Rotwild R.G1 27,5 gegen Transition TR 500-1 Rotwild R.G1 27,5 gegen Transition TR 500-1 Rotwild R.G1 27,5 gegen Transition TR 500-1
Seite 1: Test 2016: Duell Rotwild geben Transition

Rotwild R.G1 27,5 gegen Transition TR 500-1

  • Chris Schleker
 • Publiziert vor 5 Jahren

Zwei Bikes mit sehr unterschiedlichem Image treffen aufeinander: Links Rotwild mit Hang zu deutscher Gründlichkeit, rechts Transition mit Hang zum lockeren Lifestyle. Wer baut das bessere Downhill-Bike?

Daniel Simon Test-Duell 2016: Rotwild R.G1 27,5 (li.) gegen Transition TR 500-1

Ein Blick auf die Homepage der beiden Kontrahenten macht klar, dass hier zwei gegensätzliche Marketingmaschen ablaufen: Rotwild.de ist eher nüchtern und sachlich gehalten. Keine Gesichter, sondern "German Engineering" als tragendes Verkaufsargument. Transition dagegen feiert seine "Rider Owned Company" mit Hallodri-Fotos der Belegschaft und lässigen Produktbeschreibungen.

Auch die Bikes transportieren das Image konsequent. Rotwild versucht gar nicht erst, einen lustigen Namen aufs Geröhr zu packen: R.G1 27,5 FS Gravity heißt der neue Downhiller mit größeren Laufrädern. Die charakteristische Viergelenkerkonstruktion mit kantiger Wippe und geraden Linien wirkt trotz greller Farbe schlank und technisch. Die Geometrie ist auf neuestem Stand: langer Reach, flacher Lenkwinkel, deutliche Tretlagerabsenkung. Die Ausstattung des 5600 Euro teuren Bikes ist mit hochwertiger Saint-Gruppe und dafür etwas günstigeren Fox-Performance-Federelementen sowie DT Swiss Laufrädern sehr ordentlich. Am Testbike war eine 40-Factory-Gabel verbaut, die es gegen 600 Euro Aufpreis gibt, wobei wir im Zweifelsfall Zee-Komponenten und dafür eine hochwertigere Gabel-Dämpfer-Kombi bevorzugt hätten. Erstaunlich niedrig liegt das Gewicht: unter 16 Kilo bei einem klassischen Alubike sind wenig – German Engineering eben! Wobei ein Teil des Gewichtsvorteils durch die Faltversion des Conti-Kaiser-Reifens zustande kommt.

Auch Transition hat für sein neues Downhillbike – firmenuntypisch – keinen lässigen Namen parat. TR 500-1 könnte genauso gut die Bestellnummer für ein Auto-Ersatzteil sein. Die Ausstattung des dynamisch geschwungenen Rahmens ist fast perfekt: Die hochwertige Fox Float 40 Factory und den in allen Parametern verstellbaren DHX2-Factory-Dämpfer kombinieren die Amis mit einem Mix aus Race-Face-Parts, SRAM-X01-Schaltung und Lauf­rädern mit eher günstigen Joytech-Naben. Bei einem Listenpreis von gut 6700 Euro hätten wir beim Laufradsatz schon einen klangvolleren Markenamen erwartet. 16,8 Kilo mit echten Downhill-Reifen sind in der Preisklasse nur Durchschnitt, aber insgesamt natürlich immer noch ein guter Wert.

Überrascht hat uns die recht kurze Geometrie. Wir bestellten das Bike in Größe L, um auf einen Reach-Wert von knapp 420 Millimetern zu kommen. In M ist es fast 3 Zentimeter kürzer. Das Grund­-Set-up für beide Bikes war schnell gefunden. Für die neuen Dämpfer bietet Fox erstmals eine übersichtliche Einstelltabelle auf der Homepage. Man muss nur das Dämpfermaß, den Hub und die Federhärte kennen, um bei der empfohlenen Klickzahl für Zug- und Druckstufen zu landen. Sehr gut, denn gerade der DHX2-Factory-Dämpfer mit getrennter High- und Lowspeed-Zug- und -Druckstufe ist sehr komplex.

