Test 2015: Freerider mit Uphill-Option

Test Freerider: Fette Bikes, no Fatbikes

  • Christian Schleker
 • Publiziert vor 5 Jahren

Dieser Test ist ein Missverständnis. Unser Chef wollte, dass wir Fatbikes testen. Aber auf dem Ohr waren wir taub. Oder zumindest ein bisschen schwerhörig. Und so kam bei uns an: „Testet fette Bikes.“ Jawohl!

Fett aber nich FAT: Testfahrer Chris Schleker lässt sich vom neuen Kona "Process 167" aus der Kurve tragen. Der mattschwarze Brecher steht für die neue Generation Freerider: tief, lang, stabil – und voll tourentauglich.

Damit haben wir es uns aber nur unnötig schwer gemacht. Mit Fatbikes wäre dieses Testfeld nämlich schnell komplett gewesen. Schließlich quellen die dicken Dinger aktuell wie vollgemampfte Maden aus jeder Shopritze. Free­rider muss man in Läden und Herstellerkatalogen dafür mittlerweile suchen wie schwarze Trüffel. Aber wir waren hartnäckig und haben sechs interessante Vertreter der Gattung ausfindig gemacht. Eine Gattung, die bergab eine ganze Klasse satter unterwegs sein sollte als Enduros, dabei aber trotzdem für Tagestouren und lange Anstiege geeignet sein muss. Es ist die letzte Bikekategorie, in der das Thema Laufradgröße noch nicht final entschieden ist. Die Mittelgröße 27,5 Zoll hat für diese Klasse theoretische Vor- und Nachteile. Durch die größere Masse stabilisieren die Laufräder bei der Abfahrt, machen ein Bike also grundsätzlich etwas laufruhiger. Außerdem kann man – im Verhältnis zur Radachse – das Tretlager stärker absenken und den Fahrer so tiefer im Bike platzieren. Auch das gibt Sicherheit. Im Gegenzug reagieren 650B-Bikes etwas träger auf schnelles Umlegen von einer Kurve in die andere und erreichen bei Sprüngen und beim Spielen mit dem Gelände selten die Quirligkeit ihrer kleineren Kollegen. Die Hersteller stehen also vor der Frage, ob ihr Freerider eher laufruhig und stabil oder doch besser quirlig und verspielt fahren soll.


Diese fetten Freerider findet ihr im Test:

• Cube Fritzz 180 HPA SL
• Kona Process 167 (FREERIDE Testsieger)
• NS Soda Evo Air
• Propain Spindrift FR
• Radon Swoop 190 9.0
• Rose Soulfire 3

Test 2015: Freerider mit Uphill-Option

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Dieser Test ist ein Missverständnis. Unser Chef, die alte Trendhure, wollte, dass wir Fatbikes testen. Diese pummeligen, nutzlosen Bikesäue, die die Industrie aktuell durchs Kundendorf treibt. Aber auf diesem Ohr waren wir taub. Oder zumindest ein bisschen schwerhörig. Und so kam bei uns an: "Testet fette Bikes." Jawohl!


26 Zoll ist noch lange nicht tot!

Vier der Kandidaten rollten mit der "alten" Laufradgröße in die Redaktion. Davon ist immerhin eines eine komplette Neukonstruktion: Das Kona "Process 167" verweigert sich dem 650B-Wahn, wirkt mit seiner langen Front und dem supertiefen Oberrohr aber trotzdem topaktuell. Daran ändert auch die "Lyrik"-Gabel nichts, die – anders als wir das vermutet hätten – gegen die neuen Gabeln im Test sehr gut bestehen kann. Rose und Radon schickten ebenfalls Bikes mit der klassischen Laufradgröße. Während das Rose "Soulfire" mit leichten Parts und klassischer Geometrie eher tourenorientiert daherkommt, setzt Radon auf Kunden, die zu 80 Prozent im Bikepark unterwegs sind und nur in Ausnahmefällen aus eigener Kraft zum Gipfel streben. Das "Swoop 190" erreichte uns noch mit 2014er-Ausstattung, weil die neuen Modelle erst gegen Mai verfügbar sein werden. Die kommen dann mit bergauftauglicherer Übersetzung, aber nicht mehr mit der alten Fox "36 Talas 180 ". Das ist fast schon schade, denn die Gabel war das Sahnestück in diesem Test und beinahe besser für den Freeride-Einsatz abstimmbar als die etwas straffere Nachfolgerin, die eher Enduro­piloten ansprechen soll.

