Cedric Gracia

  • Tarek Rasouli
 • Publiziert vor 17 Jahren

Manche Menschen schaut er nur mit seinem Hintern an. Und diese danken es ihm mit Applaus. Cedric Gracia ist der Rockstar der Bike- Szene: rebellisch, extrovertiert, eigensinnig – und doch voller Klischees.

Cedric Gracia gehört seit Jahren zur Weltspitze im Downhill und 4-Cross. Und er hat den Sprung in die Freeride-Szene geschafft – mit beeindruckendem Erfolg. Beim Redbull Rampage, dem Showdown der weltbesten Freerider in der Wüste von Utah, düpierte er die komplette Elite in dieser Disziplin. Gleichzeitig zeigt er sein außergewöhnliches Talent auf den extremsten Videos der Welt. Als ich Cedric 2003 beim BIKE-Festival in Riva traf, hat mich besonders seine Energie beeindruckt. Erst auf einer Party, wo er bis zum frühen Morgen feierte und gefeiert wurde. Am nächsten Morgen trat er um 8 Uhr zum BIKE-Marathon an. Zwar fuhr er nur die kleine Runde, dafür aber stand er am Abend des gleichen Tages noch beim Nachtsprint am Start – und beendete ihn als Sieger. Jeder andere wäre spätestens jetzt tot ins Bett gefallen. Nicht Cedric. Bei ihm ging es erst dann richtig los – auf der Party seines Hauptsponsors Cannondale. Die Menge tobte, denn Cedric bemalte auf der Bühne halbnackte Mädels mit Bodypaint, ließ am Ende noch die Hosen runter und poste mit seinem Allerwertesten vor den kreischenden Fans – Cedric der Rockstar. Allein seine Show in diesen drei Tagen bot genügend Anlässe, mehr über diese Ausnahmeerscheinung erfahren zu wollen.


Cedric, es kommt schon mal vor, dass du auf einer Party-Bühne die Hosen runter lässt und der Menge deinen nackten Hintern zeigst. Und dann springst du beim Rampage einen Backflip. Bist du so – extrem in allen Lebenslagen?
Auf jeden Fall, das bin ich! Ich muss immer irgendetwas Verrücktes machen. Als ich den Backflip sprang und die Menge tobte, musste ich so sehr lachen, ich konnte nicht mal den Run beenden. Mir ist es grundsä tzlich egal, was andere denken, ich mache, was mir gefällt. Aber irgendwie lieben mich die Leute dafür.


Du hast das Image eines Rockstars. Gehört es zum Geschäft, dieses Image zu pflegen?
Nein, ich will nicht irgendetwas darstellen. Ich bin einfach wie ich bin.


Du sagtest, du machst im Leben immer was du willst? Interessiert dich die Meinung anderer nicht?
Ich höre immer, was andere zu sagen haben. Aber schon als Kind bin ich meinen eigenen Weg gegangen. Wenn meine Eltern mir Ratschläge gaben, dann hab ich das Positive rausgefiltert und es dann auf meine Art gemacht.


Wie fühlt man sich als Idol?
Ich weiß nicht, ob ich ein Idol bin. Ich selbst hatte auch nie eines. Ich wollte niemals sein wie jemand anderes. Aber wenn ich für jemanden ein Vorbild sein sollte, dann bin ich darüber sehr glücklich. Ich finde es super, wenn ich die Kids zum Biken motiviere und sie dadurch von der Straße und von Drogen wegbleiben.


Beim Rampage bist du zum ersten Mal einen Backflip gesprungen. Wie kam es dazu?
Es war der letzte Trainingstag. Ich wollte keine utopischen Drops probieren. Ich dachte mir, warum nicht einen Backflip? Kyle Strait war dabei und ich fragte, was ich machen muss, um einen Flip zu springen. Auch Seth Morrison gab mir Tipps. Er meinte, es sei eigentlich nicht anders als auf Ski. Und das ist kein Problem für mich. Also hab ich es mir gegeben! Beim ersten Versuch ließ ich das Bike upside-down los und stürzte. Das war ziemlich knapp. Beim zweiten Versuch landete ich mit dem Vorderrad zuerst und blieb im Boden stecken. Beim dritten Mal hat’s geklappt – das war ein geiles Gefühl! Jetzt will ich nur noch Flips springen, auch mal in einem Downhill oder 4-Cross-Rennen. Ich will auch der erste sein, der mit dem Downhill-Bike eine Flip-Kombination sprint, also zum Beispiel Backflip-threesixty. Das wäre fett.


