#MissionCrocodile: Plattenpech und Blasen-Aufrubbeln #MissionCrocodile: Plattenpech und Blasen-Aufrubbeln #MissionCrocodile: Plattenpech und Blasen-Aufrubbeln

Blog Mission Crocodile Trophy #15

#MissionCrocodile: Plattenpech und Blasen-Aufrubbeln

  • Stefan Schmeckenbecher
 • Publiziert vor 3 Jahren

Ein Platten, dann versagen Minipumpe und Ersatzschlauch. #MissionCrocodile-Kandidat Stefan war auf der 5. Crocodile-Trophy-Etappe vom Pech verfolgt. Sein Blog von Ohrwürmern und Windschattenfahren.

Vom Rennfieber gepackt – die vierte Etappe

Tja, irgendwie hat’s mich gepackt, das Rennfieber. Bei allem Entspanntsein und dem nach wie vor gültigen Ziel „Durchkommen“, find ich's doch ziemlich verlockend, auf dem Podium meiner Altersgruppe zu stehen, was bis jetzt bei allen vier Etappen der Fall war. Wir sind zu viert und ich war immer Zweiter.

Igor Schifris

Dass das bis zum Ende so bleibt, ist jedoch alles andere als safe. Heute hatte mein direkter Verfolger eine Reifenpanne und ist kurz danach an einen Unfallort geraten, an dem Helfen angesagt war. Die gestürzte Fahrerin liegt jetzt mit gebrochener Hüfte im Krankenhaus und hat für die kommenden Monate andere Sorgen, als das Abschneiden bei einem Radevent. Das Risiko einer Panne oder eines Sturzes fährt also mit und da ich leidenschaftlich gerne Partner und Papa bin, werde ich alles daran setzen, meinen Liebsten am 24. Oktober so gesund wie nur möglich und in einem Stück zu begegnen.

Und: Ich war heute exakt zwei Stunden auf der Strecke und bin damit insgesamt die 22. Zeit gefahren, was mich deutlich mehr freut, als dass es mir egal wäre. Klar, ich würde sagen, mein Risiko war korrekt gewählt, es gibt allerdings endlos viele Unwegbarkeiten, die man nicht immer selbst in der Hand hat.

Privatfoto Ein großes Team aus Orga-Leuten, Koch, Mechaniker, Ärztin, Physiotherapeut, Fotograf sowie einer Menge Work-and-Travel-Freiwilliger sorgt dafür, dass alles rund um uns Radler organisiert wird. Hier wird fast rund um die Uhr hervorragende Arbeit geleistet, wobei mich der Koch bislang am allermeisten beglückt.

Nach einem so kurzen Renntag haben wir die Crew, die das Camp aufbaut, eingeholt. Gegenüber gibt es ein(e), wie soll ich das nennen, Bar, Kneipe, Restaurant, Saloon. Der Wirt meinte, es habe hier seit Monaten nicht mehr geregnet und alle warten sehnsüchtig auf ein paar Regentropfen. Well, eine Stunde nach der Ankunft des letzten Fahrers ging sein Wunsch dermaßen in Erfüllung, dass wir ständig damit beschäftigt sind, die Plane über unserem Essbereich von den sich sammelnden Wassermassen zu befreien. Ich hoffe, die Zelte halten dicht. Ich habe mir erzählen lassen, dass sie in den seltensten Fällen gegen Wasser schützen mussten – eher gegen Sonne oder fieses Krabbelgetier.

Fazit zur Etappenhalbzeit: Ich bin sehr begeistert von diesem Fleckchen Erde, dem Rennerlebnis, den schönsten Trails, die mir je unter die Stollen kamen und stolz darauf, was mir bislang gelungen ist. Es ist immer noch (fast) alles möglich und die Spannung über das, was noch so ansteht, bleibt groß.

Bike-Schuhe sind keine Wanderschuhe – die fünfte Etappe

Nachdem an den ersten vier Tagen alles so prima flutschte, hat sich alles Abenteuer in diese heutige Etappe geworfen. Zunächst ging meine Renntaktik einmal mehr voll auf: Losfahren und schauen, was passiert. Sage und schreibe 26 Minuten und zwölf Kilometer lang gab es eine große, ca. 20 Fahrerinnen und Fahrer umfassende Spitzengruppe – inklusive der Elite-Fahrer und mir! Dabei erinnerte ich mich an eine der letzten Ausgaben des TOUR-Magazins , in der beschrieben wurde, dass am Ende und in der Mitte eines Pelotons der beste Ort für effizientes Windschattenfahren ist. Es war dort tatsächlich easy, das Tempo zu halten. Als jedoch wieder ein leichter Anstieg kam, zeigte mein Puls 170 und ich ließ mich zurückfallen. Wahnsinn, wie schnell die Jungs am Horizont verschwanden!
In diesem ersten Teil der Strecke geschah bereits der erste Sturz. Zwei Fahrer waren im dichten Windschatten-Verkehr beim Umfahren einer großen Pfütze ineinander geraten.

Igor Schifris

Regina Stanger

Igor Schifris

Mit mir gaben einige weitere Fahrer den Anschluss an die Spitze auf und wir kamen schon bald an die angekündigte, sehr steile und steinige Abfahrt. Hier sollte es ein Novum unter meinen bislang gesammelten Reifenpannen-Errungenschaften geben: Ein "snake bite" im Tubeless-Reifen! Also einen Durchschlag zwischen Felge und Stein mit zwei Löchern im Mantel. Ich suchte mir ein Schattenplätzchen – die heute sehr rar waren – und flickte beide Löcher mit meinem Tubeless-Repair-Kit im Lenker.

