Training

Ergonomie: Hintern

BIKE Magazin am 04.09.2007

Wenn der Sattel nicht optimal passt, ist Ärger programmiert. Wir sagen, worauf es ankommt.

Wenn der Sattel nicht optimal passt, ist Ärger programmiert. Wir sagen, worauf es ankommt.

Die Hauptlast des Körpers ruht auf einer besonders kleinen Fläche, dem Sattel. Kein Wunder also, dass 60 Prozent der Radfahrer über Sitzprobleme klagen. Aber Vorsicht: Nur weil die Sitzknochen schmerzen, ist der Sattel nicht unbedingt der falsche. SQ-Lab-Gründer Tobi Hild erklärt: „Die Lösung ist nicht der weiche Sattel, denn hier drückt das weiche Material häufig gegen eben die Gefäße und Sehnen, die weder Druck noch Reibung vertragen.“ Denn im Dammbereich ist sehr viel los: Nervenbahnen, Blutgefäße und Sehnen. Sie alle sind zwar schmerzempfindlich, aber das ist nicht das Problem. Gefährlich wird es, wenn sich langfristig Taubheitsgefühle einstellen. Wichtig ist, dass der Sattel an den Sitzknochenabstand angepasst wird. Der liegt in den meisten Fällen bei zehn bis zwölf Zentimetern. Hild erläutert: „Wenn man beim Probesitzen die Sitzknochen spürt, passt der Sattel, ist der Dammbereich dann noch durch eine abgesenkte Sattelnase oder eine Aussparung entlastet, ist der Rest nur noch Gewöhnungssache.“ Bei einem harten Sattel kommt es auf eine dauerhafte Gewöhnung an. So sollte man mindestens einmal pro Woche eine längere Strecke fahren, damit die Sitzknochen nicht wieder empfindlich werden.


 

Bei Frauen ist der Genitalbereich und das tief sitzende Schambein das Problem. Weiche Sättel, hohe Sattelnasen und eine gestreckte Sitzposition führen zu Druckstellen und Taubheitsgefühlen. Eine Entlastung wie im rechten Bild schafft Abhilfe. Männer haben ein ähnliches Problem. Bei ihnen drückt allerdings der vorstehende Genitalbereich gegen den Sattel. Hier hilft in den meisten Fällen eine Aussparung im Sattel vor Schmerzen und Taubheitsgefühlen.

PRODUKTE: Sattel mit Schlitz oder Mulde?

Fotostrecke: Ergonomie: Hintern

SATTEL

 

SQ-Lab bietet, wie hier mit dem “611”, verschiedene, anatomisch optimierte Sättel an. Zunächst wird der Sitzknochenabstand des Bikers gemessen und anschließend auf den Sattel übertragen. Drei Breiten von 13, 14 und 15 Zentimetern stehen zur Verfügung. www.dersattel.de

Auch Specialized bemüht sich mit seinem “Body-Geometry”-Konzept um den besten Sattel. Die Amerikaner vermessen zunächst die Sitzbreiten der Käufer und wählen anschließend die richtige Sattelbreite aus. Die Modelle “Alias” und “Rival” sind für Biker besonders geeignet. www.specialized.com

HOSE/SITZPOLSTER

Um Druckstellen und Reibungspunkte zu reduzieren, ist das passende Sitzpolster wichtig. Bewährt haben sich Sitzpolster ohne Nähte und mit unterschiedlich starken Polstereinlagen. Verwenden Sie außerdem Gesäßcreme.

BIKE Magazin am 04.09.2007