Test-Duell Bremsen 2015: Magura gegen SRAM

Bremsen-Test: Magura MT7 gegen SRAM Guide

  • Laurin Lehner
 • Publiziert vor 5 Jahren

Auf seine Bremsen will man sich voll und ganz verlassen können. Zwei neue Vierkolben-Modelle buhlen gerade um die Gunst der Freerider: Maguras „MT7“ und SRAMs „Guide RSC“.

Bremsen-Test: Magura MT7 (rechts) gegen SRAM Guide RSC (links)


In der einen Ecke: Magura "MT7". Der Bremsenhersteller aus dem Schwabenland bringt erstmals wieder eine Bremse für den Gravity-Einsatz auf den Markt. Die neue "MT7" soll das schwere Erbe der "Gustav M" antreten. Könnt ihr euch an die noch erinnern? Sie revolutionierte 1996 das Mountainbiken mit nie gekannter Bremskraft. Über die Jahre erlangte sie einen legendären Ruf. Einziger Nachteil des Bremsmonsters: hohes Gewicht und ewige Schleifgeräusche. Maguras neues Bremswunder "MT7" besitzt genau wie die wuchtige "Gustav M" vier Bremskolben. Doch die sind jetzt mit vier Einzelbelägen bestückt. Das gab es bisher noch nicht. Vorteil der Einzelbeläge laut Magura: "Noch mehr Brems­power!" Einsatzbereich der "MT7" ist Enduro- und Downhill-Terrain. Die Schwaben geben 5 Jahre Garantie auf ihren Stopper – das zeugt von Selbstvertrauen!


In der anderen Ecke: "Guide RSC" von US-Komponenten-Gigant SRAM. Die "RSC" ist das Topmodell der Neuentwicklung. Das Kürzel bezeichnet Griffweiteneinstellung (Reach), Übersetzungsmechanismus (Swing Link) und Kontaktpunkteinstellung (Contact). Besonders spannend: die Swing-Link-Technik. Durch eine Übersetzung im Bremshebel verkürzt sich der Leerweg. Sprich: Der Spalt zwischen Belag und Scheibe darf größer sein, da sich die Beläge anfangs schnell und dann dosiert an die Scheibe ziehen lassen. Das soll mehr Bremskraft erzeugen und zugleich den lästigen "On/Off"-Effekt zugunsten einer besseren Modulation verhindern. 2 Jahre Garantie gibt der Hersteller auf die "Guide RSC" und er fächert den Einsatzbereich breit auf: von Trailrides bis Freeride.

Test-Duell Bremsen 2015: Magura gegen SRAM

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Im harten Freeride-Einsatz will man sich voll und ganz auf seine Bremsen verlassen können. Zwei neue Vierkolben-Modelle buhlen gerade um die Gunst der Freerider: Maguras "MT7" und SRAMs "Guide RSC". Deswegen ließen wir die Superbremsen zum Duell antreten. Wer gewinnt?


Die Regeln – So werten wir!

Regel Nummer 1: getestet wird sowohl im Labor als auch in der Praxis. Nur die Prüfstände in unserem Labor schaffen es, die exakten Unterschiede in Bremskraft und Standfestigkeit zu messen. Die Praxis ist wichtig, um zu checken, wie gut sich die Stopper handhaben lassen. Dafür glühten wir über Bikepark-Trails und stürzten uns über eine sacksteile Teerstraße in Bozen in die Tiefe. Auf diesen 700 Höllenmetern bangten unsere Testfahrer bei Bremsentests schon oft um ihr Leben, wenn sie – nur mit der Vorderbremse – gegen die Schwerkraft ankämpften.


Runde 1 – Die Montage: Kniffelig oder einfach?
Montieren lassen sich beide Bremsen unkompliziert. Beide sind Flip-Flop-kompatibel, das heißt: Die Bremshebel kann man beliebig tauschen. Bei der SRAM "Guide RSC" ist serienmäßig ein Schellenadapter für die Schalthebel dabei. Bei Maguras "MT 7" muss man die Schalthebel-Adapter dazu kaufen (39,90 €). Punktgewinn für die "Guide RSC".


Runde 2 – Die Bremshebel: Ergonomie ist alles.
Die Hebel der "Guide RSC" wirken filigran und sehr ergonomisch. Sie erinnern an unsere Lieblingshebel von Shimanos "XT". Da greift man gerne hin – super! Ein Drehknopf am Hebel verändert die Griffweite, ein Drehrad am Ausgleichsbehälter kurbelt die Beläge näher an die Scheibe (Leerweg, Druckpunkt). Beides funktio­niert sehr gut und ohne Werkzeug. Und wie steht es um die Bremshebel der Magura "MT7"? Zwar kommt man auch hier ohne Werkzeug aus, doch die Hebelweitenverstellung ist zu gering. Die Hebel lassen sich nicht nahe genug an den Lenker justieren – für Fahrer mit kleinen Händen ist das ein echtes Manko. Zudem ist die Ergonomie der langen Magura-Hebel gewöhnungsbedürftig. Kurzum: Punktgewinn für SRAM, damit steht es 2:0.


