„Jeder will vom Hüttendach springen!“ „Jeder will vom Hüttendach springen!“ „Jeder will vom Hüttendach springen!“

FREERIDE-Camp Serfaus-Fiss-Ladis

„Jeder will vom Hüttendach springen!“

  • Dimitri Lehner
 • Publiziert vor 2 Jahren

Holger Meyer ist Fahrtechnik-Experte. Mit seinem Coaches richtet er das FREERIDE-Camp aus. Wir sprechen mit Holger über Risiko, begehrte Moves, seine Lieblingsbikeparks und dass früher nicht alles besser war.

Christian Waldegger,Die Rasenmäher Zwei Meter runter, zwei Meter raus: das Hütten-Gap in Serfaus-Fiss-Ladis. „Am Ende des Camps droppen die meisten hier runter“, sagt Coach Holger Meyer.


Wird das Risiko beim Bikepark-Biken unterschätzt?

HOLGER MEYER: Nein. Du kannst dir schließlich auch im Freibad den Arm brechen, wenn du blöd ausrutscht. Doch die Ermüdung wird unterschätzt. Bikepark-Shredden ist anstrengend und erfordert volle Konzentration. Lässt die nach, wird’s gefährlich.


Was sind die begeehrtesten Moves unter den Teilnehmern?

Die meisten Teilnehmer des FREERIDE-Camps wollen springen lernen und droppen – kontrollierte Airtime. Das kann man im Bikepark Serfaus-Fiss-Ladis gut trainieren. Hilfreich wäre allerdings noch eine Abfolge von vier Tables, die alle die richtigen Abmessungen besitzen. Ähnlich denen im Bikepark Geisskopf. Dort ist die Geschwindigkeit so gering, dass ich mich voll auf die Technik konzentrieren kann und die Verletzungsgefahr durch den geringen Speed minimal ausfällt. Denn so kann man Airtime-Neulingen Springen am besten beibringen.

Christian Waldegger,Die Rasenmäher Kann man mit Geld nicht kaufen: das magische Airtime-Gefühl. Erst wer die Technik beherrscht, sollte über Tricks wie diesen Schleyble-Top nachdenken (in Anlehnung an Freeride-Profi Richie Schley, der diesen Soft-Variante des Table-Top slaonfähig gemacht hat).


Besser langsam als schnell?

Ja, Sprünge mit hohem Speed gaukeln dem Biker vor, er könnte bereits springen. Schließlich schafft er es über den Table. Doch in Wirklichkeit schießt ihn nur die hohe Geschwindigkeit über den Sprung. Er muss gar nix tun, außer den Lenker festzuhalten. Doch das ist keine Sprungtechnik – das ist Cannon-Balling.


Wie geht’s richtig?

Mein Parade-Beispiel ist Bikeprofi Timo Pritzel. Er fährt die Jumps so langsam an, dass man nie glauben würden, dass er es in die Landung schafft. Doch durch Pushen, Druck aufbauen, Körperstreckung usw. fliegt er unglaublich hoch. Und genau dieses Gefühl will man schließlich haben: Airtime. Nicht wie eine Kanonenkugel in die Weite ballern, sondern durch einen aktiven Absprung die Schwerelosigkeit erleben. Das ist übrigens auch Voraussetzung für Tricks.


Um die Technik zu lernen, braucht man Zeit. Haben das die Teilnehmer im FREERIDE-Camp?

Natürlich wollen die Teilnehmer schnelle Erfolge sehen – und viele, die am FREERIDE-Camp teilnehmen, sind etwas abgeschreckt durch die vielen radikalen Fotos im Heft. Das suggeriert, dass jeder im Superwhip oder Suicide No Hander über die Jumps fliegt. Im FREERIDE-Camp setzen wir das ins richtige Licht – und dann klappt es sehr gut.


Wie hoch ist der Lernerfolg?