Minimale Grundberührung: Testleiter Chris Schleker war für die Bewertung der Flugeigenschaften zuständig.

Stichwort neu: Das Cube "Fritzz" ersetzt das in die Jahre gekommen "Hanzz", das in unserem letzten Freeridertest aufgrund der veralteten Geometrie wenig Zuneigung erhielt. Das komplett neue Bike kommt mit überarbeiteter Hinterbaukinematik, flacherem Lenkwinkel, solider, aber leichter Austattung und vom Lenker aus blockierbarem Dämpfer. Interessant: Wir waren uns sicher, dass der Rahmen mit 40er-Sitzrohr in Größe Small vor uns steht. Doch Cube (und Kona) setzt voll auf kurze Rohre, niedrige Überstandshöhe und 150er-Teleskopstützen. Der theoretische Vorteil: Je nach Einsatzbereich kann man auch als kleinerer Fahrer zur nächstgrößeren Rahmengröße greifen. Ein leichtes Stirnrunzeln erzeugte die Gabelwahl beim Propain "Spindrift". Der VPP-Rahmen im schicken Penatencremeblau wurde werksseitig mit Teleskopstütze, 1x11-Schaltung und stabilen Laufrädern ideal für Touren in extremem Gelände gerüstet. Da wirkte die Manitou "Mattoc" an der Front seltsam deplaziert. Die gehört wie die RockShox "Pike" in unseren Augen ins Segment der Enduro-Gabeln. Und tatsächlich sollte sich diese Komponentenwahl als Problem herausstellen. Der komplette Exot im Testfeld war das NS "Soda Evo". Der abgestützte Eingelenker interpretiert den Begriff Freeride ähnlich wie Radon, geht dabei allerdings in Sachen Handling einen völlig anderen Weg. Während das "Swoop" eher als Mini-Downhiller funktioniert, wirkte das "Soda" wie ein großes Dirtbike. Sam Pilgrim lässt grüßen.

Maximale Bodenhaftung: Racer Max Schumann lotete bei allen Testbikes in Finale Ligure die Geschwindigkeitsgrenzen aus.

Egal wie unterschiedlich, alle Bikes mussten das exakt gleiche Testprozedere durchlaufen: Ein Tag Maximal­belastung auf der Fels-Alptraumstrecke in Bozen, um die Fahrwerksgrenzen auszuloten, und drei Tage Dauerfeuer im Trailparadies Finale Ligure, um klare Ergebnisse beim Handling zu bekommen. Dabei waren sowohl Fahrten mit Serienbereifung als auch mit Einheitspneus angesagt. Überrascht hat uns bei diesem Test die hohe Ausfallquote der Bauteile: Ein Laufrad, eine Teleskopstütze, zwei Schaltwerke und eine Gabel überstanden den Test nicht.


Fazit: Fatbikes hätten bei diesem Test keinen Blumentopf gewonnen. Freerider müssen bergab nah am Fahrgefühl eines Downhillbikes sein und trotzdem auch lange Strecken bergauf möglich machen. Das können einige der hier getesteten Bikes. Am besten funktioniert das Kona – für uns der Top-Freerider der kommenden Saison!

Schraub - schraub - schraub...

Test-Bereifung Eigentlich war für diesen Test eine Reifenkombi von Michelin vorgesehen, aber die kam leider einen Tag zu spät in die Redaktion. So griffen wir wieder zu den bewährten Schwalbe "Magic Mary" und "Hans Dampf". In der "Super-Gravity"-Version eine gute Allroundkombi für Freerider. Zusätzlich fuhren wir alle Bikes einmal in ihrer Serienbereifung, um das Gesamtkonzept der Hersteller bewerten zu können.

Diesen Artikel finden Sie in FREERIDE 1/2015 - das Heft können Sie hier bestellen...

Gehört zur Artikelstrecke:

Test Freerider: Fette Bikes, no Fatbikes


  • Test 2015: Freerider mit Uphill-Option
    Test Freerider: Fette Bikes, no Fatbikes

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  • Test Freerider 2015: Radon Swoop 190 9.0
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  • Test Freerider 2015: NS Soda Evo Air
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    24.08.2015

Schlagwörter: Cube Freerider Kona NS Propain Radon Rose Test


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