Runde 3 – Die Praxis: Die Hauptsache!
Die "Guide RSC” packt kraftvoll zu und lässt sich fein dosieren. Selbst Fahrern mit 85 Kilo reichte das völlig aus. Zwar verformten sich die Centerline-Bremsscheiben bei langen Brems-Orgien, doch nach kurzer Abkühlphase liefen die Scheiben wieder rund. Ein kräftiges Teil, diese "Guide"! Gibt es da noch eine Steigerung?
Ja! Sie heißt: "MT7". Die Magura beißt mit der brachialen Power einer Bulldogge zu und lässt sich durch gar nichts aus der Ruhe bringen. Ihr ist es egal, ob der Fahrer einige Pfunde zu viel auf den Rippen hat. Die Dosierbarkeit leidet nicht unter der Bremskraft – Respekt! Weil wir die Bremskraft besonders gewichten, vergeben wir für diese Runde gleich zwei Punkte. Jetzt heißt es: Gleichstand, 2:2.


Runde 4 – Der Labor-Test: Die Entscheidung
Das Labor bestätigt unsere Praxis-Eindrücke: Die "MT7” erzielt auf dem Bremskraft-Prüfstand Höchstwerte. Sie übertreffen selbst die wuchtigen Gravity-Stopper wie Avid "Code" oder Shimanos "Saint"! Da kann SRAMs "Guide RSC" nicht mithalten. Bei den Tests verformt sich ihre Centerline-Bremsscheibe schnell und flattert bereits ab 250 Grad Hitze. Auch diese Runde geht an Magura, also, Endstand 2:3.
And the Winner ist... Magura "MT7"!


Das Fazit: Ihr enormer Biss und die hohe Standfestigkeit bringen der Magura "MT7" den Sieg. Mit so viel Bremspower wird der Stopper unter Gravity-Bikern garantiert viele Fans finden. Die "Guide RSC" hat uns auch gefallen. Ihre Bremskraft ist nicht ganz so brachial, dafür fallen Hebel-Ergonomie und Verstellbarkeit deutlich besser aus.


PRODUKTBESCHREIBUNG MAGURA MT7 (Testsieger)


Infos   www.magura.com
Details   Vierkolben-Bremse mit einteiligem Sattel, organische Beläge, Mineralöl, Druckpunkt und Hebelweite ohne Werkzeug verstellbar
Preis / Gewicht pro Bremse ab 259 Euro / 447 Gramm
Größe 140/160/180/203 mm

Magura MT7

Magura MT7


FAZIT: Die "MT7” erzielte auf dem Prüfstand Bestwerte in Standfestigkeit und Bremsleistung. Damit weist sie sogar Downhill-Stopper wie Shimano "Saint" und Avid "Code" in die Schranken. Auch im Praxistest überzeugte die "MT7". Sie ist kraftvoll, lässt sich gut dosieren und zeigte selbst bei hohem Fahrergewicht keine Schwächen. Für die mäßige Hebelergonomie und zu geringe Verstellbarkeit ziehen wir einen halben Punkt ab.

Magura MT7 - Hysterese-Schleife


ZITAT Laurin Lehner (FREERIDE-Tester): "Wow, was für ein Bremse! Die Magura ‚MT7‘ begeisterte mich von der ersten Testfahrt an mit ihrem kraftvollen Biss. Das gibt enorme Sicherheit, egal wie sehr der Trail in die Tiefe kippt. Okay, der Hebel könnte etwas besser in der Hand liegen und sich näher an den Lenker stellen lassen – doch ich habe große Hände und damit keine Probleme."


PRODUKTBESCHREIBUNG SRAM GUIDE RSC


Infos   www.sram.com
Details   Vierkolben-Bremse mit zweiteiligem Sattel, organische Beläge, DOT-5.1-Flüssigkeit, Druckpunkt und Hebelweite ohne Werkzeug verstellbar
Preis / Gewicht pro Bremse ab 221 Euro/501Gramm
Größe 140/160/170/180/200 mm

SRAM Guide RSC

SRAM Guide RSC


FAZIT: SRAMs neueste Bremse "Guide RSC” hat uns gut gefallen. Sie liefert mehr Bremskraft als der Vorgänger "Elixir Trail". Im Duell mit Maguras "MT7" zieht sie aber klar den Kürzeren. Im Extrembereich verformten sich die Centerline-Bremsscheiben. Das gibt kräftig Punktabzug. Dagegen können wir die ­Dosierbarkeit nur loben. Hervorragend: die Hebel. Sie liegen gut in der Hand und lassen sich schnell, einfach und effektiv verstellen. Top!

SRAM Guide RSC - Hysterese-Schleife


LABORWERTE RICHTIG LESEN:

Die rote Hysterese-Schleife zeigt eine Trockenbremsung, die blaue eine bei Nässe. Sie entsteht entgegen dem Uhrzeigersinn. Je steiler der Graph (B) ansteigt, desto härter verzögert die Bremse. Der Bereich A gibt Aufschluss über die Dosierbarkeit. Stehen die steigende und fallende Linie eng zusammen (kurzer Bereich A), reagiert die Zange schnell auf ein Öffnen am Bremshebel.

SRAM Guide RSC - Hysterese-Schleife


*FREERIDE-RANKING: maximal 10 Punkte | getestete Größe: fett gedruckt

Themen: BremsenMaguraSRAMTest


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