Cube Stereo 150 C:68 TM vs Evil Wreckoning Cube Stereo 150 C:68 TM vs Evil Wreckoning Cube Stereo 150 C:68 TM vs Evil Wreckoning

Test-Duell 2018: Cube Stereo | Evil Wreckoning

Cube Stereo 150 C:68 TM vs Evil Wreckoning

  • Chris Schleker
 • Publiziert vor 2 Jahren

29-Zoll-Enduros erobern die Rennszene – und den Markt. Cube und Evil wollen zeigen, was mit den großen Reifen aktuell möglich ist. Wer kann mehr? Bereit zum Duell: jeder 10 Schritte, umdrehen, Feuer!

Wolfgang Watzke Cube Stereo 150 C:68 TM vs Evil Wreckoning

Wir sind keine Marketing-Experten, aber beim Thema Namensgebung der beiden Duellanten sagt unser Bauchgefühl: Da hätte man sich was Besseres einfallen lassen können. Die Zahlen-und-Zeichen-Flut hinter dem Typnamen Cube Stereo löst weniger Emotionen aus als eine Waschmittelmarke. Und Evil? Der Rahmen ist superschick bis zur letzten Schraube, aber "Wrack" als Name für einen edlen Carbon-Renner? Okay, auf Englisch hört sich das immerhin cool und böse an. Muss man ja nicht übersetzen. Egal. Hier geht’s heute schließlich um was anderes als Namen. Hier treten zwei ausgefeilte Race-Maschinen gegeneinander an: große Laufräder für maximalen Speed, viel Federweg für maximale Bodenhaftung, viel Carbon für minimales Gewicht. Wobei, 14 Kilo sind bei beiden kein Wert, für den wir Sektflaschen aufploppen lassen und mit Freudengeheul durch die Redaktion hopsen.

14 Kilo sind eher so ... okay? Aber bei Enduros läuft es nicht anders als bei modernen Autos. Die werden auch trotz Hightech und allem Pipapo der modernen Ingenieurskunst immer schwerer. 29-Zoll-Räder war vor ein paar Jahren nur was für rasierte Doper im CC-Rennsport. Mit papierdünnen Reifenflanken und Laufrädern aus Spinnenseide und entkoffeiniertem Kohlefaserstoff waren die Dinger trotzdem leicht und somit ein echter Gewinn, hoch wie runter. Aber dann fingen die Downhiller vor zwei Jahren auch mit dem Größer=Schneller-Wettrüsten an. Jetzt aber mit schweren Laufrädern und Reifen. Und weil moderne Enduros im Prinzip bergauftaugliche Downhiller sind, ziehen die jetzt Stück für Stück nach und sind damit 1–2 Kilo schwerer als Top-Enduros vor ein paar Jahren. 14 Kilo sind bergab zum Glück kein Problem, sondern ein Gewinn. Etwas schwerere Bikes liegen besser und sicherer. Enduros waren aber eigentlich mal der Inbegriff für das "eine Bike für Alles". Aber 14 Kilo auf der schnellen Hausrunde mit vielen kurzen Anstiegen? Eher nicht. Der Kunde muss sich heute also genau überlegen, ob er eine Race-Waffe will, oder eher einen alltagstauglichen Allrounder. Die heißen heute Trailbike und sind das, was Enduros vor drei Jahren waren.

Wolfgang Watzke Come fly with me: Beide 29-Zöller sind gute Flugbegleiter. Bedingt durch die höheren Kreiselkräfte der schweren Reifen ist das Cube dabei eher stabil, das Evil eher verspielt unterwegs.

