"Wenn jemand stürzt, dann richtig!" "Wenn jemand stürzt, dann richtig!" "Wenn jemand stürzt, dann richtig!"

Red Bull Rampage 2015

"Wenn jemand stürzt, dann richtig!"

  • Dimitri Lehner
 • Publiziert vor 6 Jahren

Amir Kabbani, Deutschlands bekanntester Freerider, spricht über den krassesten Freeride-Event des Jahres: die Red Bull Rampage.

Red Bull Amir Kabbani, Deutschlands bekanntester FMB-Freerider, wollte immer bei der Rampage starten. Jetzt nicht mehr. „Ich bin nicht mehr bereit, so viel zu riskieren, ums ins Finale zu schaffen!“, sagt Amir.


Es verwundert, dass all die Jahre wenig schlimme Verletzungen bei der Rampage passierten. Dieses Jahr hat sich Paul Basagoitia beim Sturz die Wirbelsäule gebrochen und scheint an einer Lähmung knapp vorbei geschrappt zu sein.

Ich habe mir die Rampage im Livestream angeschaut. Krasser Event. Wenn jemand gestürzt ist, dann richtig. Einfach nur wild. Da musst du voll entschlossen sein und absolute Bereitschaft zeigen, wenn du eine Show abziehen willst. Paul tut mir leid. Ja, das ist dumm gelaufen. Doch auf jeden Fall wird er wieder – und das ist entscheidend.

Red Bull Pechvogel des Events: Paul B legte einen Wahnsinns-Run hin. Damit wollte er sich zurück in die Freeride-Spitze katapultieren. Als er mit Full-Speed über den großen Drop schoss und ganz weit unten aufkam, jubelten alle vor Begeisterung. Doch Paul schaffte es nicht, den Speed zu kontrollieren und stürzte schwer. Dabei brach er sich die Wirbelsäule. Das Angstwort Lähmung schwebte lange im Raum.


Welcher Fahrer hat dich überrascht?

Mich hat überrascht, dass Kurt Sorge gewonnen hat. Sein Lauf war cool, doch es war kein Siegerrun. Vielleicht ist die Rampage mittlerweile aber auch so komplex, dass es da ein gerechtes Judging gar nicht mehr geben kann. Dass Zink und Semenuk mit ihren Läufen so nach hinten durchgereicht wurden, ist abgefahren. Wievielter ist Zink geworden? Sechster – und das mit dem Lauf. Unglaublich. Semenuk hat alles kombiniert und wird damit Vierter. Mmmmh. Und es ist ja nicht so, dass Semenuk auf einer Autobahn runtergefahren ist. Doch ich habe beschlossen, mich da gar nicht drüber auszulassen.

Red Bull Sieger 2015: Kurt Sorge. Die letzten zwei Jahre war der Gewinner von 2012 verletzt. Jetzt holte er sich den Sieg – zur Überraschung vieler.


Selbst Moderator Cam McCaul scheint das Judging oft überrascht zu haben.

McCaul ist der geborene Labersack und ideale Kommentator. Er hat das richtig gut gemacht. Ich kann mir vorstellen, dass die Fahrer nach der diesjährigen Rampage mehr Einfluss auf das Judging nehmen werden. Typen wie Randy Spangler, die jetzt in der Jury sitzen, mögen früher auch Profi-Freerider gewesen sein. Doch ob sie die modernen Tricks einschätzen können, bezweifle ich. Woher sollen die Typen das wissen? Das ist ziemlich schwierig geworden. Früher waren die Unterschiede bei den Läufen offensichtlicher. Da hat man den Gewinner deutlicher erkannt. Mittlerweile liegen die Runs viel dichter beisammen.

Red Bull 360er über die Monsterklippe: Cam Zink. Nach seinem Lauf schien der Ami siegessicher. Sein Run war perfekt, fand auch Kommentator Cam McCaul. Doch dann wurde Zink bis auf Platz 6 durchgereicht. Weder er, noch wir und viele Zuschauer konnten das verstehen.


Wer war dein Favorit?

Semenuk. Das liegt auch daran, dass mir die Art wie Semenuk fährt, besonders gefällt. In seinem Run war alles drin: krasse Tricks, Geschwindigkeit, Präzision. Ich hätte Semenuk schon sehr weit vorne gesehen.

Red Bull Publikums-Liebling und Amir Kabbanis Favorit: Brandon Semenuk. Der Kanadier mixte schwierigste Tricks mit Speed und Style. Sehr schick: sein Nose-Bong, ein kurzes Antippen eines Felsens mit dem Vorderrad.


Semenuks Run sah sehr verspielt aus.

Ja, und dennoch nicht zu verspielt. Denn manche Fahrer sind mir richtig auf die Nerven gegangen, wenn sie bei jedem Hubbel einen Wheelie gezogen haben oder das Hinterrad haben tanzen lassen – irgendwann ist auch mal gut.


Und wenn Antoine Bizet mehr Glück gehabt hätte ...

