E-Freerider für Bikeparks von Specialized E-Freerider für Bikeparks von Specialized E-Freerider für Bikeparks von Specialized

Einzeltest 2019: Specialized Turbo Kenevo Expert

E-Freerider für Bikeparks von Specialized

  • Laurin Lehner
 • Publiziert vor 3 Jahren

Für alle E-Bike-Hater: Erst mal tief durch­atmen. Denn das Kenevo Turbo steckt voller Freeride-Gene, trotz Motorunterstützung. Die Idee: Park-Freeriden immer, ohne Lift. Ist das die große Freiheit?

Wolfgang Watzke Achtung Wuchtbrumme! Das Specialized Kenevo besitzt 180 Millimeter Federweg in Front und Heck. Hier im schicken Troy-Lee-Design und Custom-Aufbau.

Das Konzept ist smart: Specialized stattete einen 180er-Freerider mit E-Antrieb aus. Das bedeutet: Motor an, hoch auf den Berg (sssssss) und dann ohne Kompromisse bergab (braaap). Lift und Shuttle? Brauchst Du nicht mehr! Mehr Freeride geht eigentlich nicht. Eigentlich – denn ein Motor bringt ordentlich Gewicht mit sich. Das Turbo Kenevo Expert im Custom-Aufbau wiegt 22,9 Kilo. Für ein E-MTB ist das gut. Im steilen Gelände ist das aber schlecht, denn dann schiebt das schwere Bike unangenehm und testet die Bremsanlage. Doch auf die ist Verlass – Maguras MT7 verzögert hervorragend.

Der Motor samt Akku versteckt sich im Unterrohr des Alu-Rahmens. Es ist Broses neuer Drive S. Die Stärke der Unterstützung lässt sich in drei Stufen variieren – Technik-Fans können sie per Mission-Controll-App sogar individuell anpassen. Der Motor unterstützt geschmeidig – er schiebt nicht nach, er stoppt nicht abrupt ab, man tritt nicht gegen den Widerstand des Motors. Überhaupt gefällt uns der Brose von allen E-Antrieben mit am besten, selbst, wenn er etwas weniger Power besitzt. Super: Nix stört die Ruhe im Wald, denn der Brose schnurrt kaum hörbar. Die ermittelte Reichhöhe beträgt 1197 hm* – das ist gut, aber nicht super.

Um die ganze Masse zu dämpfen, arbeitet im Kenevo ein sattes 180er-Fahrwerk. Vorne federt die hubstarke Variante der Lyrik, hinten ein Stahlfederbein von Öhlins. Die Wu-Post-Teleskopstütze fällt mit ihren 125-mm-Hub für große Fahrer etwas zu kurz aus. Auf den Carbon-Laufrädern walzen superfette 2,8er-Plus-Reifen mit Mons­ter-Grip, aber auch Nachteilen.

Um die vollen Freeride-Skills des Kenevos zu testen, fuhren wir auf unserer Singletrail-Hausrunde an der Isar und im Bikepark (Leogang, Serfaus-Fiss-Ladis). Auf natürlichen Singletrails gefiel uns das Bike am besten. Denn hier steuert sich das Kenevo besonders quirlig, und das Fahrwerk bügelt alles platt: Wurzeln, Steine, Kanten – beeindruckend! Im Bikepark hat uns das Kenevo mit seinen Nehmerqualitäten überrascht. Es macht richtig Spaß, erfordert allerdings – gerade auf Jump-Strecken – eine gewisse Umgewöhnung. Grund: das Mehrgewicht. Zwar schiebt es einen mit viel Tempo auf die Sprünge zu, doch beim Abheben tut sich der E-Freerider schwerer. Erst mit viel Zug am Lenker schafft es das Pummelchen in die Landung. Vorteil der trägen Masse: Sie verpasst der Flugphase Stabilität – Motocross-Feeling! Das hohe Gewicht erfordert auch mehr Nachdruck bei Kurvenwechseln. Körpereinsatz vorausgesetzt, lässt sich mit dem Bike aber dennoch spielen. Die Reifen müssen mit dem exakten Luftdruck gefahren werden: zu viel, und die Dämpfung geht flöten. Zu wenig, und die Reifen walken in Anliegern, und das Bike schwimmt. Das fällt auch bei höheren Drops auf – die Reifen reagieren oftmals zickig und bouncen. Ganz anders beim Uphill oder in coupiertem Gelände – da entwickeln die Plus-Reifen einen Monster-Grip.

Irgendeinen Tod muss man eben sterben! Für Singletrail-Orgien mag der hubstarke Federweg etwas großkalibrig wirken – dank Motorzug und einer effektiven Druckstufenverstellung im Heck macht das Kenevo hier dennoch eine sehr gute Figur. Der Einsatzbereich des E-Freeriders ist eindrucksvoll breit. Kurzum: Das Turbo Kenevo Expert hat das Potenzial für die große Freiheit.


