Herrengedeck im Bikepark Herrengedeck im Bikepark Herrengedeck im Bikepark

Österreich: Spotguide Schladming

Herrengedeck im Bikepark

  • Laurin Lehner
 • Publiziert vor 10 Monaten

Der Bikepark Schladming war vor allem bei Racern und DH-Moshern beliebt. Nach dem Relaunch 2020 will der Park nun mit neuen Strecken auch Airtime-Fans und Einsteiger ansprechen.

Worldcup-Downhill: Hass-Liebe

Die ehemalige Worldcup-Strecke ist der Publikumsmagnet und das Herzstück des Bikeparks. Hier gewinnt man oder verliert – eine echte Hass-Liebe eben.

Ob Sam Hill, Josh Bryceland, Gee Atherton oder Brage Vestavik – alle lieben den Downhill in Schladming. Neben den Profi-Racern zieht die ehemalige World­cup-Strecke auch Hobby-Racer in den Bann – lässt sie straucheln oder siegen. Für etwas mittendrin ist hier kaum Platz. Hier heißt es: Augen auf, voll drauf!

Wolfgang Watzke Lass’ fliegen! Das Roadgap auf der World­cup-Strecke ist einer der wenigen, spaßigen Stunts auf der Strecke.

Die Worldcup-Strecke startet an der Mittelstation. Schon die ersten Meter verraten den Streckencharakter: schnell, grob, fordernd – und das für Biker und Material. Viele Kurven in Erdanliegern schaukeln von links nach rechts. Immer muss man den Lenker gut festhalten, gerade in Steinfeldern oder Wurzelteppichen. Schon die schiere Steilheit des Geländes macht den Track physisch anspruchsvoll. Wer keine Pause macht, dem schwellen die Unterarme. Die teils ausgebombten Highspeed-Passagen fordern das Fahrkönnen und quälen das Fahrwerk. „Nix für schwache Nerven“, sagt selbst der Betreiber! Eine Knüppelstrecke mit viel Trainingspotenzial – so wunderten wir uns nicht, als wir hier Weltmeis­ter Danny Hart trafen. Stunts und Sprünge findet man hier kaum, und die wenigen muss man entschlossen angehen. Wie z. B. das Roadgap mit seiner kniffeligen Anfahrt. Kurzum: Verspielt wie z. B. der Downhill-Track in Serfaus-Fiss-Ladis ist diese Strecke hier nicht. Der Schladming-DH teilt Schläge aus und ist an Hardcore-Downhiller adressiert. Für die ganz harten unter Euch: erst Pro-DH, dann Worldcup-DH – das ergibt Österreichs längste DH-Abfahrt.

Plus: Fordernd, racig, technisch

Minus: Schnell und gefährlich, wenig verspielt

Fazit: Downhill pur! Die Worldcup-Strecke besitzt Kultstatus unter Racern. Zu Recht, finden die Vollgas-Fans unter uns Testern. Überbewertet, behaupten die Park-Shredder im Testteam. Fakt ist: Auf dieser Abfahrt würden wir uns mal wieder einen Worldcup wünschen.

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99-Jumpline: Zieh’ ab!

Die 99-Jumpline ist ziemlich einzigartig in Europa. Der Track steckt voller Airtime – Skills vorausgesetzt! Wer’s draufhat, fliegt den Berg runter.

Viele haben es bereits versucht – keiner hat es geschafft: eine Jumpline nach dem kanadischen Vorgikbild A-Line zu bauen. Die 99-Jumpline soll – neben der Worldcup-Strecke – Schladming einzigartig machen. Wir sind sie gefahren und sagen, ob Top oder Flop.

Wolfgang Watzke Durch das mäßige Gefälle muss man auf der 99-Jumpline so gut wie nie bremsen –Schwung für all die Sprünge zu behalten, ist jedoch anstrengend.