Rotwild R.G1 27,5 gegen Transition TR 500-1

10 Bilder

Zwei Bikeschmieden mit sehr unterschiedlichem Image treffen hier aufeinander: Links die kühlen Ingenieure mit Hang zu deutscher Gründlichkeit, rechts die coolen Amis mit Hang zum lockeren Lifestyle. Image hin oder her, wer baut das bessere Downhill-Bike? Keine Sorge, wir klären das für euch.

Drei Abstimmungsabfahrten auf der fast 5 Kilo­meter langen Teststrecke in Bozen nahmen wir uns mit jedem Bike Zeit, um das Fahrwerk zu optimieren. Bei der vierten Abfahrt wurde dann das Duell ausgefahren – mit Strava-
Zwischenzeiten und allem Pipapo.

Das Rotwild überzeugte schon von Beginn an mit Vertrauen stiftender Geometrie und agilem Handling. Das lange Bike läuft stabil geradeaus und positioniert den Fahrer schön zentral über den Rädern. Man hängt in Kurven nicht zu weit hinten, fühlt sich in steilen Passagen dennoch sicher und weit genug hinter der Vorderachse. Allerdings gelang es uns nicht, eine perfekte Balance zwischen der sehr potenten Gabel und dem etwas einfacheren Performance-DHX2-hinzubekommen. Das Heck lag bis zuletzt nicht ganz so satt wie erhofft auf dem Boden. Gerade bei schnellen Schlägen hätten wir die Zugstufe gerne noch schneller gemacht, damit der Hinterbau aktiver im Hub steht und dem Untergrund besser folgen kann, aber ohne eine variable Highspeed-Zugstufe kam die Bodenhaftung nicht an das Niveau und die vermittelte Sicherheit der Gabel heran. Sie bot auch bei Höchsttempo noch einen perfekten Kompromiss aus Komfort und Traktion. Dabei ist die Kennlinie sehr gelungen: linear und sensibel in den ersten zwei Dritteln des Hubs und ausreichend progressiv zum Schluss. Dass das Rotwild trotz der eingeschränkten Tuningsmöglichkeit des Dämpfers sehr schnell ist, zeigte die Segment­auswertung unserer Strava-Messung: In schnellen, weniger zerklüfteten Passagen der Teststrecke schafften wir mit dem R.G1 im direkten Vergleich zum Transition einige Bestzeiten. Allerdings fuhren wir dann gefühlt schon jenseits des Wohlfühllimits.

Genervt haben dabei die Reifen. Es gelang uns nicht eine einzige komplette Abfahrt unter Volllast ohne Plattfuß. Für echten Downhill-Speed in felsigem Gelände ist die 1-Kilo-Variante des Kaisers schlicht zu dünn und durchschlagsgefährdet.

Für die Abstimmung des Transition brauchten wir etwas länger. Das lag vor allem an den vielen  Einstelloptionen des Rahmens. Wir fuhren das Bike sowohl mit kurzem als auch langem Hinterbau. Erst danach haben wir erfahren, dass das offiziell nur mit 26 Zoll möglich ist. Wir hatten aber während des Tests keine Probleme und fanden die kurze Einstellung bei sehr steilen Streckenteilen recht angenehm. Den steilen Lenkwinkel und kurzen Hub sparten wir uns. Das TR 500-1 bietet auch im tiefen Geo-Set-up einen guten Kompromiss aus Laufruhe und Handlichkeit. Das Fahrwerk, das zeigte sich schnell, war dem des Rotwild überlegen. Schon im Grund-Set-up sehr satt, konnten wir es im Laufe des Tests stückweise optimieren und am Ende eine ziemlich perfekte Balance zwischen Front und Heck hinbekommen.

Mit wenig LSR reagierte der Hinterbau schnell und sensibel und geriet im Zusammenspiel mit angepasstem HSR gefühlt nie ans Limit. So war das Transition in den stark zerklüfteten Mittelpassagen der mittlerweile sehr ausgebombten Strecke am Kohlern immer klarer Sieger des Duells. Einzig bei Zwischensprints wirkte es träge, weil Tretbewegungen den Hinterbau zusammenziehen und das Bike stark pumpt. Dann fällt es gegen das Rotwild ab, das hier deutlich leichter und sportlicher daherkommt. Doch durch die Kombi aus sattem Fahrwerk und hohem Sicherheitsgefühl ist das Transition klar das schnellere Bike dieses Vergleichs. Die Option auf weniger Hub und steilere Winkel macht es zudem auch als Parkbike mit 180er-Gabel interessant – ein echter Mehrwert für Kunden, die nicht nur das wettkampforientierte Bergabrasen im Fokus haben.


