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Blog Mission Crocodile Trophy #6

#MissionCrocodile: Alpentour-Trophy, die Fortsetzung

Stefan Schmeckenbecher am 13.06.2018

Unser #MissionCrocodile-Kandidat Stefan schlug sich bei seinem ersten Etappen-Rennen beachtlich. Sein Trick: Statt über Fragen zu sinnieren einfach ein Mantra aus Treten, Atmen und Lenken anstimmen.

Alpentour-Trophy: I did it!

Es ist vollbracht! Ich bin den ersten MTB-Marathon meines Lebens gefahren (siehe letzter Blog). An Tag zwei dann meinen zweiten, an Tag drei meinen dritten und mein erstes Bergzeitfahren ever folgte als Schokostreusel auf der Kirsche auf dem Sahnehäubchen an Tag vier. Ich muss mir das selbst immer wieder vergegenwärtigen, zumal ich an jedem der ersten drei Renntage meine bisherige Bestmarke in Sachen Höhenmeter deutlich überschritten habe.

Dabei habe ich das erfolgreiche Ende der ersten Etappe - vielleicht war es meinem abendlichen Bericht zu entnehmen - als absolute Euphorie-Dusche erlebt. Ich hatte vor dem Start so ziemlich alles für wahrscheinlich gehalten: Ausscheiden durch Panne, (Heul-)Krampf oder Sturzverletzung, Disqualifikation wegen Nicht-Einhalten der Karenzzeit, oder dass ich mir gar die Frage nach dem Warum mit "stimmt, lass es lieber" beantworten würde.

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Mein Trikot am Ende der dritten Etappe - Löcher, Blut, Schweiß und ein cooles Rennmotto: Cycling for global peace.

Ich hatte schon auch in Erwägung gezogen, es zu schaffen...aber alles andere war genauso eine Option. Das Herausragende waren die Fragen, die nur durch eigenes Erleben annähernd befriedigend beantwortet werden konnten: Wie funktioniert ein Massenstart? Finde ich die richtige Strecke überhaupt? Was brauche ich an Energiezufuhr? Wie geht’s mir beim Überhol(t werd)en, wo doch Zeit und Platzierung eigentlich egal sind? Wird bei Pannen oder Stürzen geholfen? Kann ich wirklich pausenlos fahren? Bin ich den fahrtechnischen Anforderungen gewachsen? Fragen über Fragen ...

Am Morgen der zweiten Etappe hatte ich bereits viele Antworten gesammelt, gar erfahren, und war um ein Vielfaches entspannter. Die entscheidende Erkenntnis war: Wow, es klappt – ich kann tatsächlich 3000 Höhenmeter in einer Tour erklimmen, ohne dass ich nach längerer Ohnmacht erst im Krankenhaus wieder zu mir komme.

Die Sicherheit, dass ich bis ins Ziel der vierten Etappe kommen würde, hatte ich hingegen bis wenige hundert Meter vor deren Ziel ebenfalls noch nicht. Ich befürchtete jederzeit, irgendetwas könnte schief gehen. Und das, obwohl ich mit außergewöhnlichem Urvertrauen und Optimismus ausgestattet bin: Ich weiß, dass eben auch Niederlagen Fortschritt und Entwicklung bedeuten, daher habe ich das potentielle Scheitern nicht als finsteren Schatten über mir wahrgenommen sondern vielmehr als freundlichen Begleiter.

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Treten, atmen, lenken: Geduldig nahm ich Höhenmeter für Höhenmeter, ohne mich dabei wirklich zu quälen.

Ich habe es geschafft, Henris Rat zu befolgen, nämlich geduldig, gemächlich und weitgehend entspannt zu treten, zu atmen und zu lenken. Ich bin sehr froh, dass ich meinen sportlichen Ehrgeiz, meinen Wunsch nach Mich-Messen und Bessersein jahrzehntelang auf den (Beach)Volleyballfeldern dieser Welt ausgelebt habe und mir gönnen konnte, das Rennen vollumfänglich zu genießen. So kam ich keine Sekunde in Verlegenheit, den Sinn der ganzen Sache in Frage zu stellen und bin dem viel zitierten Satz "warum tu‘ ich mir das an?" gar nicht erst begegnet.

Ich habe auch entdeckt, wie schnell so ein Rennen doch auch vorzeitig beendet sein könnte. Nur kurz nach dem Start der dritten Etappe - ich hatte gerade über das Wunder sinniert, dass die Beine sich im Laufe des Rennens eher besser als schlechter anfühlen - sah ich den seitlich versehentlich offenen Rucksack eines Mitstreiters und bot an, den Reißverschluss während der Fahrt fix zu schließen. Unsere Lenkerenden gerieten aneinander und wir lagen beide schneller auf dem Boden als ich Anfängerfehler sagen konnte.

