Federgabel SR Suntour Durolux R2C2 im Check Federgabel SR Suntour Durolux R2C2 im Check Federgabel SR Suntour Durolux R2C2 im Check

Fahrbericht: Federgabel SR Suntour Durolux R2C2

Federgabel SR Suntour Durolux R2C2 im Check

  • Chris Schleker
 • Publiziert vor 5 Jahren

Die Durolux war bislang keine Alternative zu den Topgabeln. Das soll sich jetzt ändern. Mit neuem Design, Highend-Kartusche und einem Kampfpreis.

Hersteller Race- und tourentauglich: Die SR Suntour Durolux lässt von komfortabel bis straff alle Abstimmungen zu.

Hohle Gabelkrone, 36-Millimeter-Standrohre, neue Dämpfungskartusche mit getrennt einstellbaren High- und Lowspeed-Druck- und -Zugstufen, 160 bis 180 Millimeter Hub, Abschmiernippel für die Staubringe, Ausfallenden kompatibel mit 20- und 15-mm-Achsen, integrierter Fender, schwarz eloxierte Standrohre – faktisch sind bei der Durolux 2016 nur die Abdeckkappe des Luftventils und der Name gleich geblieben. Herzstück der knapp 2250 Gramm schweren Gabel ist die neue Dämpfungseinheit im rechten Standrohr. In der Kartusche trennt ein federgespannter Kolben Öl und Luft voneinander. Damit will SR Suntour dem Problem der Kavitation, also der Bildung von Blasen im Öl bei extrem schnellen Kolbenbewegungen, entgegenwirken. Die alte Durolux besaß diese Trennung nicht und lieferte bei hohen Geschwindigkeiten keine befriedigende Dämpfung ab: entweder zu straff bei schnellen Schlägen, oder abtauchend an Steilstufen. Die R2C2-Kartusche ist im Vergleich zum Vorgänger ohne diese Kolbentrennung somit technisch ein gewaltiger Schritt nach vorne. Mit geschwindigkeitsabhängig arbeitender Zugstufeneinheit, getrennten Druckstufen und der Möglichkeit zur Luftkammerverkleinerung über Kunststoffplugs ist die Durolux in Sachen Einstellbarkeit zumindest auf dem Papier den Topgabeln am Markt ebenbürtig. SR Suntour hat sie auch für harten Freerideeinsatz und Bikeparks freigegeben. Dass es die Japaner damit ernst meinen, zeigt die Wahl des Ortes für die Präsentation:

Im Bikepark La Fenasosa bei Alicante in Spanien dominieren zornige und sehr felsige Downhill-Tracks. Alternativ findet man sprunglastige Strecken mit teils erschreckend großen Abständen zwischen Absprung und Landung. Kein klassisches Enduro-Gelände, aber ideal, um die realen Grenzen des Dämpfungssystems zu erkunden. Dafür muss man aber die Grundidee der getrennten Zugstufen erstmal verstanden haben. Ziel ist es, die Zugstufe so schnell wie möglich zu fahren, damit das Vorderrad auch auf kleinste Un­ebenheiten reagieren kann. Gleichzeitig muss man verhindern, dass die Gabel bei Absprüngen und an Kanten zu schnell auseinanderschnalzt. Komplex ist das Zusammenspiel der Zug- und Druckstufen allemal. Mit insgesamt sechs verstellbaren Parametern liest sich das empfohlene Grund-Set-up wie eine Raketenbauanleitung: Bei 68 Kilo Fahrergewicht braucht es 65 PSI Druck, 1 Token in der Luftkammer, 8 Clicks Lowspeed- und Position 1 von 5 Highspeedcompression. Dazu 2 von 4 Clicks High- und 10 von 21 Clicks Lowspeedzugstufe (alle Clicks von ganz offen). Auch mit der Durolux muss sich der Kunde also künftig eingehend beschäftigen, bevor man ihr Potenzial ausnutzen kann. Racetech gibt’s nicht als Plug- and Play-Version.

Hersteller Tester Chris Schleker räubert durch den spanischen Bikepark La Fenasosa, um’s der neuen Durolux-Gabel so richtig zu besorgen!