... oh, ja. Bizet war Wahnsinn. Wäre Bizet nicht gestürzt und hätte den Double-Backflip hingestellt, wäre er definitiv unter den ersten Dreien gewesen. Über diesen Kicker einen Doppelten zu ziehen, ist das nächste Level. Doch auch Paul B hatte einen irren Run. Viele hatten Ihn gar nicht mehr so auf dem Bildschirm, auch ich habe ihn schon ewig nicht mehr fahren gesehen und dann haut er da so einen Lauf runter. Respekt. Wäre er nicht gestürzt, hätte er auch ganz vor in die Spitze fahren können. Pierre Eduard Ferry hat mir auch sehr gut gefallen. Schön wie er da runter gefahren ist. Er hatte Style, sah gut aus und fuhr sehr kontrolliert. Gar nicht leicht als Europäer die Jury zu beeindrucken. Naja, den Fest-Series-Typen haben sie die Punkte dagegen nur so nachgeworfen.

Red Bull Möglicher Sieger: Antoine Bizet riskierte bei seinem ersten Final-Run alles. Den Doppelflip schien er fast schon gelandet zu haben, doch dann hebelte es den jungen Franzosen aus und er ging hart zu Boden. Statt Podiumsplatz gab's für ihn ein gebrochenen Arm. Auch das ist Rampage.


Was sagst du zu Rampage-Premiere von Remy Metailler?

Geil, der Typ ist ja mit Klick-Pedalen gefahren. Irre, mit wie viel Speed er da runter geknallt ist. Lustig war auch der Heiratsantrag von Kyle Norbraten. Meine Freundin saß neben mir und meinte nur: Mach das niemals! Dann wurde Norbraten auch noch von der Kommentatorin gefragt, wovor er mehr Angst gehabt hätte: seinem Run oder dass die Freundin nein sagt. Und er sagt auch noch: vor dem Run! Nee, da musst du doch anders antworten, auch wenn es vielleicht nicht stimmt. Haha! Das ist dieses amerikanische Ding. Vor laufender Kamera und mit all der Aufmerksamkeit. Lustig war es ja schon, das hat die Übertragung etwas aufgelockert. Und am Ende hat sie ja gesagt. Passt also.


Die Stürze von Paul B oder auch von Rogatkin, der den ganzen Felsen runter geflogen ist, haben die Diskussion wieder losgetreten, ob die Rampage ein Kommerz mit dem Risiko sei. Wie siehst du das?

Das ist ein schwieriges Thema und ja nicht das erste Mal, dass die Frage auftaucht. So lange nix passiert, ziehen sich alle die Show rein. Passiert dann was, gibt es Empörung. Machen wir uns nix vor: Red Bull gibt doch nur einen Rahmen vor. Die Athleten würden das auch machen, wenn die Rampage von X Dubai oder sonst wem gesponsert werden würde. Ich finde die Diskussion Quatsch. Übrigens: Früher war die Rampage vermutlich viel gefährlicher als heute.

Red Bull Sturz der Stürze: Nicoli Rogatkin. Mit dem Vorderrad hängengeblieben, Abflug über den Lenker und dann ab in die Tiefe. Niemand hielt für möglich, dass Nicoli nach diesem Sturz wieder aufstehen und seinen Run beenden würde. Inklusive Jump übers Canyon-Gap. Schade, dass er es nicht ins Finale geschafft hat.


Ist die Rampage für dich das Freeride-Highlight des Jahres?

Die Rampage ist schon ein irres Spektakel, doch ich finde Slopestyle-Events wie den Whistler Crankworx spannender. Doch das mag daran liegen, dass ich näher am Slopestylen dran bin. Mittlerweile denke ich, dass ich bei der Rampage fehl am Platz bin. Ich brauche nicht nach Utah zu fliegen, um dann nicht mal die Quali zu schaffen, weil ich nicht mehr gewillt bin, mich aus 20 Metern kopfüber runterzuhauen. Da fehlt mir die Entschlossenheit.


In den vergangenen Jahren wollest du immer mal wieder starten, hattest aber keinen Platz bekommen. Ist das Thema Rampage jetzt tatsächlich für dich durch?

Red Bull Content Pool FMB World Champ 2015: Thomas Genon. Eigentlich trickst der Belgier am liebsten mit seinem Dirtbike. Doch bei der Rampage verblüffte er die Freeride-Szene mit einer mutigen Linie und fetten Sprüngen.

Wenn ich ehrlich zu mir bin, dann ja. Als Nicht-Ami ist es zudem noch mal schwerer die Quali zu schaffen. Es freut mich, dass Pierre-Eduard Ferry das so cool gemeistert hat und dass Genon so gut gefahren ist. Der Typ ist eine Granate. Ich kann mir vorstellen, dass Genon überhaupt keinen Bock auf so was hatte, doch wie er das wieder hingestellt hat – fasziniert mich immer wieder. Wenn ihr wüsstet, wie Genon am liebsten Fahrrad fährt. Wenn er mich besucht, dann spielt er auf der kleinen Dirtline rum und übt technische Dinge, statt die große Line zu fahren. Dass Genon dann bei der Rampage so aufdreht, begeistert mich. Jetzt hat er auch den FMB Titel nach Europa geholt – super!


Seid ihr befreundet?

Ja, schon lange. Genon kenn ich schon seit eh und je. Da er bei sich auch keine wirklich guten Trainingsmöglichkeiten hat, kommt er öfters vorbei. Genon ist ein entspannter Typ, komplett auf dem Boden geblieben. Und dass er jetzt FMB World Champion geworden ist, hatte keiner so richtig für möglich gehalten. Alle dachten da an Brett Rheeder. Doch bei Brett lief es auch nicht nach Plan. Er will den Titel und hat es auch verdient, doch es ist einfach verdammt hart geworden.

Themen: Amir KabbaniFreerideInterviewRampage


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