FAZIT zum Specialized Turbo Kenevo Expert

"Das Kenevo macht verdammt viel Spaß und besitzt einen enorm breiten Einsatzbereich: von Trail bis Bikepark. Selbst Downhill-Strecken sind für den E-Freerider kein Problem. Man muss aber wissen, dass das Mehrgewicht nur durch Körpereinsatz auszugleichen ist: Bunnyhops, Sprünge, Manuals erfordern Kraft. Überrascht hat uns das satte Fahrwerk. Nur die fetten Reifen reagierten oft diffus." Laurin Lehner, FREERIDE-Redakteur

Dimitri Lehner Laurin Lehner, FREERIDE Tester


Specialized  Turbo Kenevo Expert Custom-Aufbau


HERSTELLERANGABEN
Info    www.specialized.com
Material / Größen   Alu / S, M, L, XL
Preis / Gewicht ohne Pedale   ab 6 499 Euro / 22,9 kg


MESSDATEN
Federweg vorne / hinten 
 180 mm / 180 mm
Hinterbausystem   Viergelenker


AUSSTATTUNG
Motor 
 Brose Drive S
Gabel / Dämpfer   RockShox Lyrik RCT3 / Öhlins TTX Coil
Bremsanlage   Magura MT7
Laufräder   Royal Traverse Carbon 27,5-Systemlaufradsatz
Reifen   Specialized Butcher 2,8-Reifen


Reach   456 mm
Stack   619 mm
BB-Drop  -9 mm


PERFORMANCE
Tour   5 von 6 Punkten
Park   3 von 6 Punkten

Wolfgang Watzke Specialized Turbo Kenevo Expert



* Die Reichhöhe wird folgendermaßen ermittelt: Auf einer sieben Prozent steilen Auffahrt fährt ein Tester im stärksten Unterstützungs-Modus und einer Eigenleistung von 130 Watt so lange, bis der Akku leer ist. 


Christoph Breiner Diesen Artikel finden Sie in FREERIDE 4/2018 - das Heft können Sie hier bestellen > FREERIDE IOS App (iPad) FREERIDE Android App 

Themen: E-BikeKenevoSpecializedTest


Lesen Sie das FRERIDE Magazin. Einfach digital in der Delius Klasing Kiosk App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag
Anzeige
  • Test-Report: Rotwild R.G+ FS Evo
    Downhill-Bike mit Motor: Rotwild R.G+ FS

    30.01.2018Ein Downhill-Bike mit Motor – was ist das? Im Bikepark gibt’s doch Lifte! Aber auch Liftschlangen. Und ungenutzte Zeit im Sessel. Na dann! Einen Tag im Park – ohne Lift.

  • Test-Duell 2018: Getriebe-Bikes
    Getriebe-Bikes von Cavalerie und Zerode

    22.04.2019Getriebebikes? Wir dachten, das Thema sei durch. Doch zwei kleinen Firmen rüsten zur großen Revolution. Haben die Bikes von Zerode und Cavalerie das Zeug, die Kettenschaltung ...

  • Test 2016: Downhill Bikes bis 4000 Euro
    6 preiswerte Downhill Racer im Vergleich

    03.12.2016Dass moderne Worldcup-Bikes sauschnell sind, ist klar. Aber wieviel Formel 1 bleibt mit einem Preislimit ohne Highend-Komponenten? Kann ein Discount-Down­hiller schnell sein? ...

  • Kurztest 2020: Rückleuchte Xlite 100
    Bremslicht: Xlite 100 im FREERIDE-Check

    23.05.2020Die Xlite ist Rückleuchte und Bremslicht zugleich, so verspricht es zumindest der Hersteller. Wir probierten die Leuchte aus.

  • Test 2017: Enduro Reifen
    6 Enduro Reifen im Vergleich

    11.01.2018Wir haben sechs Enduro Reifen auf trockenem Untergrund, bei Nässe und Schlamm gefahren. Wir sagen, welches die besten Schlappen sind von Enduro bis Gravity.

  • Bikepark-Test: Wagrain (Österreich)
    Bikepark Wagrain im großen Vergleichstest

    05.01.2016Wagrain ist ein kleiner Bikepark im Salzburgerland. Der Park liegt nahe der Autobahn und ist damit gut zu erreichen.

  • Test 2016 – E-Bikes: Moustache Samedi Race 7
    Moustache Samedi Race 7 im Test

    29.11.2016Die Franzosen mit dem lustigen Namen Schnurrbart haben eine Mission: Sie wollen das E-Bike-Entwicklungsland Frankreich verändern, so dass es zu Holland und Deutschland ...

  • Test 2015 Enduro Bikes: Rose Uncle Jimbo 3
    Rose Uncle Jimbo 3 im Test

    22.02.2016Das neue "Uncle Jimbo" ist das beste Enduro-Bike, das Rose je gebaut hat. Dank moderner Geometrie und harmonischem Fahrwerk gelingt ein Mix aus Laufruhe und Wendigkeit.

  • Neuheiten 2011
    Von Slopestyler bis Big Bike frisch ins Testcamp

    25.11.2010Wir haben die spannendsten Bikes der neuen Saison in die Mangel genommen. Wühlt euch in Ruhe durch das Angebot: Es ist für jeden was dabei – vom Slopestyler bis zum Big Bike.

  • Bikepark-Test: Serfaus-Fiss-Ladis (Österreich)
    Bikepark Serfaus-Fiss-Ladis im großen Vergleichstest

    31.12.2015Der Park in Serfaus-Fiss-Ladis ist ein Newcomer und begeisterte mit aufwändigen Strecken schon in der ersten Saison die Besucher.

  • Test 2016 - Downhiller: Norco Aurum A 7.1
    Norco Aurum A 7.1 im Test

    02.12.2016Das Norco Aurum 7.1 besitzt die Tretlagerhöhe eines Allmountain-Bikes und der Stack-Wert eines 29-Zöllers. Bis auf die extremen Werte ist der Kanadier kein außergewöhnlicher ...