Abenteuer

Spanien: La Palma

  • Marco Toniolo
 • Publiziert vor 14 Jahren

Dauerregen, Betonhimmel und Kälte – der Herbst steht in den Startlöchern, das Wetter zeigt sich oft von seiner miesen Seite. Also im Schmuddelwetter Trübsal blasen oder die Flucht nach vorne antreten. Auf La Palma lacht jetzt nicht nur die Sonne, auch das Herz aller Freerider macht hier Freudensprünge.

Man muss die Dinge dann machen, wenn man sie machen kann. Warum also nicht einen Billigflug nach La Palma ergattern und einfach mal freeriden gehen, wenn die anderen im Herbstdunst Frust schieben?

Nur mein Kopf ragt aus dem Meer, ich blicke Richtung Strand. Und dann weit nach oben in die zerklüfteten Berge. Ich folge mit den Augen der schier endlosen Linie, auf der wir gerade abgefahren sind. Dann drücke ich auf Repeat, und der Film läuft in meinem Kopf noch einmal ab. Vom 2 426 Meter hohen "Roque de los Muchachos" bis hinunter ans Meer sind wir gedonnert. Durch Wüste, Dschungel, Buschland und über Felsen. Wir fröstelten im Schnee am Gipfel, rissen uns auf halbem Weg die Klamotten vom Leib. Zwei unfassbare Stunden Downhill. Unsere Reifen rollten über Kies und Felsplatten, Piniennadeln, Schotter und weichen Waldboden. Würden meine Finger nicht noch vom Bremsen pochen – ich würde es für einen Traum halten.

Wir sind auf La Palma, der Kanareninsel. Es ist Dezember, und es ist 24 Grad warm. Hier im Wasser angenehme 20. Gefühlte Jahreszeit: Sommer. Daniel Schäfer und Philipp Foltz lockten mich hierher. "Vergiss Ski und Pulverschnee, die Insel ist ein Freeride-Paradies", hatte Daniel durchs Telefon geschwärmt. Die zwei sind so von der Insel überzeugt, dass sie eine Firma gründeten und im Winter Freeride-Touren über die Insel anbieten.

Bei der Ankunft am Flughafen von Santa Cruz de la Palma bekomme ich einen Schock: Im Himmel knäulen sich die Wolken so dick, dass sie beinahe die Dächer berühren. Der Taxi-Fahrer murmelt pausenlos etwas von "Frio, mucho frio" in seinen Schnauzbart. Kalt sei es, sehr kalt sogar. Dabei dreht er hektisch am Radio, als könne er mit einem neuen Sender den Regen abdrehen. Es prasselt laut aufs Taxi-Dach, die Scheibenwischer flappen hilflos hin und her. Dann fahren wir durch einen langen Tunnel. Als wir rauskommen: Sonne, blauer Himmel. Auf La Palma gibt es tatsächlich eine Wetterscheide wie am Alpenhauptkamm. In den nächsten zwei Wochen werde ich immer wieder die Wolken beobachten, die wie Cappuccino-Schaum über den Tassenrand zu uns rüberschwappen wollen.


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Themen: AbenteuerLa PalmaSpanien

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