FAZIT: Das Rotwild ist ein sehr gutes Bike, aber im direkten Vergleich durch den etwas einfacheren Dämpfer limitiert. Das Fahrwerk des Transition ist feiner abstimmbar, liegt satter, sicherer und ist damit schneller. Auch die Verstelloptionen des Rahmens sind Pluspunkte. Allerdings darf man den Preisunterschied nicht vergessen. Für 1150 Euro kann sich ein Rotwild-Kunde locker das Rahmenkit mit identischen Feder­elementen aufbauen. Aber Duelle werden nicht im Konjunktiv ausgetragen. Deshalb ist das Transition unser klarer Sieger.

  • 1
    Test 2016: Duell Rotwild geben Transition
    Rotwild R.G1 27,5 gegen Transition TR 500-1
  • 2
    Test 2016: Duell Rotwild geben Transition
    Technische Daten/Bewertung: Rotwild R.G1 27,5 gegen Transition TR 500-1

Themen: DuellRotwildTestTransition


Lesen Sie das FRERIDE Magazin. Einfach digital in der BIKE-App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag
Anzeige
  • Bikepark-Test: Wagrain (Österreich)
    Bikepark Wagrain im großen Vergleichstest

    05.01.2016Wagrain ist ein kleiner Bikepark im Salzburgerland. Der Park liegt nahe der Autobahn und ist damit gut zu erreichen.

  • Enduros bis 3700 Euro
    Das sind unsere Testbikes (Ausgabe 4/20)

    12.10.2020Für die neue Ausgabe haben wir sechs Enduros bis 3700 Euro verglichen. Im Video stellen wir euch die sechs Kandidaten vor. Den Vergleichs-Test lest ihr in der neuen Ausgabe (4/20).

  • Test 2016 - Downhiller: Canyon Sender CF 7.0
    Canyon Sender CF 7.0 im Test

    02.12.2016Im Winter wurde gemunkelt, Loic Bruni könne zu Canyon wechseln. Das roch nach einem neuen Bike. Bruni ist bei Specialized gelandet, ein neues Abfahrtsgerät hat Canyon trotzdem am ...

  • Test 2019: Gravity Bremsen
    12 Discbrakes im Labor- und Praxistest

    05.12.2019FREERIDE hat 12 Scheibenbremsen für den harten Einsatz im Labor und in der Praxis geprüft.

  • Neuheiten 2010
    Brennend heiße Boliden

    10.12.2009Aus der Flut der neuen Bikes 2010 haben wir sechs spannende Highlights ausgewählt und schon für euch getestet. Hier lest ihr, ob die Räder unsere Erwartungen auch in der Praxis ...

  • TÜV Test 2017: Knieprotektoren für Biker
    16 Knieprotektoren für den harten Einsatz

    05.01.2018Moderne Knie-Protektoren sind leicht, bequem und schützen mit Weichschäumen vor Verletzungen. Kurzum: Steigt das Sturzrisiko, gibt keinen vernünftigen Grund, ohne Schoner zu biken.

  • Enduro Duell 2017: Test Pivot gegen Merida
    Pivot Firebird Pro / Merida One Sixty 7000

    14.11.2017Wer beim Begriff „Enduro“ mittlerweile Pickel kriegt, kann gleich weiterblättern. Allergiefreie Leser sollten dran bleiben. Hier definieren sich zwei Extreme: Mini-Downhiller oder ...

  • Test 2016 – High-End-Enduros: Ibis Mojo HD 3
    Ibis Mojo HD 3 im Test

    10.11.2016Das Ibis ist der Exot im Test. Das Bikelabel aus Santa Cruz, Kalifornien wurde bei uns erst bekannt, als Topracer Brian Lopes auf Ibis wechselte und sich auch Downhill-Göttin ...

  • Alutech Sennes FR 2014
    Leichte Freerider 2014: Fanes on Steroids

    12.09.2014Vorsicht Täuschung! Die Formensprache der norddeutschen Kleinschmiede ist konsequent. Man muss schon dreimal hinschauen, um die Unterschiede des „Sennes“ zum Enduro „Fanes“ zu ...