Was können leichte Freerider besser als Enduros? Was können leichte Freerider besser als Enduros? Was können leichte Freerider besser als Enduros?

Test 2014: Leichte Freerider

Was können leichte Freerider besser als Enduros?

  • Jeanette Borchers
 • Publiziert vor 7 Jahren

Das Problem mit Süßigkeiten: Sie schmecken lecker, wenn man aber zuviel davon isst, wird einem übel. So geht’s aktuell mit dem Enduro­hype. Er kommt uns langsam zu den Ohren raus.

Wolfgang Watzke "Freeriding ist tot!", hört man immer wieder. Alles ist nur noch "Enduro". Aber das ist ein Race-Format und die Bikes dafür sind auf Effizienz getrimmt. Was kaufen Kunden, die nicht racen wollen, sondern "nur" Spaß haben? Und wie heißen solche Bikes? Man kann sie natürlich nennen, wie man will – Long­travel-Superenduro-Allmountainbikes zum Beispiel. Wir nennen sie leichte Freerider. 

Was waren das für Zeiten, als nur die glattrasierten Laktat-Kollegen der BIKE für ihre glatt­rasierte Laktat-Zielgruppe auf schwindsüchtigen Rädern durch Trails hoppelten, während wir tiefenentspannt mit dicken Geräten die schlimmsten Geröllwüsten abreiten konnten. Viele wollten damals – vor gerade mal zwei Jahren – freeriden. Fahren, um Spaß zu haben und Regeln Regeln sein zu lassen. Vorbei! Jetzt sind nackte Waden hip, Endurobikes aus Plastik der letzte Schrei, Bäuche werden eingezogen, Strava-Accounts gefälscht. Um wenige Millimeter gewachsene Laufradgrößen werden ob ihrer theoretischen Vorteile ausdiskutiert, als ginge es um die Lösung des Nahostkonflikts. Verrückt! Zeit, die Notbremse zu ziehen. Zumindest in diesem Test. Wir wollten ihn machen im festen Glauben daran, dass noch nicht alle Biker vom Effizienzwahn befallen sind. Dass da draußen jede Menge Leute zum Radeln gehen und das Smartphone und den Pulsmesser zuhause lassen. Bergauf ein bisschen mit den Kumpels quatschen, ankommen, wenn man halt ankommt und dann bergab Vollgas geben. Egal wie heftig das Gelände auch sein mag. Und für genau die gibt es Bikes – nicht mehr viele – die eine mittlerweile kleine, aber spaßige Nische besetzen.

Test: Leichte Freerider

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Das Problem mit Süßigkeiten: Sie schmecken lecker, wenn man aber zuviel davon isst, wird einem übel. So geht's aktuell mit dem Endurohype. Er kommt uns langsam zu den Ohren raus.


Klassenkampf

Die RockShox "Pike" ist Schuld am ganzen Schlamassel. Die Gabel ist so potent wie eine "Lyrik" mit 170 Millimetern Hub, wiegt aber ein halbes Kilo weniger und hat das Enduro-Feuer mächtig angefacht. Plötzlich wollen alle ein Bike mit dieser Gabel. Und die Hersteller bauen Bikes, die zu dieser Gabel passen: leichte, schnelle, straffe Race-Kisten, die bergauf und auf dem Singletrail mit einem All-Mountainbike mithalten und bergab mit einem Superenduro. Womit Superenduros vielleicht keiner mehr braucht, denn die sind nur schwerer. Bester Beweis: Unser eigener Superenduro-Test im letzten Heft. Gewonnen hat? Na? Genau: ein leichtes Plastikbike mit "Pike". Ein Enduro der neuen Generation. Die Klasse der Super­enduros steht damit plötzlich etwas im Abseits – nicht aber die leichten Freerider. Wir sagen euch, warum.


