Test 2016: Downhill Bikes bis 4000 Euro

6 preiswerte Downhill Racer im Vergleich

  • Chris Schleker
 • Publiziert vor 4 Jahren

Dass moderne Worldcup-Bikes sauschnell sind, ist klar. Aber wieviel Formel 1 bleibt mit einem Preislimit ohne Highend-Komponenten? Kann ein Discount-Down­hiller schnell sein? Profi Klausmann hat’s getestet.

Speed and Style: Für die Fotosession scrubbt Marcus Klausmann das Lapierre 

Aaron Gwin ist ein Marketing-Gau. Er ist der lebende Beweis dafür, dass es am Ende doch nur der Fahrer ist, der die Rennen gewinnt und nicht das Bike. Egal ob Trek Session, Specialized Demo oder YT Tues, Gwin gewinnt. Schön für seinen aktuellen Sponsor, aber irgendwie auch ernüchternd. Was tun, wenn demnächst  eine solvente Hollandradmarke das Ausnahmetalent wegkauft und 2017 ein Damenrad mit Trommelbremsen in Lourdes gewinnt? Dann können sich alle Hersteller mit ihren Super-Race-Maschinen und den dazugehörigen Werbeslogans gehackt legen. It’s the rider, not the bike. Aber welchen Sinn haben dann noch aufwändige Vergleichstests mit Zeitnahme und dem ganzen Brimborium? Schluck.


Arbeitslos dank Aaron

Schönen Dank. Aber jetzt sind die Testbikes bestellt, das Hotel gebucht, der Promitester verpflichtet. Und wenn man nüchtern drüber nachdenkt, macht es für alle normalen Menschen sehr wohl einen Unterschied, auf welchem Bike sie sitzen. Ohne übermenschliche Fähigkeiten ist man dankbar für fehlerverzeihende Geometrien, satte Fahrwerke und ein sicheres Fahrgefühl. Und ohne solvente Sponsoren ist oft die Kostenfrage entscheidend. Wir finden, 4000 Euro sind eine Menge Holz. Trotzdem ist soviel Kohle heutzutage gerade mal die Eintrittskarte in den DH-Sport. Das ganze Bling-Bling-Zeug, mit dem die Profis gen Tal rasen, sucht man in dieser Preisklasse vergebens. Was heißt das für die Discount-Downhiller? Sind das Bikes zweiter Klasse? Chancenlos langsam?


Die Testergebnisse dieser Downhill-Racer finden Sie hier:

• Bulls Wild Core
• Canyon Sender CF 7.0
• Commencal Supreme DH V4 Race (FREERIDE-Tipp: Top Core)
• Lapierre DH 727
• Norco Aurum A 7.1
• Specialized Demo 8.1

Test 2016: Downhill Bikes bis 4000 Euro

6 Bilder

Dass moderne Worldcup-Bikes sauschnell sind, weiß man. Aber wieviel Formel-1-Fahrleistung bleibt, wenn wir ein Preislimit setzen, in dem keine Highend-Komponenten möglich sind? Kann man auch auf einem Discount-Downhiller schnell sein? Sauschnell sogar? Profi Marcus Klausmann hat's für euch herausgefunden.

Bei Formel 1 denkt man an Carbon. Den Werkstoff sucht man in diesem Test (fast) vergebens. Nur Canyon schafft es mit dem neuen Sender, einen Kunststoffrahmen mit Luftdämpfer ins Testfeld zu schmuggeln. Trotzdem gibt es eine interessante Technikoffensive zu beobachten: Der klassische Viergelenker mit einfacher Wippe zum Dämpfer (Specialized, Norco) wird immer mehr verdrängt von Bikes mit komplexer Multiwippen-Anlenkung, die vom Motocross-Sport beeinflusst ist  (Commencal, Bulls, Canyon, Lapierre). Hier wie da sind die Feder­elemente einfach gehalten. An der Front dominiert die Boxxer RC mit simpler Dämpfungskartusche, hinten finden sich überwiegend einfache Dämpfermodelle von Fox und RockShox. Wenig Verstelloptionen heißt wenig Stress beim Abstimmen, aber auch wenig Möglichkeiten, Defizite der Rahmenkonstruktionen zu kaschieren. Und hier wird’s interessant, wenn sich ein Mann wie Marcus Klausmann auf die Testbikes setzt und die Stoppuhr einschaltet.


