Chris Chance: „Es ist in meinem Blut.“ Chris Chance: „Es ist in meinem Blut.“ Chris Chance: „Es ist in meinem Blut.“

Chris Chance im Interview

Chris Chance: „Es ist in meinem Blut.“

  • Gerolf Meyer
 • Publiziert vor 6 Jahren

Die Presse nannte ihn Stahl-Papst, die Bikes seiner Schmiede Fat City Cycles genießen bis heute Kultstatus. Nach seinem Ausstieg vor 15 Jahren verkündet Chris Chance sein Comeback. Und nun?


BIKE: Hast Du in den letzten 15 Jahren Rahmen gebaut?

Chris Chance: Nein. Aber es ist in meinem Blut. Das ist wie Radfahren an sich. Das verlernt man nicht.


Du warst völlig von der Bildfläche verschwunden. Was hast Du all die Jahre lang gemacht?

Ich arbeite gerne mit meinen Händen. Also verdiente ich mein Geld nach dem Ausstieg aus dem Bike-Business als Shiatsu-Praktiker.


Warum wagst Du nun den Schritt zurück?

Als ich das Business damals verließ, war das wie mit einer gescheiterten Liebesaffäre. Es war wichtig, einen harten Schnitt zu machen. Die Zeit verging. Aber jedes Jahr kontaktierte mich irgendein Magazin, um mit mir über die alten Zeiten zu sprechen. Das brachte mich zum Nachdenken. Die Leute sind so euphorisch, was die alten Räder anbelangt! Irgendwann meldete sich dann diese Frau, die ihre Doktorarbeit über die Bike-Geschichte schreibt. Durch das Interview entzündete sich alles neu. Ich wachte auf. Als ich auf Facebook meine Rückkehr verkündete, lasen das 28000 Leute. Das ist unglaublich. Ich tue das alles wegen der Fans.


Hast Du eine Erklärung dafür, woher die starke Verbindung zu Dir kommt?

Ich bin immer jemand gewesen, dem es um Qualität ging. Wie baue ich ein Bike, dass dich nie zurückhält? Da ist die Geometrie, der Rohrsatz, das gute Handwerk. Dann der ganze Spaß mit Lackierungen und Namen. Es ist die Gesamtheit aus all diesen Dingen, was die Leute an Fat-Chance-Bikes fasziniert.


Du hast die Fans im Internet darüber abstimmen lassen, wie das künftige Fat Chance aussehen soll. Wieso?

Dadurch verstehe ich besser, was die Leute da draußen wollen. Es gibt jetzt all diese Spielarten wie All Mountain, Trail, Cross Country. In jede dieser Richtungen werde ich meinen eigenen Ansatz entwickeln. Heute wird anders gefahren als vor 20 Jahren. Außerdem spreche ich mit Leuten, die sich mit Fullys auskennen und vielleicht sogar eins mit mir konstruieren können. Und ich will mehr über Carbon lernen. Ich finde, das ist ein großartiges Material.


Worauf legst Du Wert bei einem Bike?

Handling ist sehr wichtig für mich. Es muss sich gut anfühlen, wenn du dein Gewicht verlagerst, beim Lenken, Beschleunigen, Klettern. Das ist es, worum es geht: Die richtige Balance herzustellen, damit die Gewichtsverlagerung gut funktioniert. Und eine coole Lackierung, die ist natürlich auch wichtig.


Um Kapital für den Neustart zu sammeln, hast Du eine Crowdfunding-Aktion im Internet gestartet. Interessenten konnten Produkte von Dir kaufen, die es derzeit nur virtuell gibt. Unter anderem eine "I’m back"-Edition der geplanten Yo-Eddy-Neuauflage für 5000 Dollar. Warum dieser Weg?

Ich spürte den Enthusiasmus der Fans und wollte mit ihrer Hilfe die Firma in Gang bringen. Es gibt Leute, die uns gern unterstützen. Aber es gibt noch mehr, denen es darum geht, wie viel sie für ein Rad ausgeben. Kickstarter war eine Erfahrung. Eine Möglichkeit, mit Hilfe von Fans und Enthusiasten loszulegen.


Du hast Dein Finanzierungsziel erreicht, aber es sind aktuell nur 30 Rahmen reserviert. Bist Du enttäuscht?

Es gibt Leute, die nicht in den Relaunch der Firma investieren wollten. Das ist richtig. Aber wir werden im Geschäft sein und Rahmen verkaufen. Ich bin allen dankbar, die uns bei Kickstarter unterstützt haben.


Die Rahmendaten, die Du veröffentlicht hast, gibt es so auch bei anderen Herstellern. Dafür gab es Kritik.

Es geht mir darum, ein zeitgemäßes Yo Eddy zu bauen. Es wird aus Stahl sein und zwar aus True-Temper-OX-Platinum-Rohren. Die Rahmen werden eine moderne Trail-Geometrie haben. Manche sagen, Räder mit diesen Eigenschaften gibt es schon, aber es wird trotzdem das Herz eines Yo Eddy haben. Ich bin ein kreativer Kopf. Ich werde neue Sachen präsentieren. Es ist aber noch etwas zu früh, um darüber zu sprechen.


Wirst Du die Räder selbst bauen?

Ich werde da mitmischen, aber in einem Team. Ich werde nicht die ganze Zeit dabei sein, aber zu einem guten Teil.


Es wird gemunkelt, dass die ersten Rahmen bei der Custom-Schmiede Ventana gebaut werden sollen. Sind das dann überhaupt echte Fat Chances?

Es ist gerade am sinnvollsten, mit Leuten zu arbeiten, die meinen Qualitätsanspruch verstehen. So muss ich keine eigene Werkstatt einrichten. Wir sind in Kontakt mit Ventana und anderen. Mehr kann ich dazu aber noch nicht sagen.


Willst Du keine eigene Werkstatt haben?

Doch, aber es gibt verschiedene Richtungen: Titan, Stahl, Carbon. Wo sollen wir investieren? Wir müssen erst rausfinden, wo wir hinwollen. Dann werden wir eine Werkstatt aufbauen. Es ist wichtig, einen Ort zu haben, an dem du Rahmen baust, aber auch das Telefon abheben kannst.

Henri Lesewitz Chris Chance: „Als ich das Business damals verließ, war das wie mit einer gescheiterten Liebesaffäre. Es war wichtig, einen harten Schnitt zu machen.“


Glaubst Du, an den Ruhm von einst anknüpfen zu können?

Bei uns geht es immer auch um Spaß. Daraus entsteht Kreativität. Wir werden sehen, was dann passiert.

Fat City Cycles

Der Rahmenbauer Chris Chance gehörte zu den Ersten, die sich der Fertigung von Mountainbikes widmeten. Seine 1982 gegründete Schmiede Fat City Cycle genoss legendären Ruhm. Modelle wie das Fat Chance Yo Eddy zählen heute zu den Ikonen des Bike-Sports. Nach finanziellen Turbulenzen zog sich Chris Chance Ende der Neunziger frustriert aus dem Bike-Business zurück.
www.fatchancebicycles.com

Themen: Chris ChanceFat ChanceInterview


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