Bereits der erste Run im Grund-Set-up macht aber auch klar, dass von der abtauchenden, Schläge durchreichenden Mittelmaßgabel der Vergangenheit nichts übrig geblieben ist. Die Gabel steht hoch im Hub, gibt aktiven Gegendruck und kann dennoch schnelle Schläge gut wegstecken. Sehr effektiv arbeitet die getrennte Zugstufendämpfung. Im Lauf des Tests konnten wir die Lowspeedzugstufe sukzessive schneller machen und damit die Bodenhaftung bei Highspeed spürbar verbessern. Die Gabel sinkt dann auch bei vielen kleinen Schlägen nicht in den Federweg und bleibt aktiv. Bei Sprüngen und harten Kloppern verhindert die dann aber laut schlürfend arbeitende Highspeed-Zugstufe Kontrollverlust und zu hartes Ausfedern. Die Durolux verfügt bereits mit einem Token über eine knackige Progression. Bis Ende des Tests hatten wir den Luftdruck deshalb um 10 PSI gesenkt und dafür die Highspeed-Druckstufe um einen Click erhöht. Gleichzeitig fuhren wir den Lowspeed-Compression auf 3 Klicks und die Lowspeed-Zugstufe auf 6 Clicks zurück. So sprach die Gabel fein an, behielt aber die hohe, stabile und aktive Posi­tion im mittleren Hub. Traut man sich den Abstimmungsmarathon zu, belohnt einen die Durolux funktional mit Fahrleistungen, die auf Augenhöhe mit Fox 36, RockShox Lyrik und DVO Diamond liegen. Also alles perfekt? Fast.

In der fürs Ansprechverhalten zuständigen Negativkammer hat die Gabel keine Luft, sondern zwei Stahlfedern. Das soll sie dort unanfällig gegen Defekte machen. Die Negativfeder unserer Test­gabel klapperte hörbar im Holm herum. Mit einer Packung Fett ließ sich das zwar abstellen, wie lange so eine Schmierung die Geräusche aber unterdrücken kann, ist unklar. In Kombi mit der laut rauschenden Highspeed-Dämpfung ist die Durolux also keine leise Gabel. Die aufwändige Kartusche mit Trennkolben hat außerdem mehr Dichtungen als eine Bladderkartusche. Dadurch erhöht sich die Reibung im System. Das sahnige Ansprechverhalten einer Lyrik erreicht die Durolux daher auch nicht ganz. Aber sensibel ist sie.

Hersteller SR Suntour Durolux R2D2: Positionskontrolle hoch zwei: Sauber gerasterte HSC und LSC mit effektivem Verstellbereich.

Bliebe noch das Gewicht von fast 2300 Gramm. Auch hier sind die Platzhirsche von RockShox und Fox leichter, ohne weicher oder weniger präzise zu sein. Woher kommt das Mehrgewicht? Zum Einen von der besagten Negativstahlfedereinheit. Zum Anderen vom etwas schwereren Casting der Tauchrohre. Da die Gabel vom Kunden durch Umstecken von Plastikclips in der Luftkammer mit bis zu 180 Millimetern Hub gefahren werden kann und eine uneingeschränkte Bikepark-Freigabe im Lastenheft stehen sollte, gingen die Japaner hier auf Nummer sicher. Und zuletzt ist auch die Q-Loc2-Steckachse kein Grammfuchser, benötigt dafür aber auch keine Gewinde im Casting. SR Suntour legt den Fokus damit auf Haltbarkeit und kundenfreundliche Wartung und nicht so sehr aufs Gewicht. So lässt sich die R2C2-Kartusche, anders als die Bladder der Konkurrenz ohne Spezialwerkzeug öffnen und entlüften, sollte die Kavitation im Lauf der Zeit die Dämpfungsfunktion verschlechtern. Und da es uns tatsächlich schon passiert ist, dass sich eine Fox 36 durch den Luft­austausch zwischen der Positiv- und Negativkammer zusammengezogen hat, ist ein leichtes Klappern eine akzeptable Alternative zu einem Defekt, der nur per Service beim Händler behoben werden kann.

Hersteller SR Suntour Durolux R2C2: Bodenhaftung hoch zwei: Die getrennten Zugstufen (rot=HSR / silber=LSR) der R2C2-Kartusche.


Fazit: Die neue, leistungsfähige Durolux ist eine echte Alternative zu den bekannten Platzhirschen. Die Abstimmung ist auch hier kompliziert, aber die Funktion wirklich sehr gut und racetauglich. Mit Schutzblech, Abschmiernippeln und der Option auf beide Achsstandards (inkl. Boost) ist sie außerdem toll ausgestattet. 699 € kostet die aktuell günstigste Hightech-Racegabel auf dem Markt. Wie sie sich auf Dauer schlägt, werden wir in einem Langzeittest checken.

Stéphane Candé Diesen Artikel finden Sie in FREERIDE 1/2016 - das Heft können Sie hier bestellen > FREERIDE IOS App (iPad) FREERIDE Android App 

Themen: FahrberichtFedergabelSR Suntour


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