Nach wenigen hundert Metern der Weiterfahrt merkte ich, dass meinem Vorderreifen bereits wieder die Luft ausging. Eins der Löcher war zu nah an der Felge und war daher nicht abzudichten. Also musste der Schlauch rein. Als ich selbigen aufzupumpen versuchte, hielt er nicht ein winziges bisschen Luft. Inzwischen war nahezu das komplette Fahrerfeld an mir vorbei gefahren. Der letzte, der vorbei kam, war der zuvor gestürzte Australier. Er fühlte sich nicht wohl und hatte beschlossen, bei der ersten Verpflegungsstation auszusteigen (wie sich später im Krankenhaus herausstellte: Gehirnerschütterung). Also bot er mir freundlicherweise seinen Ersatzschlauch an. Rad ausgebaut, Schlauch gewechselt, aufgepumpt: Keine Luft im Reifen! Es konnte also nur an der Pumpe liegen. Diese wertvolle Erkenntnis ließ mir keine Alternative dazu, meinen Krempel zusammen zu packen und los zu marschieren. Ich war nun offensichtlich der letzte Fahrer und hoffte, dass der Besenwagen, der zurückgebliebene Verpackungen, Schilder, Fahrer, Trinkflaschen etc. einsammelt, mir mit einer Pumpe weiterhelfen könnte. Nachdem ich eine Dreiviertel-Stunde gegangen war, meine Blasen ordentlich bluteten und ich die wildesten Flüche auf Henri in die Hitze schrie, der mir die super Pumpe empfohlen hatte, kam tatsächlich ein Fahrzeug. Es war das Quad mit unserer Rennärztin Silke auf der Suche nach einem verletzten Fahrer, der um Hilfe telefoniert hatte. Damit ich das nicht auch bald tun müsste, warf der Quadfahrer seinen Kompressor an – ich hatte sogar einen Adapter für den Autoventil-Schlauch! Leider kam aus letzterem keine Luft und auf der Ursachenforschung stieß mein Retter in der Not auf das andere Ende besagten Schlauchs – er war abgerissen. Silke ließ mir noch ein wenig Wasser zurück und mit einem „Sorry, buddy!“ holperten die beiden wieder davon.

Privatfoto Mitten in der Pampa und platt. Drei Mal!

Ich weiß nicht, was Mick Dundee jetzt gemacht hätte. Ich musste lachen. Irgendwann während der folgenden 45 Minuten Blasenaufrubbeln (Bikeschuh ≠ Wanderschuh) dachte ich mir „isn’t it ironic...?“ – der Ohrwurm hielt bis spät in die Nacht. Hört selbst:

Ok, nach zwei Stunden Schrauben, Schieben und Singen kam er endlich, der Besenwagen und ja, er hatte eine Pumpe dabei! Aber hallo: der Schlauch hielt abermals keine Luft. Tatsächlich waren beide neuen Schläuche kaputt!! Und ich hätte Flickzeug dabei gehabt. Also bekam ich von Besenwagenfahrer Pete auch noch einen Schlauch und weiter ging die Fahrt. Der Fluch war noch nicht ganz vorbei. Als ich Pete bei der ersten Verpflegungsstation wieder traf, hatte er einen Platten an seinem Geländewagen! Und von da an lief der Rest des Tages wie am Schnürchen. Ich hatte die komplette Strecke für mich allein und war nach sage und schreibe 6,5 Stunden im Ziel, wo ich dann auch gleich einen neuen schlauchlosen Vorderreifen montierte. Morgen wird angegriffen!

Igor Schifris Nach diesem Abenteuer war mal wieder Reparieren angesagt…

Igor Schifris … und ein Bierchen!

Die längste MTB-Tour meines Lebens – die sechste Etappe

Jep, ich habe angegriffen! Ich habe für die streckenlängste Tour meines Lebens (130 Kilometer) genau 5:18 Std. gebraucht. Hätte ich mir nicht anfängermäßig beim Durchqueren eines trockenen Flussbetts, zehn Kilometer vor dem Ziel und mit drei Minuten Vorsprung auf meinen direkten Konkurrenten in unserer Altersgruppe, Dominic Kleijnen, erneut einen platten Reifen – diesmal hinten – eingefahren, wäre ich Etappensieger geworden. Unser Spitzenmann in der Wertung fiel nämlich mit abgerissenem Umwerfer aus. Stattdessen wollte ich mit Dominic im Nacken einfach nicht bremsen und wurde für das Risiko direkt bestraft. Aber hey, was für ein genialer Tag! Richtig viel Windschatten-Staffeln, hohes Tempo, echtes Rennfieber. Ich darf noch viel lernen.

So sollte auch dieser Tag mit einem neuen Reifen enden – Seitenwand-verstärkt versteht sich. Die leichten Race-Pneus taugen weder für mich und meine Ü90-Klasse, noch für die teilweise sehr steinigen Strecken.

Privatfoto Micha und Vasja bekommen täglich mehrere Dutzend Reparaturaufträge und sorgen dafür, dass es für alle weiter rollt.

Privatfoto Da werden auch spät abends noch Reifen geflickt…

Privatfoto … bei Silke auch schon mal ein Knie.

Privatfoto Was haben Martin Wilk und Urs Huber gemeinsam? Beide wurden von einem Känguru vom Rad geholt!

Privatfoto Der Bericht zur sechsten Etappe entstand auf dem Balkon des Skybury Cafés.

Georg Grieshaber Stefan Schmeckenbecher (37) ist ehemaliger Beachvolleyballer, stand noch nie an einer Marathon-Startlinie und hat sich bei unserer  BIKE Mission Crocodile Trophy  gegen 150 Kandidaten durchgesetzt. Sein Ziel: die Crocodile Trophy in Australien im Oktober 2018.

Gehört zur Artikelstrecke:

BIKE #MissionCrocodile – Blog


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