Für die maximale Bergab-Performance hat man bei Cube und Evil die Qual der Wahl. Das Evil kostet – etwas schwächer ausgestattet – aufgrund von Importzöllen und Zwischenhändlermargen deutlich mehr als das Cube. Die Rahmen sind technisch ebenbürtig: Vollcarbon hier wie da. Bei Cube ist sogar die Wippe aus Kunststoff. Der Konstruktionsaufwand wirkt beim Evil höher. Die außergewöhnliche Hinterbaukonstruktion verschafft dem Bike eine eigenständige Optik und einen enorm tiefen Schwerpunkt, während das Cube klassisch daherkommt. Aber ein
sischer Viergelenker ist beileibe kein Nachteil. Die coole Optik allein gewinnt keine Rennen. Eher schon die gute Geo und eine hochwertige Ausstattung. Das Cube, ganz ungewohnt, wartet mit richtig guten Zahlen auf. Ein flacher Lenkwinkel, ein angemessener Reach und ein steiler Sitzwinkel in Kombination mit einem sehr tief abgesenkten Tretlager passen super zum Einsatzbereich und verbinden gute Bergabstabilität mit einer bergauftauglichen Sitzposition. Das Evil hat einen steileren Lenk- und einen real viel flacheren Sitzwinkel. Das fördert das direkte Handling, platziert den Fahrer mit über 170 Zentimetern Größe beim M-Rahmen aber schon weit über dem Hinterrad.

Bergauf ist es so weniger effektiv. Leichte Wipptendenz im ersten Zentimeter des Hubs kann man auch über den Druckstufenhebel am Dämpfer nicht unterbinden. Im Wiegetritt nimmt die Wipptendenz aber nicht zu, sodass das Evil im Antritt aus Kurven raus sehr gut beschleunigt. Das Cube klettert insgesamt besser. Die Sitzposition ist effektiver über dem Tretlager. Der Hinterbau ist ruhig und mit umgelegten Druckstufenhebel selbst im Wiegetritt stabil und straff. Dafür wippt die Gabel etwas, während die Lyrik quasi blockierbar ist. Auch bei der Ausstattung und bergab hinterlässt das Cube den besseren Eindruck: Die Fox-Feder­elemente der 2019er-Generation lassen in Sachen Abstimmbarkeit und Performance wirklich keine Wünsche mehr offen. Das Heck arbeitet dank Float X2 sehr schluckfreudig, linear und durch neues hydraulisches Bottom-Out trotzdem durchschlagsicher. Die Gabel bietet von komfortabel bis racig alle Einstelloptionen und ist in allen Varianten trotzdem sensibel. Dazu die Code-Bremse, Transfer-Stütze und die gut gewählten Super-Gravity-Reifen – fertig ist das perfekte Gesamtpaket.

Ganz so klotzen kann das Evil nicht. Die Lyrik RCT3 ist zwar auch eine Top-Gabel, kann in der 2018er-Version aber nicht ganz mit der Performance der neuen Fox mithalten. In Sachen Komfort ist sie klar auf Augenhöhe, bei Vollspeed in fiesem Gerümpel steht die Fox aber stabiler im Hub und schafft es besser, Sensibilität und Race-Tune miteinander zu kombinieren. Der Monarch Plus im Heck ist ebenfalls nicht so sahnig wie der X2. Bei langen, schnellen Abfahrten verändert sich aufgrund der hohen Temperaturen dazu spürbar die Dämpfung in Richtung (zu) schnell. Auch ist der Hinterbau progressiver ausgelegt und reicht im letzten Drittel des Hubs harte Schläge deutlicher an den Fahrer durch. Den nominal größeren Federweg spürten wir nicht. Die Maxxis-Reifen sind in Gummimischung und Profil gleich gut wie die Schwalbe-Kombi am Cube. Aber die pannenanfälligere Karkasse macht an so einem Bike weniger Sinn. Im Steinfeld fährt man mit den EXO-Reifen schneller platt, was dem Race-Gedanken der 29-Zoll-Idee im Enduro-Bereich klar entgegenläuft. Dass beide Bikes trotzdem identisch viel wiegen, lässt auf einen leichteren Rahmen beim Cube schließen.

Trotzdem wirkt das Evil automatisch eine Klasse spritziger und agiler im Trail-Einsatz als das Cube. Die große Laufräder müssen schließlich immer wieder beschleunigt werden. Jedes Gramm am äußersten Punkt des Laufrades macht sich da negativ bemerkbar. Allerdings hat der Cube-Fahrer die Möglichkeit, für die Hausrunde leichtere Reifen aufzuziehen und das Bike damit auf 13,5 Kilo abzuspecken. Das Gewichtstuning geht bei Evil nur mit deutlich mehr Geldaufwand durch aufwändigeren Teiletausch.