Kleiner Fun-Fact zu Beginn: Die Strecke besitzt mehr als 99 Jumps, doch der Name gefiel den Betreibern so gut. Der Trail-Einstieg ist ein gutes Stück von der Bergstation entfernt. Via Rookies-DH oder Pro-DH kommt man hin. Schnell wird klar: Die Strecke setzt Können voraus, will man es in die Landungen schaffen. Der breite Trail besitzt eine hohe Stunt-Dichte – das ist super! Doch die Sprünge sind teils sehr anspruchsvoll und verlangen Entschlossenheit. Einfach drübertragen lassen, funktioniert hier nicht. Man muss aktiv fahren, um genug Schwung zu generieren. Geht der Impuls verloren, fällt es schwer, wieder Fahrt aufzunehmen. Das gelingt auf der A-Line in Whistler viel leichter. Tester Wolfi Watzke resümiert: „Super Kompromiss aus Dimension und Schwierigkeit, viele Jumps und viel Abwechslung – geil!“ Wer sich wohlfühlt, der kann im letzten Drittel der Strecke auf die tiefschwarze Mons­ter-Jumpline (585 m) abbiegen. Und wo Monster draufsteht, ist Monster drin: Hier kommen dicke Sprünge, die sich wirklich nur an Fahrer mit Profi-Niveau richten. Kurzum: Viel kritisieren können wir an dieser Strecke nicht, außer, dass sie einige Übungs-Runs benötigt und sehr anstrengt, will man alle Jumps schaffen – gerade mit dem ekBigbikbe.

Plus: Stunt-Dichte, gut gebaut, viel Airtime

Minus: Nur für Könner

Fazit: Top! Die 99-Jumpline ist gelungen – zumindest für die Checker unter den Park-Shreddern. Die teils sehr anspruchsvollen Sprünge erfordern viel Popp. Nix für jeden Hobby-Parkfahrer.

Wolfgang Watzke Bigger, stronger, faster! Nach der Pause 2019 zeigt sich der Park vielseitiger denn je. Das Highlight: die 99-Jumpline. Markus Daxbacher feuert sich fürs Foto über den Abschnitt Monster-Jumpline, weil es die FREERIDE-Tester nicht in die Landung geschafft haben.

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Reiteralm-Trails: Epic-Enduro

Die Reiteralm-Trails sind die Enduro-Alternative zu den Bigbike-Strecken im Park. Die Gondel liegt zehn Autominuten vom Bikepark Planai entfernt.

Bisher galt der Bikepark in Schladming als Adresse für Core-Park-Shredder und Racer. Das wollten die Betreiber bei ihrem Relaunch ändern und stampften neben der Flow-Strecke auch Enduro-Strecken aus dem Boden.

Wolfgang Watzke Die zehn Autominuten zur Preunegg-Jet-Bahn lohnen sich. Das Bigbike lässt man aber lieber im Auto.

Wolfgang Watzke Enduro-Country: die Reiteralm-Trails.

Zwar liegt die Bergbahn etwas vom Bikepark entfernt, doch dafür ist die Fahrt mit der Liftkarte des Bikeparks umsonst. Hoch geht es mit der Preunegg-Jet-Bahn auf 1740 Meter. Hier startet der Eiskar-Trail – eine blaue Abfahrt (4,5 km) für Einsteiger und Familien. Wir wählen den Gassl-Trail, weil schwarz. Dafür kurbelten wir gerne noch mal 100 Höhenmeter eine steile Schotterrampe hoch. Der Gassl-Trail (2,2 km) ist zwar laut Karte eine schwarze Strecke, besitzt aber eher einen roten Charakter. Der Trail ist schön breit angelegt, besitzt Kurven mit harmonischen Radien, kleine Sprünge, doch meist bleibt er recht naturbelassen. Dazu kommen ein paar wenige Uphill-Passagen. Wir sagen: gelungen! Nach einem kurzen Transfer auf dem blauen Eiskar-Trail, biegen wir in den Buckelwald-Trail ein. Hier gibt’s viele Wurzeln (nässeanfällig!) und Anliegerkurven. Der Trail gewinnt zunehmend an Flow, und am Ende hüpft er sogar über einige Table-Sprünge. Von hier queren wir auf Forststraßen wieder zurück zum Eiskar-Trail. Das Finale bietet die rote Strecke Route 66 – unser Favorit und die Abfahrt mit den meisten Enduro-Genen! Dieser Trail besitzt gebaute Passagen und natürliche Abschnitte. Damit viel Fahrfluss aufkommt, will man seine Linie gut wählen. Dann ist der Spaß zu Ende, und wir queren zurück zur Talstation.

Plus: Abwechslung, Panorama, Bergerleben

Minus: Nässeanfällig, wenig Stunts

Fazit: Die Reiteralm-Trails sind eine gelungene Ergänzung zum Shredding im Park. Hier gibt’s viel Abwechslung, Panorama und Fahrspaß. Ein Muss für alle, die länger als einen Tag in Schladming verbringen. Die Ausschilderung könnte besser sein.

