Eins auf die Nuss Eins auf die Nuss Eins auf die Nuss

18 Helme im Tüv-Test

Eins auf die Nuss

  • Dimitri Lehner
 • Publiziert vor 5 Jahren

Die Enduro-Welle beschert uns spezielle Halbschalen- und Fullface-Helme für den härteren Einsatz. Wir ließen beim TÜV testen, wie sicher diese Helme wirklich sind. Hier ein Einblick ins Testprozedere.

Ungespitzt in den Boden: Der flache Aufprall mit 19,5 km/h stellt für einen Fahrradhelm die größte Herausforderung da. 250 g Restbeschleunigung sind der Grenzwert, den kein Bike-Helm in Deutschland überschreiten darf.

Was sind Enduro-Helme überhaupt? "Sie unterscheiden sich vom Stoß-Dämpfungsverhalten nicht von herkömmlichen Bike-Helmen", sagt Tüv-Prüfingenieurin Christiane Reckter, "doch sie decken durch ihren heruntergezogenen Helmrand im Nacken den Kopf besser ab und können so gegebenenfalls mehr Schutz bieten."

Diese Helm-Kategorie ringt allerdings häufig auch mit zwei Nachteilen. 1. Das zusätzliche Material drückt ordentlich auf die Waage. 2. Endurohelme sind oft spürbar schlechter belüftet. Bergauf staut sich die Hitze unangenehm unterm Helm.

Neben den Halbschalen-Helmen für Enduristen gibt es neuerdings auch Fullface-Helme, also leichte Integralhelme, die mit ihrem Kinnbügel das Gesicht noch besser schützen sollen. Oftmals lässt sich der Kinnbügel sogar abnehmen. Da die Europanorm (EN 1078) für Fahrradhelme keine Prüfung der Kinnbügel vorsieht, haben wir den Kinnbügel extra testen lassen. In Anlehnung an die Norm für Motorradhelme (ECE 22) bekam der Kinnbügel einen Schlag, allerdings mit reduzierter Geschwindigkeit (16,5 km/h). Bei den getesteten Helmen mit Kinnbügel sind nur drei Helme wirklich empfehlenswert. Fazit: Oft gaukelt die Integralhelm-Optik die Sicherheit nur vor.

Die Tüv-Ingenieure checken die Helme auf Schwachstellen. Im Gegensatz zur Motorrad-Norm (hier sind die Prüfpunkte festgelegt), platzieren die Ingenieure bei der Norm für Fahrradhelme EN 1078 die Prüfpunkte selbst. Sehr sinnvoll wie wir finden!

Wie haben wir getestet? Die Prüfingenieure des Tüv-Rheinland schnallten jeden Helm auf einen speziellen Prüfkopf. Dieser Metallkopf ist mit Beschleunigungssensoren ausgestattet. Der behelmte Prüfkopf fällt beim flachen Aufprall auf eine Stahlplatte – als würde sich der Biker im Seemannsköpfer senkrecht in den Boden bohren. "Das wirkt auf den ersten Blick nicht sehr realitätsnah, doch es ist die härteste Herausforderung an einen Helm", sagt Tüv-Ingenieurin Christiane Reckter. Die Aufprallgeschwindigkeit liegt bei 19,5 km/h. Beim zweiten Schlag fällt der Prüfkopf seitlich auf einen Keilamboss mit reduzierter Geschwindigkeit (16,5 km/h). Dieser Schlag kommt der Realität am nächsten und soll den Sturz auf einen Felsen oder eine Bordsteinkante widerspiegeln.

Gib ihm die Kante: Hier wird der Prüfkopf (noch ohne Helm) mit 16,5 km/h auf die Stahlkante sausen. Das simuliert den seitlichen Sturz auf einen Felsen. In unseren Augen der Aufprall, der der Wirklichkeit am nächsten kommt.

Die Belüftung testeten wir mit einer Wärmebild-Kamera.

Die getesteten Helbschalen-Helme erzielen durchweg gute Ergebnisse, nur ein Helm überschritt die Normgrenzen. Laut Hersteller handelte es sich hierbei um Helme, die nur für den amerikanischen Markt vorgesehen sind – dort liegen die Normgrenzen bei 300 g, statt der geforderten 250 g Restbeschleunigung wie in Europa. (1 g = 9,81 Meter pro Sekunde im Quadrat). 661 lässt beim Tüv nachtesten, um die Sicherheit ihrer Helme zu demonstrieren – wir werden berichten.


Alle Testergebnisse gibt's hier -> (FREERIDE, Heft 2/2016).

Themen: Crash-TestEnduroHelmKinnbügelLaborTestTüv


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