Fazit zum Test-Duell Cube Stereo 150 C:68 TM versus Evil Wreckoning

Das Evil gewinnt die Style-Wertung und überzeugt durch dynamisches Handling. Bergauf ist der (real) flache Sitzwinkel nicht ideal, bergab der Dämpfer im Heck ein Schwachpunkt. Das Cube ist laufruhiger und sicherer. Es kombiniert die großen Reifen mit einem perfekten Fahrwerk, eine ideale Geometrie am hochwertigen Rahmen und die 1a-Ausstattung zum besseren Deal.


Cube Stereo 150 C:68 TM


HERSTELLERANGABEN
Vertrieb   
Cube Bikes
Web    www.Cube.eu
Material / Größen   Carbon / S, M, L, XL
Preis / Gewicht ohne Pedale   4.499 Euro / 14 kg


MESSDATEN


Federweg vorn / hinten   160 mm / 150 mm
Hinterbausystem   Viergelenker
Gabel / Dämpfer   Fox 36 Float Factory / Fox Float X3 Factory
Kurbeln / Schaltung   Sram X1 Carbon Eagle / Sram GX Eagle
Bremsanlage   Sram Code R
Laufräder   Newman Evolution SL A.30-Systemlaufradsatz
Reifen   Schwalbe Magic Mary Evo SG 2,35 / Hans Dampf EVo SG 2,35
Reach   432 mm
Stack   628 mm
BB-Drop   -38 mm


PERFORMANCE
TRAIL   5 von 6 Punkten
DH   6 von 6 Punkten

Wolfgang Watzke Cube – Sensibelchen: Der hervorragende Float X2 bietet alle denkbaren Einstellungsparameter und ist via Tuning-Guide sinnvoll abstimmbar. DH-Performance fürs Enduro bergab, effektive Wipp­unterdrückung bergauf.

Wolfgang Watzke Cube – Alleskönner: Die neue Grip2-Kartusche macht aus der vormals sehr sportlichen 36 einen perfekten Allrounder. Von Komfort bis Race ist jetzt jeder Modus möglich. Ein Genuss!

FREERIDE Magazin Cube Stereo 150 C:68 TM 


Evil Wreckoning


HERSTELLERANGABEN
Vertrieb   Evil Bikes Global
Web    www.eu.evil-bikes.com
Material / Größen   Carbon / S, M, L, XL
Preis / Gewicht ohne Pedale   5.699 Euro / 14,1 kg


MESSDATEN


Federweg vorn / hinten   160 mm / 160 mm
Hinterbausystem   Abgestützer Eingelenker
Gabel / Dämpfer   RockShox Lyrik RCT 3 / RockShox Monarch Plus RC3
Kurbeln / Schaltung   Truvativ Descendant / Sram GX Eagle
Bremsanlage   Sram Guide RSC
Laufräder   E13 TRS+-Systemlaufradsatz
Reifen   Maxxis Minion DHF/DHR II 3C MaxxTerra Exo 2,3
Reach   434 mm
Stack   637 mm
BB-Drop   -27 mm


PERFORMANCE
TRAIL   5 von 6 Punkten
DH   5 von 6 Punkten

Wolfgang Watzke Evil – Wippenwahnsinn: Die Hinterbaufunktion am Evil versteht man erst nach längerem Drauf­starren. Im Prinzip ist es ein klassischer Eingelenker, doch die gezogene Wippe zur Dämpferanlenkung macht das Ganze optisch sehr komplex.

Wolfgang Watzke Evil –  I’m bad: Tolle Verarbeitung und elegantes Carbon-Design machen das Evil zum optischen Sieger des Duells.  

FREERIDE Magazin Evil Wreckoning



FREERIDE-RANKING:
Die Zahl (maximal 10 Punkte) gibt den Gesamteindruck der Tester wieder und ist keine Addition von Trail- und Downhill-Punkten. 10 = Testsieger, besser geht nicht. 9 = sehr gut. Kaufempfehlung. 8 = solide Leistung. 7 = unter Durchschnitt. Das Produkt hat Schwächen. 1 bis 6 = Davor können wir nur warnen!


Themen: EvilSteroTest-DuellWreckoning


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