Wir sind Gwin! Wir sind Gwin! Wir sind Gwin!

Aaron Gwin fährt deutsches Bike

Wir sind Gwin!

  • Dimitri Lehner
 • Publiziert vor 6 Jahren

Aaron Gwin startet im Worldcup 2016 auf einem deutschen Bike. Der schnellste Fahrer der Welt wechselte von Specialized auf YT. Wir wollten vom YT-Geschäftsführer Markus Flossmann wissen, wie es dazu kam.

YT Industries Fühlt sich anscheinend auf seinem neuen Tues recht wohl: Aaron Gwin bei Testfahrten in Kalifornien. Spannend wird's am 10. April in Lourdes: Worldcup-Auftakt und erste Feuerprobe!


Markus, im Vorfeld gab es wilde Gerüchte. Irgendwann drang durch, dass YT den Worldcup-Gesamtsieger Aaron Gwin tatsächlich unter Vertrag genommen hat. Wie kam es dazu?

Der Redakteur der englischen DIRT, Steve Jones, ist schuld. Er fragte mich vor einem Jahr, ob unser Big Bike Tues auch in der Lage sei, einen Worldcup zu gewinnen. Damals hatte ich gesagt: "Ich glaube schon, warum nicht!" So sind wir auseinander gegangen. Doch der Gedanke hatte mich nicht mehr losgelassen. Um das zu beweisen, braucht man natürlich einen Fahrer, der auch einen Worldcup gewinnen kann. Aaron Gwin schien mir da der richtige Mann.

YT Industries YT-Geschäftsführer Markus Flossmann: „ohne Risiko wäre es langweilig“.


Wusstest du, dass sich Gwin nach einem neuen Team umschaut?

Nein. Davon hatte ich keine Ahnung. Ich habe mir ein Ticket zur WM nach Andorra gekauft, bin runtergeflogen und habe Aaron getroffen. Dort erzählte Aaron, dass er sich gerade ein neues Team sucht und bat mich einen Rahmen zu schicken, um das Bike zu testen.


Und?

Ich habe ihm den Rahmen geschickt. Das Bike muss passen, sagte Gwin, davon machte er alles abhängig. Nach den Testfahrten war er sehr happy, meinte, es sei genau so wie er sich das vorstelle. Darüber haben wir uns bei YT gefreut. Dazu muss ich sagen, dass wir nichts für ihn verändern. Gwin wird im Worldcup einen ganz normalen Serienrahmen fahren, ausgestattet mit Fox-Federelementen. Vier Wochen hat er gebraucht, um das perfekte Setup zu ermitteln und dann gab er uns grünes Licht und sagte, das Bike sei top.


Jetzt fragen sich natürlich viele, wie ein kleiner Versender aus Forchheim sich den großen Gwin überhaupt leisten kann?

Naja, ganz so klein sind wir auch nicht mehr. Wir dürfen nicht über Gehälter von Fahrern sprechen, das ist vertraglich so festgelegt. Doch sicher gibt es Fahrer, wo man erst mal schluckt, wenn man hört, was die abrufen. Gwin ist so ein Fahrer. Doch für uns als Worldcup-Neuling ist Aaron Gwin mehr wert als für Hersteller, die schon länger im Worldcup unterwegs sind.


Ich habe mich gefragt, warum sich Specialized sein schnellstes Pferd ausspannen lässt? Besonders wenn man an den ruppigen Start denkt, wo Gwin mit dem Demo so gar nicht zurecht kam.

Am Geld lag es bestimmt nicht. Wenn wir es schaffen, Gwin zu engagieren, kann es Specialized mindestens zehn Mal so gut. Da müssen andere Gründe dahinter stecken. Doch was das genau für Gründe waren, weiß ich nicht.


Ein Bike-Wechsel birgt auch eine gewisse Gefahr. Wir erinnern uns an Gwins Wechsel von Trek zu Specialized. Mit Trek unbesiegbar im Worldcup, wurde Gwin auf Specialized nach unten durchgereicht – mit der unweigerlichen Botschaft: Das Demo ist kein schnelles Race-Bike. Was sagst du dazu?

Klar denke ich darüber nach, was passiert, wenn Gwin mit unserem Bike hinterher fährt. Doch auch wenn du einen sicheren Job aufgibst und eine Firma gründest, wie ich YT, ist Risiko dabei. Entweder es funktioniert oder du verlierst viel Geld. Risiko gibt es immer. Mein Motto: Wenn alles im Leben eine sichere Sache wäre, würde es ja jeder machen!


Gwin ist nicht alleine im Team.

Nein, er fährt gemeinsam mit Ángel Suárez, einem jungen Spanier. 20 Jahre alt. Letztes Jahr ist Ángel seine erste Worldcup-Saison gefahre und auch schon unter den Top-20 gelandet. Er versteht sich super mit Gwin. Beide haben Motocross-Vergangenheit. Gwin war es wichtig, sein Wissen an einen jüngeren Fahrer weiter geben zu können.

YT Industries Gwin ist nicht alleine. Mit im Team YT Mob: das spanische DH-Talent Ángel Juárez.


Woher kam das Gerücht, dass sich gleich mehrere große Sponsoren zu einem Team zusammen schließen: Audi, KTM, Red Bull?

Keine Ahnung. Das ist absoluter Quatsch. Red Bull hat kein Interesse an einem eigenen Team, wenn die so viele Athleten unterstützen. Audi? Das ist fern ab von jeder Realität. Und KTM? Selbst, wenn es KTM Motorräder wäre, gibt es die Gedankenbrücke zu KTM Bikes und das ist aus Marketing-Sicht ein No Go. Nein, unser Team heißt YT Mob.


Welches Ziel habt ihr euch gesteckt?

Natürlich wollen wir zeigen, dass unser Bike Rennen gewinnen kann. Doch wir setzen uns nicht unter den Druck, dass unbedingt Podiumsplätze eingefahren werden. Das ist nicht unsere Philosophie. Wir haben auch nie unsere anderen Fahrer unter Druck gesetzt. Zudem glaube ich, dass Aaron Gwin am schnellsten fährt, wenn man ihn einfach machen lässt.


Wird Gwin in die Bike-Entwicklung einbezogen?

Der Punkt war ihm sogar sehr wichtig. Er wollte Einfluss haben. Und wir finden das super. Für uns ist das eine Voraussetzung für eine gute Zusammenarbeit. Wenn wir den teuersten Fahrer des Worldcups unter Vertrag haben, sollen auch die Bike-Palette davon profitieren.


Werden eure jetzt Bikes teurer?

Ja, ab ersten April heben wir die Preise ums Doppelte an, sonst können wir uns Gwin nicht leisten. Lacht! Nein, die Preise bleiben so. Der Wechselkurs ist momentan richtig fies, doch die Schwankungen federn wir ab. Das Tues CF ist etwas teurer geworden, doch nur weil wir es besser ausgestattet haben. Da steckt jetzt ein Carbonlaufradsatz drin, der alleine 2000 € kostet. Also: Wegen Gwin wird nichts teurer.

YT Industries Vertraut auf sich und Gott: Der Worldcup-Führende Aaron Gwin posiert mit seinem deutschen Boliden.

Themen: Aaron GwinFahrerwechselRaceWorldcupYT


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