Schnell fühlen vs. schnell fahren

Ziel des Speedchecks in diesem Test ist es, das Potenzial der Bikes zu ermitteln. Marcus war auf den getimten Abfahrten nach eigener Aussage immer mit 90 Prozent des Maximums unterwegs. Also schnell, aber noch im Wohlfühlbereich. Die ermittelten Zeitunterschiede muss man also anders lesen, als die Ergebnislisten des letzten Worldcups: Je früher sich Marcus zu schnell und damit am Limit fühlte, desto eher griff er zur Bremse. Die Gründe für die Grenze zwischen Wohl- und Unwohlsein bei Highspeed finden sich selten bei der Geo, oft aber in zu straffen Set-ups, oder suboptimalen Kennlinien der Hinterbauten, die im groben Gerümpel an ihre Grenzen stoßen und Schläge an den Fahrer weiterreichen. Das heißt dann nicht, dass die Fahrt mit dem langsamsten Bike weniger spaßig gewesen wäre, als die mit dem schnellsten. Denn Fahrspaß definiert ja jeder anders. Für den einen ist es das agile Handling beim Einsatz im Bikepark, für den anderen die maximale Bodenhaftung im Training für den Wettkampf.

Der deutsche Serienmeister Marcus Klausmann beim Topografie-Check. Die Teststrecke in Bozen hat’s in sich.


FAZIT: Nicht jeder will Rennen fahren. Trotzdem könnte er es mit allen Bikes dieses Tests versuchen. Denn schnell sind sie, trotz Einsteigerpreisklasse. Aber um mit dem Demo so schnell zu sein, wie mit dem Commencal, muss der Pilot mehr Risiko eingehen – oder mehr Talent haben. Womit wir wieder beim Worldcup wären. Beim Rennen in Cairns lag das schnellste Commencal auf Platz 9. Gewonnen hat ein gewisser Loic Bruni. Auf dem Demo.

Und was sagt der Racer? Nach jedem Testrun spricht Marcus Klausmann die Eindrücke ins Ipad-Mikro.



Fazit von Marcus Klausmann: "Nicht alle Bikes in diesem Test konnte ich entspannt schnell fahren. Bei einigen fühlte ich mich deutlicher schneller am Limit. Mein klarer Favorit: das Commencal: schnell, sicher, super! Mit dem Bike würde ich mich direkt an den Start stellen, ohne eine einzige Schraube zu ändern."

Profi Marcus Klausmann


Fazit von Chris Schleker: "Alle Bikes mit Motolink und Stahlfederdämpfer (Lapierre, Bulls, Commencal) lagen eine Klasse satter auf dem Trail. Das Lapierre bietet dabei noch ein agiles Handling. Für mich das perfekte Bike für Race UND Fun."

FREERIDE Tester Chris Schleker


EINDRÜCKE DER TESTER


Christian Schleker (46): "Die Geometrien und Fahrwerke lassen auch in dieser Preisklasse extrem hohes Tempo zu. Damit geraten aber Laufräder und Reifen in den Grenz­bereich. Für Profis kein Ding, aber Otto Normalbiker kriegt die Krise, wenn die Reifen ständig platt und nach einem Tag Vollgas die Felgen verbeult sind. Richtig fette Downhill-Reifen und Tubeless sind Pflicht. Ich fände es kundenfreundlich, wenn Procore serienmäßig verbaut würde – das schont die Felge."


Marcus Klausmann (38): "Manche Hersteller verbauen mir in dieser Preisklasse zu hochwertige Komponenten und dafür zu einfache Federelemente. Eine X0-DH-Schaltgruppe und dafür eine Boxxer RC (Norco) macht viel weniger Sinn als ein X9-Schaltwerk und dafür eine Boxxer Team mit Chargerdämpfer (Commencal)."


Dimitri Lehner (47): "Die Bikes lagen für mich sehr dicht beisammen. Das sind dann eher Charakterunterschiede, denn schlecht ist keins der Bikes. Das Demo von Specialized ist nach wie vor mein Handlingsfavorit, aber so satt, sicher und trotzdem agil wie das Lapierre war für mich kein anderes Bike."

FREERIDE Chefredakteur Dimitri Lehner

Diesen Artikel finden Sie in FREERIDE 2/2016 - das Heft können Sie hier bestellen > FREERIDE IOS App (iPad) FREERIDE Android App 

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Themen: 4000 EuroBullsCanyonCommencalDownhillerLapierreNorcoSpecializedTest


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