Was bringen High-Pivot-Fahrwerke? Was bringen High-Pivot-Fahrwerke? Was bringen High-Pivot-Fahrwerke?

Tech Talk: High-Pivot-Fahrwerke

Was bringen High-Pivot-Fahrwerke?

  • Dimitri Lehner
 • Publiziert vor 4 Monaten

Trek, Norco, Cannondale & Co. rüsten ihre Gravitybikes mit High-Pivot-Hinterbauten aus. Wir haben nachgefragt, was diese Konstruktionen bringen?

Was ist High Pivot? High Pivot bedeutet: „Hoher Drehpunkt“. Die Kettenstreben sind weit oben am Sitzrohr mit dem Hauptrahmen verbunden. Dadurch kann das Hinterrad nach oben-hinten ausweichen. Um den dadurch größeren Pedalrückschlag zu minimieren, sind High-Pivot-Bikes mit einer Umlenkrolle über dem Tretlager ausgestattet (s. Foto oben).

Der Unterschied: Im Vergleich zu einem niedrigen Drehpunkt bewegt sich das Hinterrad beim Einfedern nicht nach oben-vorne, sondern nach oben-hinten. Dadurch kann das Hinterrad den Steinen und Wurzeln besser ausweichen. Beim Einfedern vergrößert sich der Abstand von Hinterrad zum Tretlager. Die Folge: starker Pedalrückschlag.

Martin Platter Im August 2002 holt Nico Vouilloz in Kaprun sein siebtes und letztes WM-Gold in der Elite-Klasse – auf einem High-Pivot-Bike.

Ein Blick zurück: Die Idee von einem hohen Drehpunkt ist nicht neu. Bereits 2000 fuhr Downhill-Superstar Nicolas Vouilloz auf einem VProcess mit High Pivot im DH-Worldcup. Commençal beweist seit den letzten Jahren im Worldcup, dass High-Pivot-Downhiller funktionieren. Das Modell DH Supreme wurde sogar unser „Bike of the Year 2019“.

Tech Talk: 4 Meinungen zum High-Pivot-System

Bodo Probst, Kinematik-Papst:

„Ich glaube nicht, dass sich High-Pivot-Hinterbauten durchsetzen werden. Ein hoher Drehpunkt hat zwar Vor-, aber auch Nachteile. Der Vorteil: Ein hoher Drehpunkt hilft Downhillbikes und Freeridern mit viel Federweg über Hindernisse drüberzurollen. Denn das Hinterrad kann durch die spezielle Raderhebungskurve dem Hindernis besser ausweichen. Nachteil: Bei Bikes mit wenig Federweg ist der Effekt kaum spürbar. Zudem leidet die Tritteffizienz unter dem Umlenkröllchen. Der Wartungsaufwand und die Anfälligkeit für Pannen sind weitere Argumente gegen das High-Pivot-System. Ein hoher Drehpunkt im Heck ist also nur was für Bikes, die man nicht selbst den Berg hochtreten muss.“

Hersteller Bodo Probst, Kinematik-Papst

Giacomo Großehagenbrock, Konstrukteur, Kavenz:

„Die großen 29er-Laufräder waren für mich der Grund, ein High-Pivot-Bike zu bauen. Denn die Raderhebungskurve ist der Schlüssel für ein besseres Überrollverhalten bei Hindernissen. Ohne diese spezielle Raderhebungskurve hat man das Gefühl, an Steinen und Wurzeln hängen zu bleiben. Gerade mit 29ern. Ein hoher Drehpunkt löst dieses Problem. Einziger Nachteil, zumindest von Eingelenkern: ein hoher Antirise. Beim Bremsen fängt das Hinterrad an zu stottern. Doch auch dafür gibt es eine Lösung: Viergelenker mit virtuellem Drehpunkt. Ich bin überzeugt, dass uns High-Pivot-Bikes noch so lange erhalten bleiben, bis die Laufräder wieder kleiner werden.“

Hersteller Giacomo Großehagenbrock, Konstrukteur, Kavenz

Stefan Bax, Konstrukteur, YT-industries:

„Nicht nur das Fahrwerk ist wichtig, die Geo macht’s! Die Raderhebungskurve ist zwar ein Vorteil, aber beim Einfedern wird der Abstand zwischen Tretlager und Hinterrad größer als bei Bikes mit tiefem Drehpunkt. Die Folge: Die Geometrie ändert sich und somit auch die Gewichtsverteilung zwischen Vorder- und Hinterrad. Der Fahrer muss diesem Effekt entgegenwirken. Uns ist aber wichtig, dass das Feedback vom Bike an den Fahrer eine konstante Charakteristik besitzt. Da zählt eine ausgewogene Geometrie und nicht nur das Überrollverhalten. Momentan würden wir nicht auf High-Pivot umstellen, denn damit wäre der Charakter unserer Bikes radikal verändert.“

Hersteller Stefan Bax, Konstrukteur, YT-industries

Johannes Fischbach, Downhill-Racer, Raymon Bikes:

„Es ist schon ewig her, dass ich das letzte Mal auf einem High-Pivot-Bike saß. Das war ein Ghost. Die Idee war schon damals gut, aber die Vorteile, die es mit sich brachte, wurden durch die Kinderkrankheiten wieder zerstört. Zum Beispiel war das Umlenkröllchen nur aus Plastik, schlecht gelagert, und die Position des Röllchens war nicht ausgereift. In Tretpassagen verlor ich dadurch mehr Zeit, als es mir in verblockten Abschnitten geholfen hat. Allerdings glaube ich, dass sich seither viel getan hat und die heutigen High-Pivot-Bikes nicht mehr mit den Kinderkrankheiten von damals zu kämpfen haben. Das es ein Gamechanger ist, glaube ich dennoch nicht.“

Hersteller Johannes Fischbach, Downhill-Racer, Raymon Bikes

Themen: FahrwerkPivotTechtalk


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