Blog Mission Crocodile Trophy #16

#MissionCrocodile: das große Finale

  • Stefan Schmeckenbecher
 • Publiziert vor 2 Jahren

#MissionCrocodile-Kandidat Stefan hat's geschafft! In den beiden letzten Etappen blieb er von Pannen und Stürzen verschont. Die Zieleinfahrt am 4-Miles-Beach markierte den Höhepunkt seines Projekts.

Knapp am Bumerang vorbei – die siebte Etappe

Ha, der Plan des Tages ist aufgegangen! Ich habe mir ganz fest vorgenommen, dass ich heute nicht an ein Rennen denke, sondern an eine Sonntagnachmittag-Fahrradtour. Ich war tatsächlich recht entspannt dadurch. Und schon lief’s wieder bei meiner #MissionCrocodile. Ich kam pannenfrei durch den Tag und hab die 100 Kilometer und 1400 Höhenmeter deutlich unter fünf Stunden gepackt (immer noch über eine Stunde mehr als die Profis!). Für mich war es dennoch der härteste Tag bisher. Wir hatten zwischen den ersten beiden Verpflegungsstationen einen 15 Kilometer langen, technisch extrem herausfordernden Singletrail. Permanentes Hoch und Runter, steil und steinig, an die 35 Grad Celcius. An der direkt darauffolgenden Verpflegungsstation hatte ich keinen Tropfen mehr übrig, beide Flaschen und der Trinkrucksack waren leergesaugt.

Als ich aufgetankt hatte, kam plötzlich Luke Zweers angefahren. Luke ist der Streber in unserer Altersgruppe. Er fuhr das letzte Drittel der 5. Etappe nach einem Defekt am Umwerfer mit nur einem Gang. Gestern bei der 6. Etappe musste er aufgeben und kassierte eine Zeitstrafe, nachdem die Schaltung erneut hin war. Und dennoch ist er aufgrund seiner bärenstarken ersten Tage Führender in unserer Altersgruppe. Und jetzt kommt er nach mir aus diesem Moloch von Trails, wo ich dachte, er sei bereits vor mir auf der Strecke. Auf einmal fand ich extra großen Gefallen an meiner Sonntagnachmittagstaktik und wusste jetzt, dass ich knappe zwei Minuten Vorsprung auf ihn hatte, als ich die Feedzone verließ.

Fotograf Igor Schifris lauert gerne auch mal in der Papayaplantage.

Die Klasse „Amateur Men 2“ besteht aus uns vier (v.l.n.r.): Rob Wieser (AUS), Luke Zweers (AUS), myself (GER) und Dominic Kleijnen (BEL).

Nachdem ich gestern ja die Lektion „lass dich nicht von Verfolgern verrückt machen, sonst kassierst du Sturz oder Panne“ absolviert hatte, hab ich meine Radtour mit dem Gedanken fortgesetzt, dass ich und mein Bike ums Verrecken heil bleiben sollten. Immerhin habe ich mental auf Sonntags-Trainingseinheit umgeschwenkt. Ich hatte Blut geleckt, wusste, dass meine drei Konkurrenten nach zwei Dritteln der Etappe hinter mir waren und der Etappensieg, der obligatorisch mit einem großen Holz-Bumerang belohnt wird, erneut in greifbare Nähe rückte. Die Strecke wurde deutlich einfacher, ich habe nur ein, zwei Mal zurückgeschaut und niemand war zu sehen.

Dann, letzte Verpflegung, ich halte an, Banane und Müsliriegel auf ex, Red Bull-Schorle in die Flasche, Trinkrucksack gefüllt. In dem Moment saust Luke vorbei, verzichtet auf den letzten Stopp und macht sich unaufhaltbar auf den Weg zu seinem nächsten Bumerang. Hach, schade eigentlich. Obwohl das Ergebnis dasselbe war wie gestern, fühlt es sich deutlich besser an als eine leichtsinnige Panne. Jetzt bin ich gespannt, wie entspannt ich morgen beim großen Finale sein werde.

Unser letztes Nachtlager. Morgen geht’s zum finalen Ziel an den Strand nach Port Douglas.

Unser Croc-Fotograf Igor Schifris (rechts) sitzt meist bis in die Nacht, um seine Beute auszuwerten und aktuelle Bilder zu versenden. Markus Neubauer (GER) begutachtet die Kunstwerke.

Wow, I did it! – die letzte Etappe

Die letzte Etappe heute las sich im Vergleich zu den bisherigen fast gemütlich: 51 Kilometer, weniger als 1000 Höhenmeter und ein Traumfinale durch den Port Douglas Pumptrack zum 4-Miles-Beach.

Vom Rad aus betrachtet hatte dieses Teilstück jedoch so manches in sich. Der größte Teil der Strecke bestand aus Singletrails mit vielen umgekippten Bäumen, einigen Flussdurchquerungen mit bis zu einem Meter Wassertiefe und natürlich einigen ehrgeizigen Zielen für den ein oder anderen Fahrer.

An der Stelle gilt mein herzlicher Glückwunsch dem Gesamtsieger Urs Huber, dessen Leistung auf dem Bike nicht von diesem Stern ist, auf dem ich so unterwegs bin. Er hat sich damit seinen 5. Gesamtsieg auf der Crocodile Trophy gesichert und ist nun alleiniger Rekordhalter. Auch Martin Wisata, der 9-fache Rekordteilnehmer hat mit dem 3. Rang seiner Altersklasse und seiner Top-10-Platzierung insgesamt sein bislang bestes Ergebnis abgeliefert. Herzlichen Glückwunsch!

Urs Huber bei der Taktikbesprechung am Vorabend der letzten Etappe. Er hat alle meine Vorgaben korrekt umgesetzt ;-)

Die gemeinsame Einfahrt aller noch intakter Fahrerinnen und Fahrer auf den Four Mile Beach.

Auch den zahlreichen Verletzten gilt meine Anteilnahme. Heute kam es im finalen Downhill, 400 Meter vor dem Ziel zu einem Sturz, der nach gebrochener Schulter riecht und auch einen kapitalen Rahmenbruch hatten wir zu verzeichnen. Kein schönes Ende für eine so intensive Rennwoche!

Andrew Radcliffe (AUS) kam zum Glück mit dem Schrecken davon, als sein Bike den Ritt durch den Pumptrack verweigerte.

Ich bin dankbar und glücklich, dass ich heil und weitgehend schadlos durch den härtesten Wettkampf gekommen bin, den ich je erlebt habe. Und dass ich echte Rennluft schnuppern durfte, die für mich mit einem Wahnsinns-Erfolg endete: Mit insgesamt 40 Stunden Fahrzeit landete ich im Gesamtklassement (inklusive Profis!) auf Rang 23 und in meiner Altersklasse sogar auf dem Podium (Rang 3)!

Nach 40 Stunden im Sattel auf Platz 3.

Morgen will ich nur schlafen und essen. Dann geht’s am Montag endlich wieder in Richtung Heimat.

Stefan Schmeckenbecher (37) ist ehemaliger Beachvolleyballer, stand noch nie an einer Marathon-Startlinie und hat sich bei unserer  BIKE Mission Crocodile Trophy  gegen 150 Kandidaten durchgesetzt. Sein Ziel: die Crocodile Trophy in Australien im Oktober 2018.

Gehört zur Artikelstrecke:

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