Downhill-Sänfte von Sam Hill Downhill-Sänfte von Sam Hill Downhill-Sänfte von Sam Hill

Einzeltest: Nukeproof Pulse Pro

Downhill-Sänfte von Sam Hill

  • Christian Schleker
 • Publiziert vor 7 Jahren

Kaum hatte Sam Hill seinen alten Arbeitgeber verlassen, schossen die Spekulationen ins Kraut: Wie gut ist sein neuer Hobel? Besser als das „Demo“? Hier ist die Antwort.

Daniel Simon Nukeproof Pulse Pro 2014

Das muss für die Marketingabteilung von Specialized ein echter Alptraum sein: Da schicken sie Sam Hill nach weniger erfolgreichen Jahren in Rente und kaufen für ein Heidengeld und mit großem Tamtam den Downhill-Seriensieger Aaron Gwin ein, und dann das: Gwin fährt plötzlich hinterher und Hill mit neuem Bike wieder vorne rein. Woran soll’s bitteschön liegen, wenn nicht am Bike? Für den Test bekamen wir zwar leider nicht die persönliche Kutsche des Australiers geschickt, aber das top ausgestattete "Pulse Pro" ist ja auch ganz nett.

Die Geometriedaten des "Pulse" sind unauffällig. Keine superkurzen Kettenstreben, megatiefen Tretlager oder ultra-flachen Lenkwinkel. Auch der Reach ist für einen Rahmen der Größe M mit 410 Millimetern normal. So passte es allen Testern (1,70 bis 1,80 Meter groß) gut. An das Abstimmungsbohei, das bei so hochwertigen Federelementen heutzutage dazugehört, haben wir uns mittlerweile gewöhnt. Sowohl Cane Creek als auch RockShox bieten online Abstimmungstipps an, die erfahrungsgemäß gut zu unserem Fahrstil passen. Als Testgelände für das Nukeproof haben wir uns den tschechischen Bikepark Spicak ausgesucht. Die IXS-Downhillcup-Strecke dort bietet neben offenen, schnellen und sehr felsigen Passagen auch einige kniflig-engen Kehren. Hier kann ein Downhiller zeigen, ob er Laufruhe und Handlichkeit unter einen Hut bekommt. Zusätzlich gibt’s im Park noch diverse Abfahrten mit schnellen Anliegern und Drops – ideal zur Kennlinienkontrolle.

Daniel Simon Lang und länger: Über den Achsen-Chip kann man den Hinterbau des Nukeproof Pulse Pro von 435 auf 445 Millimeter strecken. Uns lag die kurze Einstellung.

Das "Pulse Pro" ist definitiv ein Bike, auf dem man sich sofort wohlfühlen kann. Das Fahrwerk liegt extrem satt und saugt felsigen Untergrund geradezu auf und das Bike nimmt in längeren Felspassagen gut den Schwung mit. Dabei arbeiten Heck und Front sehr harmonisch im mittleren Hubbereich. Ansprechverhalten und Druckstufenmanagment der Luft-"Boxxer" passen gut zum Heck. In engen Kehren hilft die handliche Geo, allerdings ist das Gewicht von fast 19 Kilo deutlich spürbar. In Verbindung mit dem komfortablen Fahrwerk kann man so zwar angstfrei sehr schnell fahren, einen aktiven Stil fördert der Brummer aber nicht. Von Lücke zu Lücke zu springen und so alle Linien im Trail auszunutzen, erfordert viel Energie. Auch beim Herausbeschleunigen aus Kurven fehlt die Spritzigkeit, wenn man nicht gerade Greg Minnaars Fitness geerbt hat. Mit einer härteren Feder und entsprechend mehr Druck in der Gabel kann man das Fahrwerk zwar problemlos sportlicher trimmen, das Gewichtshandicap bleibt aber. Der konsequente Downhill-Charakter des "Pulse Pro" macht sich dann auch auf gebauten, eher flowigen Fahrstrecken bemerkbar. Zwar hilft auch hier die gute Fahrwerksbalance, um in Anliegern mit richtig viel Druck Tempo mitzunehmen, an kleinen Kickern und in Tretpassagen zehrt der Bock aber.

Daniel Simon Goldstück: Man gewöhnt sich an alles, auch an den Abstimm-Marathon der Cane-Creek-Dämpfer. Der Aufwand lohnt sich auch beim Nukeproof Pulse – Sahneheck!

Ein Gegenentwurf zu diesem Fahrgefühl ist beispielsweise das Trek "Session". Nicht nur in Sachen Gewicht, auch was das aktive Fahrgefühl angeht, ein komplett anderes Bike, das aber für hohes Tempo in ausgesetztem Gelände deutlich mehr Mut vom Fahrer verlangt. Trotzdem ist das Nukeproof in unseren Augen ein echtes Geschoss, das gerade weil es so enorm viel Sicherheit vermittelt, richtig viel Spaß macht. Letztlich ist die Frage, in welchem Gelände man am häufigsten unterwegs ist. Eher ach mit Tretpassagen und wenig Gerumpel – da gibt es spritzigere Bikes. Aber wenn es so richtig zur Sache geht, steil, verblockt und heftig, dann ist das "Pulse Pro" in seinem Element und hil dem Fahrer, wo es kann, um schnell zu sein.


PLUS Fahrwerk, Optik, Verarbeitung
MINUS Gewicht


HERSTELLERANGABEN


Vertrieb Nukeproof Bikes,  www.nukeproof.com
Material/Größen Alu/S,M,L (Testgröße M)
Preis/Gewicht ohne Pedale ca. 4 709 Euro/18,6 kg


MESSDATEN


Federweg vorne/hinten 200 mm/210 mm
Hinterbausystem abgestützter Eingelenker


AUSSTATTUNG


Gabel/Dämpfer RockShox Boxxer R2C2 Cane Creek DB Coil
Kurbeln/Schaltung Truvativ Descendant 1.1/SRAM XO
Bremsanlage Avid Code
Laufräder Nukeproof Generator DH Systemlaufradsatz, Maxxis High Roller 2 2,4 Reifen

FREERIDE Magazin Bewertung Nukeproof Pulse Pro

Daniel Simon Alles im Griff am Nukeproof Pulse Pro: Es gibt leichtere Bremsen auf dem Markt und theoretisch ist die „Code“ reif für ein Update. Da sie aber perfekt modulierbar und enorm stark ist, lässt Avid sie einfach so – o.k. für uns.

Daniel Simon Designobjekt: Das Nukeproof wirkt edel – auch, weil die Macher viel Wert auf schicke Details und schöne Verarbeitung gelegt haben. Ob’s dadurch strahlensicher wird? Eher nicht.

Themen: DownhillerNukeproofPulseSam Hill


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