Hoch. Das Ziel der meisten Teilnehmer: Sie wollen den Drop vom Hüttendach in Serfaus schaffen. Am ersten Tag stehen viele da ehrfurchtsvoll davor. Doch nach ein paar Tagen Training auf der Drop-Batterie und anderen Drops, springen sie vom Hausdach. Dann sind sie happy und fahren mit einem tollen Erfolgsgefühl nach hause.

Christian Waldegger,Die Rasenmäher Rau, wurzelig, voller Gelände-Stufen: Teilnehmer des FREERIDE-Camps in der fordernden Downhill-Strecke in Serfaus. „Hier brauchst du volle Konzentration, sonst wird’s gefährlich!“, sagt Holger Meyer.


Hilft die Gruppendynamik bei dieser Mutprobe?

Unbedingt. Der Coach ermutigt dich, sagt, du hast es drauf. Oder gibt Hilfestellung, indem er vorfährt und dich anweist, genau das Gleich zu machen wie er. Das hilft, die eigenen Ängste auszublenden, das Selbstvertrauen zu stärken und sich auf die Technik zu konzentrieren. Es gibt den Teilnehmern auch eine Sicherheit, dass sie sich drei Tage lang intensiv mit dem Thema auseinander setzten. Wenn du da alleine für dich rumstöpselst, hast du diese mentalen Hilfen nicht.


Du selbst betreibst den Sport schon lange. Hat sich deine Sicht über die Jahre verändert?

Ich fahre zwar gerne im Bikepark, doch meine eigentliche Leidenschaft sind alpine Trails. Wenn ich dann im Park fahre zusammen mit meinen Fahrlehrern, profitiere ich genauso von der Gruppendynamik und mache Sprünge und Drops, die ich sonst vielleicht nicht machen würde. Das ist ein schöner Nervenkitzel.

Christian Waldegger,Die Rasenmäher Fährt gerne alpine Trails wie den Fromes Trail in Serfaus: Coach Holger Meyer. „Die meisten haben Schwächen in der Kurventechnik. Wichtig: 1. Blicksteuerung. 2. Oberkörper tief. 3. Ellbogen nach außen, nicht nach hinten wie beim Einkaufswagen-Schieben“, weiß Holger Meyer.


Hat sich das Park-Freeriden übe die Jahre verändert?

Das Fahrniveau ist heute viel höher. Das liegt auch daran, dass die Strecken besser geworden sind als zu den Anfangstagen. Jetzt besitzt jeder Sprung oder Drop eine Landung. Früher war das oft nicht so.


Deine drei Lieblingsparks in Reichweite?

(Zögert. Denkt nach.) 1. Serfaus-Fiss-Ladis. Denn da bin ich am schnellsten von Garmisch aus und mir gefällt die Mischung aus Park-Trails und Natur-Abfahrten wie den Frommes-Trail. 2. Livigno. 3. Portes du Soleil – ich war zwar schon länger nicht mehr da, doch dort gibt es so viele Trails mit unterschiedlichem Charakter. Oh – es ist mir fast schon peinlich, dass ich nicht wie aus der Pistole geschossen sagen kann: 1,2,3. Das kann ich aber nicht. Leogang hat sich gemausert, Saalbach gefällt mir nicht ganz so. Manche Strecken sind sehr gebrauchsanfällig. Erwischt du einen falschen Zeitpunkt, wird’s doof. Beispiel: die Jumpstrecke Strada del Sole in Serfaus. Oft ist sie so mit Bremsrillen verseucht, dass die Strecke kaum Spaß macht und es dich nur durchschüttelt.


Wirst du selbst auch noch besser?

Sicherer. Wenn ich mich wieder an Sprünge und Drops rantaste, merke ich die Kontrolle und Sicherheit, die sich einstellt. Dazu muss ich sagen, dass ich vielleicht nur 5 bis 10 Prozent Park fahre.

Christian Waldegger,Die Rasenmäher Mit einem Stoke-Gefühl nach Hause fahren! Schneller lernen durch Expertenhilfe und Gruppendynamik: das FREERIDE-Camp in Serfaus.


Welcher Trail in Serfaus hat deinen Teilnehmern am besten gefallen?

