Fitness-Journal: Was hilft bei Pollen?

Heuschnupfen: Pollen-Alarm beim Mountainbiken

  • Björn Kafka
 • Publiziert vor 5 Jahren

Das Immunsystem dreht durch: Heuschnupfen kann einem das Bike-Frühjahr so richtig vermiesen. Mit diesen Tipps rüsten Sie sich gegen den Pollenangriff und die Überreaktion Ihres Körpers.

Kaum klettern die Temperaturen in die Höhe, fliegen sie wieder: Pollen. Bikern, die unter Heuschnupfen leiden, kann der Pollenflug die Freiluftsaison kräftig vermiesen. Mindestens zwölf Prozent der Bevölkerung leiden unter einer Pollenallergie, andere Quellen sprechen gar von 20 Prozent – Tendenz steigend. Bedeutet das für betroffene Biker nun, dass sie im Frühling die Füße stillhalten müssen? Nein, denn oftmals haben Allergiker beim Sport sogar weniger Beschwerden. Der Grund: Während der Belastung ist das Immunsystem heruntergefahren und so auch dessen unnötige Abwehr von Pollen. Leider trifft es diese Sportler nach der Belastung doppelt hart: Starke Niesanfälle schütteln einen, wenn das Immunsystem wieder anläuft. Was passiert: Sportler atmen aufgrund der körperlichen Belastung tiefer und häufiger ein, also atmen sie mehr Pollen ein. Da die Pollen nur ein bis sechs hundertstel Millimeter groß sind, gelangen sie beim Einatmen tief in die Lunge hinein. Schon 20 Pollen pro Kubikmeter Luft können bei Pollenallergikern Beschwerden verursachen. Zum Vergleich: Blütenstände weit verbreiteter Gräser setzen zwei bis fünf Millionen Pollen frei.
Damit Sie den Frühling und den Pollenflug gut überstehen und selbst bei starkem Flug noch Leistung abrufen können, haben wir Ihnen einen Sechs-Punkte-Plan zusammengestellt. Dieser hilft Ihnen dabei, beschwerdefreier durch die Heuschnupfensaison zu biken.

Interview mit Sportwissenschaftler Clemens Hesse


BIKE: Wie leistungslimitierend kann sich Heuschnupfen auswirken?

Clemens Hesse: Sehr erheblich – ich betreue Sportler, die bis zu 20 Prozent ihrer Leistung einbüßen. Das heißt im Klartext: Rennen fahren oder härtere Trainingseinheiten sind kaum noch möglich. Zudem verlängert sich die Regeneration, da der Körper doppelten Stress hat.


Kann die Allergie auch langfristig Schäden anrichten?

Ja, denn es kann zu einer Etagenverschiebung kommen. Anstatt nur juckende Augen oder Fließschnupfen zu haben, kann es zu Asthma führen. Sportler sollten deshalb intensiv mit ihrem Arzt reden und sich richtig behandeln lassen. Allergien sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden, da es sich nicht nur um eine kurzfristige Einschränkung handelt, sondern langfristig Schäden verursachen kann.


Spielt die Ernährung eine Rolle?

Unter Umständen schon, denn Lebensmittel können einen permanenten Entzündungszustand auslösen. Bei manchen hilft eine glutenfreie Ernährung, bei anderen das Weglassen von Milchprodukten. Einfach mal ausprobieren.

Heuschnupfen: So überstehen sie den Pollenangriff


Regen wäscht die Luft rein
Allergiker profitieren massiv von Regenfällen, da sie die Pollen aus der Luft waschen. Scheuen Sie deshalb kein mieses Wetter. Wichtig: Spritzwassernasse Kleidung sofort waschen, da sich dort viele Pollen einnisten und Beschwerden verursachen können.

Ein starker Regenguss wäscht die Luft rein.


Pillen
Nehmen Sie Antihystaminika, dann achten Sie auf deren Wirkzeiten. Die Wirkung der Pillen sollte so getaktet sein, dass Sie noch gut in den Trainingszeiten wirken. Aber Vorsicht: Antihystaminika können die Koordination beeinträchtigen. Eine Studie in den USA hat zudem herausgefunden, dass sich viele Menschen selbst behandeln und dabei Medikamente falsch einnehmen. Schlafstörungen und Beeinträchtigungen der geistigen Fähigkeiten können eine Folge sein. Fragen Sie immer vorher Ihren Arzt, experimentieren Sie nicht selbst!


Spritzen und Sprays
Wenn nix mehr hilft werden bei schweren Allergiebeschwerden Spritzen und Sprays injiziert und inhaliert. Bei Allergien, die Asthmaanfälle auslösen können, kommen Kortisonspritzen oder Sprays zum Einsatz. Das Kortisondepot, welches dem Patienten gespritzt wird, sorgt für eine Beschwerdefreiheit, die schnell wirkt und lange anhält. Sprays helfen kurzfristig, wenn es zu asthmatischen Anfällen kommen sollte. Diese Mittel sollten aber der letzte Schritt sein und erfordern eine ärztliche Beratung.

Spezielle Spritzen sind nur der letzte Ausweg bei Heuschnupfen.


Öle
Um die entzündeten Schleimhäute zu regulieren, sollte bei Heuschnupfen auf eine entzündungssenkende Ernährung
geachtet werden. Eine wichtige Rolle spielen dabei Omega-3-Fettsäuren sowie Gamma-Linolensäure. Deshalb viel Fisch verzehren und Schwarzkümmelöl benutzen.

Omega-3-Fettsäuren finden sich vor allem in Fisch und Speiseölen.


Das richtige Timing
In größeren Städten sollten Sie zwischen sechs und acht Uhr morgens aufs Bike. Zu dieser Zeit herrscht die geringste Pollenkonzentration in der Luft. Auf dem Land sieht es anders aus: Zwischen 20 und 24 Uhr fliegt am wenigsten.


Duschen und Klamottenwechsel
Damit es einen nach der Trainingseinheit nicht von den Socken haut, sollte man schnellst möglich die Kleidung nach dem Sport wechseln. Dazu am besten die Radklamotten schon vor dem Betreten der Wohnräume ausziehen, damit sich die Pollen dort nicht weiter verteilen. Danach gut abduschen und Haare waschen.

Themen: FitnessHeuschnupfenPollen


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