Upgrade please

Was die "Pike" für Enduros war, sind die neuen, potenten Luftdämpfer für die Freerider. Der CaneCreek "DB Air CS", oder der Fox "Float X" helfen, Gewicht zu sparen, bieten effektive Druckstufenverstellungen für wippfreies Treten und haben gleichzeitig enormes Potenzial. Mit diesen Dingern im Heck müssen Hersteller nicht mehr beim Hub knausern. Sie können Bikes mit 180, 190 oder sogar 200 Millimetern Federweg bauen, die heute nur noch so schwer wie Super­enduros sind, also um die 14 Kilo, bergauf oft genauso gut fahren, bergab aber Fahreigenschaften bieten, die satter, sicherer, dichter dran am Downhiller sind. Bestes Beispiel: Das Alutech "Sennes FR". Es wiegt exakt so viel wie das "Fanes" im Superendurotest und hat sogar den gleichen Dämpfer verbaut. Es fährt dank steilerem Sitzwinkel und längerem Reach ebenbürtig bergauf – trotz deutlich mehr Hub und softerer Abstimmung. Und im Downhill lässt es seinem Enduro­bruder keine Chance. Ein Minidownhiller kommt dann zum Vorschein. Und man hat sogar die Wahl, das Bike mit einer Doppelbrückengabel zum vollwertigen Big Bike aufzurüsten. Diese Form des Upgrades lassen alle Bikes in diesem Test zu.

Einige, wie das Rotwild "R.G1" gab es letztes Jahr sogar nur im Downhill-Trimm. Dank des leichten Dämpfers und angepasster Geo kommt man jetzt auch nach selbst erkämpfter Anfahrt bei der Abfahrt in den Genuss des schluckfreudigen Hecks. Auch das neue Fusion "Whiplash" kann man sich als Downhiller oder als Freerider mit Downhill-Fahrkomfort aufbauen lassen. Die Detailtüftler von Liteville haben ihrem "601" für diese Saison sogar extra eingeschweißte Verstärkungen im Unterrohr spendiert, damit es Einschläge einer Doppelbrücke ohne Beulen übersteht. Dass es gleichzeitig bergauf pedalierbar ist wie ein leichtes Enduro und mit neuer Abstimmung bergab durchs Gelände saust, macht es zum Freerider par excellence. Und das Specialized mit dem irreführenden Namen "Enduro Evo" lässt mit leichtem Aufbau viele Höhenmeter bergauf zu, liefert bergab aber außergewöhnlich satte Fahrleistungen. Das Bike war 2013 unter Mike Montgomerys Hintern mit Downhill-Gabel sogar bei der Rampage im Einsatz. Kein klassisches Endurogelände!


Der nächste Hype ?

Dabei haben die Bikes aus diesem Test einen echten Nachteil gegenüber den aktuell so gehypten Enduros: Ihnen fehlt der ultimative Kaufanreiz an der Front. Denn die Gabel, die diese Klasse aktuell definiert, ist ein alter Bekannter. Die Fox "36 180" ist bewährt, aber gefühlt auch schon etwas in die Jahre gekommen. Keine "Haben-Will-Gabel" à la "Pike", sondern das, was man halt kaufen kann, wenn man viel Hub will, aber keine Doppelbrücke. RockShox hätte hier mit einer neu aufgelegten "Totem" ähnlich einschlagen können wie im Endurosektor. Aber wie es scheint, macht erstmal Fox das Rennen. Die in den News vorgestellte neue "36" wird Freerider nochmal ein halbes Kilo leichter machen. Damit sind dann Bikes mit 180-plus-Federweg und einem Gewicht mit einer 13 vor dem Komma möglich. Spätestens dann werden die Klassen klar voneinander getrennt sein. Hier die superleichten 160-Millimeter-Enduros, da die immer noch leichten 180-Millimeter-Freerider. Drüber kommt nur noch der Downhiller. Damit wäre dann aus unserer Sicht wieder alles klar.


Fazit: Wer beim Biken Effizienz, Leistung und Rennen im Fokus hat, passt gut zu den neuen Enduros. Hier sind Gewichte um 12 Kilo bereits Normalität. Wer aber den Spaß und alle Spielarten des Gravitysports in einem Bike vereinen will, der sollte zu einem der leichten Freerider aus diesem Test greifen.


Die Testergebnisse dieser Freerider gibt es unten im PDF-Download:

Alutech Sennes FR 2014
Cube Hanzz SL 26 2014
Fusion Whiplash 2014
Liteville 601 2014
Rotwild R.G1 FS Pro 2014
Specialized Enduro Expert Evo 26 2014


Dieser Test ist in der FREERIDE-Ausgabe 2/2014 erschienen. 

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Gehört zur Artikelstrecke:

Was können leichte Freerider besser als Enduros?


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Themen: AlutechCubeFusionLeichte FreeriderLitevilleRotwildSpecializedTest

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