Du hast es im Mountainbiken weit gebracht. Hattest du auf diesem Weg den Erfolg immer genau im Visier?
Na ja, zuallererst wollte ich einfach immer Sport machen anstatt arbeiten zu müssen. Und 1995 ging es dann eben richtig los. Ich war schon vorher nationale Rennen gefahren, als mich mein damaliger Sponsor fragte, ob ich nicht bei den Worldcups mitfahren möchte. Für mich war das klar. Ich wollte einfach so viel biken wie nur möglich. Und plötzlich war ich ein Downhill-Profi.


Hättest du im Leben einen „Plan B“ parat gehabt, wenn es mit der Profi-Karriere nicht geklappt hätte?
Während ich schon Profi war, ging ich noch für vier Jahre auf eine Marketing-Schule, nebenbei auch in eine Skischule in Chamonix. Ich schloss die Schule ab, damit ich einen Abschluss hatte.


Wie viel verdienen Top-Profis wie du? So 250.000 Euro?
Ganz gut geschätzt. Aber Fahrer wie Carter und Lopes verdienen noch mehr, weil sie in den Staaten leben und dort die Fahrer immer noch besser bezahlt werden.


Du hast viel erreicht in deiner Karriere. Hast du noch Ziele?
Ich versuche jetzt nicht, die Olympischen Spiele zu gewinnen oder ähnliches. Ich will einfach glücklich sein, aber ich will mir keine Ziele setzen, von denen ich nicht sicher bin, dass ich sie verwirklichen kann. Am Ende würde ich mich vielleicht selbst enttäuschen und das will ich nicht.


Und private Ziele?
Ich liebe Häuser und Autos. Ich will vor allem in Häuser investieren, um mein Geld richtig anzulegen.


Denkst du manchmal daran, was beim Biken alles passieren kann?
Ich weiß , dass das, was ich mache, nicht ungefährlich ist. Wenn ich Rennen fahre, ist mir klar, dass ich mich schwer verletzen kann. Das ist normal. Man bewegt sich auf einem schmalen Grat. Und doch ist es ein Spiel. Aber es gibt andere Sportarten, die viel gefährlicher sind. Motorsport etwa. Das hat mit Spielen nichts mehr zu tun.


Glaubst du an ein Leben nach dem Tod, an Wiedergeburt?
Auf jeden Fall.


Wie stellst du dir das vor?
Vielleicht werde ich etwas anderes sein, vielleicht ein Tier. Vielleicht ein Affe. Das fände ich klasse.


Und was würdest du dann machen?
Bananen essen, den ganzen Tag Sex machen und
von Baum zu Baum springen ...


STECKBRIEF

Spitzname: „French Rocket“, „C-dog“
geboren: 23.03.1978
Größe: 1,88 m
Gewicht: 82 Kg
Wohnort: Andorra
Schwäche: Ich kann selten ernst sein
MTB seit: 1994
Profi seit: 1997
Größte Enttäuschung: Ich musste vor der DH-WM in Vail in den Knast.
Größter Erfolg: Als ich aus dem Gefängnis entlassen wurde und dann im 4-Cross Zweiter wurde.
Lieblingsessen: Mexikanisch und Sushi
Lieblingslektüre: Hustler
Lieblingsmusik: Rap, Punk
Lieblingsbeschäftigung: Mit meinen Freunden biken und motocrossen und ihnen zeigen, wer der Chef ist.
Lieblingsreiseziel: Kalifornien, Spanien
Lieblings Bike-Revier: Whistler
Andere Sportarten: Motocross, Skateboarden, Freeskiing
Erfolge: 2001: Gesamtworldcup-Fünfter im Dual und DH; 2002: Gesamt-Zweiter im 4-Cross und DH; 2003: Gesamt-Fünfter im 4-Cross und Zweiter im DH
Website: www.cedric-gracia.com
Cedrics Firma: www.xtremesportstalent.com


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