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Flowline: Schaukelei

Alle lieben Flowlines – auch Schladming hat nun eine. Kommt sie an das Original am Geißkopf ran?

Als Ergänzung zu den Hardcore-Strecken im Park eine Flowline zu bauen, war die logische Konsequenz. So wollen die Schladminger nicht nur die Core-Zielgruppe in den Bikepark locken, sondern auch Familien und Einsteiger. Wir haben unser Flow-O-Meter ausgepackt und die Flowline gecheckt.

Wolfgang Watzke Die neue Flowline bespaßt Einsteiger und Familien mit ihren Kurven. Für Shredder nur was zum Warmfahren.

Wolfgang Watzke Falsche Waffenwahl: Zwar macht die Flowline auch mit einem Bigbike Spaß, ein Enduro passt hier aber besser.

Die neue Flowline startet wenige Meter über der Planai-Bergstation. Die breite Brechsandbahn schaukelt seine Befahrer auf einer Wellenbahn ins Tal. Flowline eben. Die Kurvenradien passen gut, die Neigung auch – so kann man die Finger von den Bremsen lassen. Möglichkeiten zum Abziehen gibt es im zweiten Abschnitt, hier kommen Fortgeschrittene eher auf ihre Kosten, denn manche Wellen lassen sich als Absprung nutzen: Airtime! Kritikpunkt: Uns fehlte etwas die Abwechslung und Einsteigern die easy Alternative, ganz ins Tal zu kommen. Denn die Strecke endet an der Mittelstation. Super: E-Biker können sich das Warten an der Gondel sparen und von der Mittelstation die Uphill-Variante zum Trail-Einstieg selbst hochfahren.

Plus: Flow, Kurvenradien, Grip

Minus: Nix für Fortgeschrittene, keine Stunts

Fazit: Mission geglückt. Spaßige Flowline für Einsteiger. So gut wie das Flowline-Original im Bikepark Geißkopf ist die Abfahrt allerdings nicht.

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Schladming-Info

Die Saison startete am 13. Mai und endet am 1. November. Der Liftkarte gilt für den Park wie auch für die Trails an der Reiteralm. Zudem ist die Region Teil der Gravity-Card. Unser Tipp : Nehmt beides mit – Bigbike und Enduro – und plant zwei oder mehr Tage ein.

Strecken: 4 Hauptstrecken (Planai), 2 Hauptstrecken (Reiteralm)

Lift: Gondel (Planai), Gondel (Preunegg Jet)

Verleih / Kurse: Ja / Ja

Saison: 21. Mai bis 3. Oktober täglich (Planai), 28. Juni bis 12.September täglich (Reiteralm)

Öffnungszeiten: 9–17 Uhr

Tagesticket: 42 € (Erwachsene), 32 € (Jugendliche), 21 € (Kinder), frei für Gravity-Card-Besitzer

Events: stehen Covid-19-bedingt noch nicht fest.

Mehr Infos unter www.planai.at

Tipp: Wer seine Unterkunft über: www.schladming-dachstein.at bucht, profitiert von Vorteilen wie z. B. kostenlosem Wäsche-Service, Werkzeugecke oder absperrbare Bike-Keller.


KLARTEXT

Georg Grieshaber Wolfgang Watzke : „Die 99-Jumpline ist neben der A-Line in Whistler die beste, die ich kenne. Ein Grund für Airtime-Fans, den Park zu besuchen. Mit den gelungenen Reiter­alm-Trails, der anspruchsvollen Worldcup-Strecke und der neuen Flowline spricht der Park jetzt viel mehr Biker an.“

Dimitri Lehner Laurin Lehner : „Ich war auf die 99-Jumpline gespannt. Leider fehlte mir die Entschlossenheit und der Popp, um mich in die Luft zu schießen. Kurzum: Bei mir kam Frustration auf – dennoch will ich sie nicht schlechtreden. Jump-Experten haben hier Spaß, das konnte ich gut bei den Kollegen beobachten.“

Ronny Kiaulehn Dimitri Lehner : „Früher war Schladming ein Spot für Hardcore-Rider. Jetzt ist das Angebot viel breiter. Doch die Hauptstrecken haben’s immer noch in sich, fordern heraus und verlangen eine Charger-Attitude, damit man wirklich Spaß hat. Easy peasy ist hier nix, außer den Enduro-Trails auf der anderen Talseite und der Flowline – und die endet an der Mittelstation.“

Themen: BikeparkÖsterreichSchladming


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