Test 2014: 7 Race-Enduros im Vergleich

Trendverweigerer: Specialized Enduro S-Works

  • Christian Schleker
 • Publiziert vor 6 Jahren

Wie die Zeit vergeht. Bis letztes Jahr galt Specialized als Vorreiter der tiefen Tretlager. In diesem Test hat es – im Verhältnis zur Radachse – das höchste. Denn das "Enduro S-Works" rollt auf 26-Zoll-Laufrädern.

Einsamer Jagdflieger: Testleiter Chris Schleker im Anflug auf dem Specia­lized "Enduro S-Works", dem einzigen 26-Zöller in der ansonsten trendig-hochgebockten 650B-Testflotte. Ein Kampf David gegen Goliath irgendwie. Wie der ausging, weiß man ja ...

Das einzige Bike im Test mit dem "alten" Standard. Wir waren gespannt. Spürt man da überhaupt Unterschiede? Zuerst mal spürten alle den Gewichtsunterschied. Das sündhaft teure Bike (8000 Euro!) ist trotz massivem DH-Luftdämpfer das leichteste Bike im Test und fährt beim ersten Antritt allen 650B-lern davon. Die Laufräder wiegen mit Serienbereifung allein ein halbes Kilo weniger als die der Konkurrenz. Das wirkt wie ein kleiner E-Motor im Sprint. Die Sitzposition ist bekannt gut: Ausgewogen, durchschnittlich lang und gut ausbalanciert. Der Dämpfer hält das Heck dank Climb-Switch-Funktion ruhig, ohne dass die Bodenhaftung verloren geht. Leichtes Pumpen kann man provozieren.

Im Downhill waren wir überrascht: Beim direkten Umstieg von einem 27,5er aufs Specialized "Enduro" ist der Handlingsunterschied extrem. Das Bike wirkt dann auf den ersten Metern nervös und zappelig. Die größere Schwungmasse der 650B-Laufräder in Verbindung mit dem tiefer zur Radachse liegenden Tretlager und den meist fast um ein Grad flacheren Lenkwinkeln macht speziell auf Highspeedpassagen einen stark spürbaren Unterschied. Man muss sich erst wieder "zurückgewöhnen", um das Bike genießen zu können. Aber dann kann man es auch richtig genießen: Es besitzt ein unglaublich agiles Handling und ein richtig sattes Fahrwerk. Ohne direkten Vergleich steht man auch beim Specialized gut "im" Bike und hat die perfekte Kontrolle. In den engen Kehren des "Little Champéry"-Trails war es der Konkurrenz sogar überlegen. Mit "Spaß-Works" hatte es am Ende des Tests seinen Spitznamen weg.


Fazit: Dem "S-Works" fehlt es im Vergleich mit den besten Bikes im Test an Laufruhe und Sicherheit. Als sehr guter Fahrer kann man damit dennoch Rennen gewinnen. Freizeitbiker profitieren vom geringen Gewicht und dem fantastischen Handling.


Stärken: Fahrwerk, Geometrie, Gewicht, Ausstattung
Schwächen: hart anschlagende Stütze, Preis


Max Schumann (26): "Letztes Jahr wäre das Bike der Überflieger gewesen. Superleicht, superagil, super Fahrwerk. In schnellen Abfahrten wegen 26 Zoll aber weniger sicher."
Ines Thoma (24): "Das schönste Bike im Test. Erst war ich skeptisch: so teuer und nur 26 Zoll? Aber auf den engen Finale-Trails war das Bike super. Leicht, agil und schnell."


Herstellerangaben 


Vertrieb   Specialized Europe B.V.   www.specialized.com
Material/Größen   Alu/S,M,L
Preis/Gewicht ohne Pedale   7999 Euro/12,0 kg


Messdaten  


Federweg vorn/hinten  160 mm/165 mm
Hinterbausystem   Viergelenker
Reach 419 mm


Ausstattung


Gabel/Dämpfer   RockShox Pike RCT3/CaneCreek Double Barrel Air CS
Kurbeln/Schaltung   SRAM XX1/SRAM XX1
Bremsanlage  Avid XO Trail
Laufräder   Roval Traverse SL Carbon Systemlaufradsatz, Butcher /Purgatory Control 26X2,3 (Serie)

Abschussrampe: Die "Command"-Teleskopstütze funktioniert beim Enduro S-Works von Specialized zuverlässig. Das ist gut. Leider knallt sie auch mit Minimaldruck sehr schnell und ungebremst nach oben. Das ist nicht so gut.

DH-Technik: Mit seinem fetten CaneCreek-Dämpfer ist das Specialized eine Klasse schluckfreudiger ausgestattet als die Konkurrenz. Und das spürt man, wenn es schnell und ruppig wird. Der Dämpfer ist potenter als alle anderen Luftdämpfer im Testfeld.

FREERIDE-RANKING: Die Zahl (maximal 10 Punkte) gibt den GeSamteindruck wieder und ist keine Addition von Downhill- und Uphill-Punkten.

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Themen: EnduroRace-EndurosSpecializedS-WorksTest

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