Chris Kovarik Chris Kovarik Chris Kovarik

Chris Kovarik

  • Martin Platter
 • Publiziert vor 18 Jahren

Seit 2001 weht ein frischer Wind im Downhill-Weltcup. Wilde Abfahrer aus Grossbritannien, Südafrika und Australien machen den vorher überlegenen Speed-Spezialisten aus Frankreich das Siegen schwer. Chris Kovarik ist einer der Herausforderer aus Down Under.

Über BMX- und Cross-Country-Rennen ist Chris Kovarik zum Downhill gekommen. 2000, in seinem zweiten Jahr als Downhill-Profi fuhr er an die Spitze der weltbesten Bike-Abfahrer. Durch seinen ersten Weltcup-Sieg beim Finale in Mont-Sainte-Anne landete Chris 2001 auf Platz vier – trotz zweier Totalausfälle! Im gleichen Stil fuhr Kovarik 2002 weiter – bis er schwer stürzte. Die Weltcup-Saison und die Weltmeisterschaften beendete er dennoch als Dritter. In der Saison 2003 will sich Kovarik nicht mehr mit Ehrenplätzen begnügen. Im BIKE-Interview spricht er über Mut, Können und sein Leben abseits der Strecke.


Chris, was hast du gemacht bevor du Bike-Profi wurdest?
Nach der Schule habe ich als Handwerker gearbeitet. Zum Ausgleich bin ich vor allem Cross Country gefahren. Meinem Chef hat das gefallen. Er hat mich freigestellt, wenn ich irgendwo in Australien ein Rennen bestreiten wollte.


Wie bist du zum Downhill gekommen?
Als ich jünger war, bin ich BMX und auf der Strasse gefahren, aber keine Rennen. Über einen Bike-Club bin ich dann zum Cross-Country- und später zum Downhill-Rennsport gekommen. Dann habe ich den Vertrag bei Crank bekommen. Das war zwar nur ein kleines Team, doch ich hatte die Möglichkeit, in den USA zu fahren. So bin ich zu Intense gekommen.


Wie trainierst du?
Sehr abwechslungsreich: Technik mit dem BMX-Rad, viele Stunden im Kraftraum. Die Ausdauer trainiere ich mit Freunden auf Touren am Wochenende. Das macht Spaß und fördert den Kampfgeist. Wenn ich alleine mit dem Bike unterwegs bin, dauern meine Trainingsfahrten etwa zwei Stunden.


Wie gehst du mit deiner Nervosität um?
Das ist nicht immer einfach. Man darf nicht zu viel über die Gefahren nachdenken, sondern sollte seine ganze Konzentration darauf verwenden, noch schneller zu werden. Hilfreich ist eine gute Qualifikation. Dann weiß man, dass Strecke und Material stimmen. Dieses Gefühl der Sicherheit kann die Nervosität wohl dämpfen. Doch ganz weg kriegst du sie auch damit nicht.


Wie wichtig ist das Material?
Es ist ein wichtiger Teil im Puzzle. Ein Vorteil war in der letzten Saison zum Beispiel die 5th-Element-Federung bei Intense. Richtig abgestimmt vermittelt sie mir zusätzliche Sicherheit und Kontrolle, was sich natürlich auch beim Speed auswirkt.


Australien ist im Downhill auf dem Vormarsch. Wer steht hinter den Erfolgen?
Seit zwei Jahren haben wir einen Nationaltrainer, Scott Sharples, der früher selbst erfolgreich Downhills gefahren ist. Er organisiert eine Menge im Hintergrund und hilft den jungen Fahrern mit seinen Kontakten und seiner Erfahrung, in der Szene Fuß zu fassen.


Wie denkst du über die Freeride-Bewegung, die in Europa am Aufkommen ist?
Ich finde jede Art von Mountainbike-Sport gut und besonders Freeride. Jede Sportart, die Ähnlichkeit mit Downhill hat, bringt auch den Downhill-Sport weiter.


Wie hart ist der Konkurrenzkampf? Gibt es echte Freundschaften unter den Athleten?
Auch wenn der Konkurrenzkampf härter geworden ist, spielt der Spaß noch immer eine wichtige Rolle. Das ist für mich einer der Hauptgründe, warum ich gerne in der Szene bin. Ich mag es, mit Typen wie Cedric Gracia, Steve Peat und Nathan Rennie herumzuziehen und Shit zu quatschen.


Ist es eigentlich noch sinnvoll, Frauen im Downhill starten zu lassen?
Eine gute Frage. Vielleicht ist es in Zukunft sinnvoll, für Frauen einen alternativen Parcours mit weniger hohen Sprüngen und einfacheren technischen Passagen auszustecken, ihr Rennen vielleicht sogar an einem anderen Tag anzusetzen.


Was sind deine weiteren Ziele?
Ich möchte dieses Jahr die Weltcup-Gesamtwertung gewinnen.


Steckbrief:
Name: Christopher Kovarik
Wohnort: Brisbane/Queensland/Australien
Geb.: 1. März 1978
Grösse: 180 cm
Gewicht: 81 kg
Beruf: Mountainbiker
Teams: 1999 Crank USA, seit 2000 Intense
Erfolge: 2000: 20. Gesamt-WC; 2001: Weltcup-Sieg in Mont-Sainte-Anne, 4. Gesamt-WC, 4. WM in Vail/USA; 2002: Weltcup-Siege in Fort William und Maribor, 3. Gesamt-WC, 3. WM in Kaprun/A
Karrierestart: 1999
Training: 15 bis 30 Stunden pro Woche
Hobbies: Mountainbiking, Motocross, Geländewagen fahren, Skateboarding, Surfen

Themen: AustralienChris KovarikDownhill


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