Als wären der satte Pferdekuss im Oberschenkel sowie eine blutige Schramme am linken Ellbogen zu einseitig, folgte gerade ‘mal vier Stunden später ein weiterer Sturz auf der Zielabfahrt am Schladminger Hausberg Planai. Eine Fahrerin ließ mich freundlicherweise in einer Kehre der Downhill-Strecke überholen. Neben der Idealspur stolperte ich förmlich über einen losen Stein und lag schon wieder unter meinem Fahrrad. So kam auch mein rechter Ellbogen zu seiner Schürfwunde.

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Lehrgeld wird bisweilen auch mit Blut bezahlt.

Wie berichtet, hatte ich ja das Glück, mein erstes MTB-Rennerlebnis mit tollen Menschen teilen zu dürfen. Im hinteren Drittel des Fahrerfeldes schienen viele Beteiligte ohnehin deutlich entspannter unterwegs zu sein, so lockerte das ein oder andere Schwätzchen die bisweilen spannende Rennatmosphäre auf.

Dann war da mein Freund und Trainingspartner Frank, der mich schon in Kindertagen zu ertragen wusste. Trotz größerer Kraftreserven in den Beinen wich er auch dann nicht von meiner Seite, als ich mir leichtsinnigerweise und anfangs noch breit grinsend auf dem teils scharfkantigem Trail nach dem laaaangen Anstieg der zweiten Etappe einen Platten in der erstbesten Flachpassage einfuhr.

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Lehrgeld, die Zweite: Intensiver Trailgenuss kann entweder mit Geschwindigkeit oder Innehalten belohnt werden.

Er hätte mich gut links liegen lassen oder verspotten können. Stattdessen machte er Fotos und unterstützte mich beim letztlich erfolglosen Versuch, Schlauchlos-Flickwürste in den zu großen Riss meines Reifens zu stopfen.

Dann gab es noch die jahrzehntelang erfahrenen und hundertfach rennerprobten Unterstützer Andi Seewald (Material, Tipps und Pasta-Abend-Analyse), BIKE-Chefreporter Henri Lesewitz (allmorgendliche Taktikbesprechung beim Frühstück, Anekdoten-Lexikon und Seelenverwandter in Sachen Rad-Leidenschaft) sowie Björn Kafka, der die letzten beiden Etappen mitfuhr und keine Kurbelumdrehung der Willkür überlässt. Der BIKE-Autor ist sportlicher und organisatorischer Begleiter der #MissionCrocodile.

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Teambesprechung am Morgen (v. l. n. r.): Henri, ich (Stefan), Frank.

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Teamsitzung am Abend (v. l. n. r.): Dominik Schwaiger, Andreas Seewald, Frank Fischer.

Ein bemerkenswertes Detail zum beteiligten Team war übrigens, dass Frank und ich bei der einzigen Etappe, die wir nicht zusammen gefahren sind - beim Bergzeitfahren gab es um 20 Sekunden versetzte Einzelstarts - nach jeweils anderthalb Stunden den Gipfel der Planai mit genau 20 Sekunden Unterschied erreichten...siamesische Biker sozusagen.

Zu guter Letzt muss ich noch ein Lob an die Veranstalter aussprechen! Auch aus sandiger Vergangenheit weiß ich, dass in Österreich außerordentlich gute Events veranstaltet werden. Gerhard Schönbacher und sein Team haben dieses Vorurteil mal wieder bestätigt! Mein herzliches Dankeschön gilt den vielen unermüdlichen Helferinnen und Helfern, die diese großartige Alpentour-Trophy und mir damit ein absolut unvergessliches Erlebnis möglich gemacht haben!

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Die Minute nach der finalen Zieleinfahrt: so fertig und so glücklich!

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Mit mir (ganz links) erleichtert über ein erfolgreiches Rennen (daneben v. l. n. r.): Andi, Björn und Frank.

Ich mache jetzt mal drei Tage E-Bike und freue mich tatsächlich auf die folgenden vier Monate Crocodile-Trophy-Vorbereitung! Björn hat schon angekündigt, dass nach lockerem Wiedereinstieg ins Training die Verbesserung meiner Sauerstoffaufnahme und damit fiese Intervall-Fahrten anstehen...bin gespannt!

Auf bald, gut Rad! Oder nach Henri: Entspannt Vollgas!

Weitere Infos und Bilder zum Event auch unter www.alpen-tour.at

Stefan Schmeckenbecher Crocodile Trophy Kandidat

Stefan Schmeckenbecher (37) ist ehemaliger Beachvolleyballer, stand noch nie an einer Marathon-Startlinie und hat sich bei unserer BIKE Mission Crocodile Trophy gegen 150 Kandidaten durchgesetzt. Sein Ziel: die Crocodile Trophy in Australien im Oktober 2018.

Stefan Schmeckenbecher am 13.06.2018