieses Jahr bist Du das dritte Mal in der Solokategorie gestartet und wusstest von den zwei Teilnahmen zuvor, wie man das Rennen optimal angeht. Wie war Deine Taktik?

Naja, von Taktik würde ich da nicht sprechen. Wie schon gesagt. Meine Saison hatte recht früh mit dem Cape Epic begonnen. Da brauchte ich im November erst mal Urlaub. Ich war mit meiner Freundin zwei Wochen auf La Réunion zum Relaxen, dann sind wir zwei Wochen vor dem Desert Dash nach Namibia geflogen. Am Dienstag vor dem Start bin ich noch einen Fünfstünder gefahren. Das war es auch schon. Der entscheidende Punkt für mich war: Kann ich mit den schnellsten Teams mitfahren? Der Wind beim Desert Dash kann brutal sein. Da ist Windschattenfahren ein großer Vorteil. Heikel sind die Checkpunkte. Die Teams schicken sofort den nächsten Fahrer auf die Strecke, der dann erst mal ausgeruht und voll motiviert Gas gibt. Da darf man den Anschluss nicht verlieren. Wenn man da erst mal die Flaschen auffüllt, oder sonst wie Zeit vertrödelt, hat man ein Problem.

Und wie hast Du das gelöst? Wasser muss man ja auffüllen. Und die Supportcars der Solofahrer stehen das erste Mal bei Checkpunkt 3, also bei Kilometer 180.

Genau, da kann man sich bei den ersten beiden Checkpunkten nichts anreichen lassen. Ich bin deshalb mit einem Eineinhalb-Liter-Camelbak gestartet plus einer Einliter-Flasche am Unterrohr und einer Nullsiebener-Flasche hinterm Sattel. Mein Plan war, alle 35 Kilometer bei den Wasserstationen eine Flasche aufzufüllen und ansonsten immer eine in Reserve zu haben. Bei Kilometer 100 habe ich den Camelbak weggeschmissen. Zu der Zeit war noch ein anderer Solofahrer in der Gruppe, Max Knox aus Südafrika. Der hat dann aber bei Checkpunkt 3 zu lange gebraucht und den Anschluss verloren. Dann war ich mit dem Führungsteam alleine vorne.

Was hast Du unterwegs gegessen?

Nicht viel. Bei der Salzkammergut Trophy, die ich im Juli gewinnen konnte, hatte ich nach sechs Stunden mein erstes Gel genommen. Und das Rennen war richtig anstrengend, weil es kalt war und an der Spitze richtig hart gefightet wurde. Hier beim Desert Dash habe ich eigentlich nur getrunken und mir hin und wieder bei den Verpflegungsstellen eine Kartoffel oder ähnliches genommen. Generell esse ich bei Rennen fast ausschließlich natürliche Dinge, Reisbällchen zum Beispiel. Das funktioniert gut. Ich hatte noch nie einen Krampf.

Was würdest Du sagen: Wie fertig bist Du jetzt nach dem Desert Dash – auf einer Skala von eins bis zehn?

Sieben vielleicht. Nicht, weil es easy war. Sondern weil ich nicht bis zum Schluss um den Sieg fighten musste. Als der Südafrikaner Max Knox weg war, konnte ich mit dem führenden Teamfahrer ein gleichmäßiges Tempo fahren und mich mit ihm schön im Wind abwechseln. Das hat schon ein paar Körner gespart.

Und wie fertig warst Du nach Deinem Sieg bei der Salzkammergut Trophy – auf einer Skala von eins bis zehn?

Elf! Da war ich richtig kaputt. An der Spitze wurde die ganze Zeit Anschlag gefahren. Trotzdem entschied am Schluss erst der Sprint.
 

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Henri Lesewitz am 01.03.2018