Meiner Gruppe hat der Trail Morning Glory gefallen mit seinen Table-Jumps. Ein blauer Trail. Und Supernatural mit seinen vielen Kurven.


Findet das FREERIDE-Camp 2020 wieder in Serfaus statt?

Ja, zum gleichen Termin. Da kann man sich jetzt schon anmelden.


Und du gibst eine Garantie für den Drop von der Hütte?

Ich gebe eine Drop-Garantie. Ob es am Ende die Hütte wird, weiß man nicht (lacht).

Mehr Infos unter:  http://www.dierasenmaeher.de

Themen: BikeparkCampFahrtechnikFREERIDE-CampHolger MayerHolger MEyerHow-To-Camp-FREERIDE-CampNL_3_19Serfaus-Fiss-Ladis


Lesen Sie das FRERIDE Magazin. Einfach digital in der BIKE-App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag
Anzeige
  • Bikepark Saalfelden Leogang
    Biketember Festival 2016

    21.09.2016Hochspannung beim Biketember Festival vom 17./18.09.2016: Drei spannende Rennen zum Saisonende mit vielen HIghlights konnten gefahren werden.

  • Fat Biken in Livigno
    Bike-Spaß auf schneebedeckten Trails

    19.12.2017Für Mountainbiker bedeutet der Winter meist „Off-Season“. In Livigno beginnt mit dem Winter dank maßgeschneiderter Trails, einem speziellen Shuttle Service und sogar Zugang zu ...

  • Bikepark Leogang
    Bike Season Opening 2014

    24.04.2014Lang dauert es nicht mehr, bis es im Bikepark Leogang wieder heißt: „Rider dropping in!“ Ab 15. Mai 2014 können Bike-Fans dort wieder die Pisten rocken.

  • Bikepark Saalfelden Leogang: Highlight Clip 2016
    Out of Bounds Festival 2017 - Vorschau

    20.03.2017Bald ist es so weit: Das Out of Bounds Festival in Saalfelden Leogang findet vom 08. bis 11. Juni statt und lockt Slopestyle-Größen, die weltbesten Downhiller und Fans ins ...

  • Bikepark Winterberg: Gravity Event 2019
    iXS Dirt Masters Festival 2019

    12.04.2019Der größte Gravity Event Europas kehrt zum 13. Mal nach Winterberg zurück. Vom 31. Mai bis 02. Juni findet hier ein Festival mit viel Action, Spannung und hervorragendem Line-up ...

  • Fahrtechnik-Spezial: Einsteiger
    Steil: Holzanlieger mit Angie Hohenwarter

    03.03.2014Mit Speed durch Holzanlieger oder gar Wallrides (fast senkrechte Steilkurven) zu flitzen, ist ein irres Erlebnis. Ist der Holzanlieger gut gebaut, gelingt die Steilfahrt ...

  • Oldschool MTB-Fahrtechnik mit Erik Fedko
    #3 Der Heel-Clicker: Mottocross-Style

    05.08.2020Der Heel-Clicker kommt aus dem Freestyle-Motocross. Auf dem Bike polarisiert das Manöver. Viele finden ihn unstylisch und oldschool, andere dagegen sehen darin einen echten ...

  • Bikepark Test 2016: 6 Bikeparks mit Spaßfaktor
    Diese 6 Bikeparks sollte man besucht haben

    06.02.2017Die FREERIDE-Kontrolleure rückten abermals aus – zum Bikepark-Test Teil 5. Wo lohnt der Ticketkauf? Wo lauern Stolperfallen und Frust? Wir haben sechs Parks geprüft und sagen ...

  • Schweiz: Trail-Zuwachs im Bike Kingdom Lenzerheide
    Schwierigkeitsstufe Schwarz: THE GREAT WHITE ist eröffnet

    22.07.2021Ende 2020 wurde das 2.2 Kilometer lange Stück um das Parpaner Weisshorn fertiggestellt. Der Trail wird in der Schwierigkeitsskala als «schwarz» eingestuft.