#MissionCrocodile: What a fu… Qual #MissionCrocodile: What a fu… Qual #MissionCrocodile: What a fu… Qual

Blog Mission Crocodile Trophy #14

#MissionCrocodile: What a fu… Qual

  • Stefan Schmeckenbecher
 • Publiziert vor 2 Jahren

#MissionCrocodile-Kandidat Stefan hat nach drei Etappen ein Lebenszeichen aus Australien gesendet. Von Verdauungsproblemen, matschigen Beinen und Starkregen – ein Zwischenfazit aus dem Outback.

Endlich der Startschuss – die erste Etappe

Ich kam etwas verspätet zur Siegerehrung. Vom Klo. Hab nur mitbekommen, wie jemand erfolglos gesucht wurde, um den freien Treppchenplatz einzunehmen. Nach dem dritten Aufruf hab ich dann tatsächlich meinen Namen gehört. Zweiter Platz in der Amateur-Kategorie (30-40-Jährige) – unglaublich!!

Zieleinfahrt Nr. 1

Ich war so froh, als es am Samstagmorgen endlich losging. Der Start war die reinste Erlösung. Und das obwohl es erstmal stundenlang bergauf ging, erst auf Teer, später auf Schotterpisten. Dabei gab es etliche Schiebepassagen, ich habe Blasen an den Füßen vom Laufen bekommen. Die Strecke musste kurzfristig angepasst werden, da irgendein Fluss irgendein Stück Straße mitgenommen hatte. So kamen wir heute auf 100 Kilometer und 2900 Höhenmeter. Wobei rund 20 Fahrerinnen und Fahrer unterwegs gestoppt wurden – sie durften wegen eines Gewitters nach der zweiten Verpflegungsstation nicht weiterfahren und wurden nach zweistündiger Wartezeit mit Begleitfahrzeugen zum Etappenziel gebracht. Die Stelle hatte ich zu der Zeit gerade passiert und habe mich anfangs über die kleine Erfrischung gefreut. Wenige Augenblicke später allerdings war Weltuntergangsstimmung! Es hat dermaßen geschüttet, dass mir Bäche entgegen schossen und kein einziges kleines Teilchen an mir und in meinem Trinkrucksack trocken blieb. Nein, die Hitze war heute nicht mein Problem!

Unser erstes Lager am Lake Tinaroo

Nun sitze ich hier am wunderschönen Lake Tinaroo in unserer Zeltstadt und bin erschöpft und glücklich. Als ich auf das Podium stolperte, ist mir gerade noch rechtzeitig eingefallen, meine Stirnlampe abzunehmen. Mal schauen, wie lange das Grinsen noch im meinem Gesicht bleibt.

What a fu… Qual – zweite Etappe

Diesen Blog widme ich Henri Lesewitz. Henri (stellv. Chefredakteur der BIKE und aus meiner bescheidenen Sicht Extrembiker) mag's, wenn's weh tut. Ihm war ich im Laufe meiner #MissionCrocodile-Vorbereitung viel zu oft „happy“ und „smiling“. Heute hat mich das Radeln so richtig gequält! Etliche sausteile Tragepassagen – auch für die Profis unfahrbar – über 120 Kilometer, knapp 3000 Höhenmeter, scharfkantige Abfahrten, eine unplanmäßig frühe erste Verpflegungsstation kombiniert mit mehr als 40 Kilometern bis zur zweiten. Ich habe mächtig gelitten. Meine Armada an Schutzengeln hat immerhin dafür gesorgt, dass an der Stelle, an der wir aufgrund fehlerhafter Beschilderung falsch abgebogen sind, gerade ein waschechter Aussi sowie der Teilnahme-Rekordhalter der Crocodile Trophy, Martin Wisata, mit mir unterwegs waren und sich aufgrund ihrer Skepsis, Ortskenntnis und GPS-Daten unsere Extratour auf rund vier Kilometer beschränkte.

Wahnsinn! Geschafft!

Meine körperliche Beschaffenheit ist bekanntlich darauf angelegt, dass ich unheimlich viel Wasser und Nahrung zu mir nehmen muss, um einigermaßen leistungsfähig zu bleiben. Und ich sage euch: Nach einem Tag wie heute mit fünf Scheiben Brot, Rührei, Schinken, Käse, Haferflocken mit heißem Wasser zum Frühstück, insgesamt vier Bananen, zehn stattliche Stücke Ananas und Melone, neun Energie-/Müsliriegel, drei Gels, zwei Red Bull und sieben Liter Wasser on Tour sowie eine mächtige Portion Hühnchen, Gemüse, Kartoffelpürree und Salat zum Abendessen — Verdauen macht keinen Spaß!

Sie haben gelitten und gekämpft! Spitzenbeine, die behalte ich.

Sehr beeindruckend übrigens in diesen Landstrichen: du fährst den Berg auf der einen Seite hoch – Regenwald, unglaublich saftig grün, sauschwül, alle Wolken hängen hier fest – und nur eine Stunde später auf der anderen wieder runter: furztrockener Wald, dürre Steppe, roter Staub. Auch die Steine und die Trails gibt’s in nahezu allen erdenklichen Farben, dazu Termitenbauten, die mich deutlich überragen sowie Tierlaute, die ich bisher nur aus „Das Dschungelbuch“ kannte.

Am Abend dieses langen Tages fühlen sich meine Beine wahrlich nicht danach an, morgen Rad zu fahren. Ich bin gespannt auf morgen früh! Immerhin: Im Gegensatz zu gestern hatte ich heute keine Krämpfe. Mein herzhaftes Fluchen unterwegs wurde nach meiner Zieldurchfahrt nach gut 7,5 Stunden von einer Art Freudenkeuchen abgelöst. Ach und ich war im Schnitt ein km/h schneller unterwegs als gestern (16,2). Nasowas, sorry Henri, jetzt war‘s schon wieder geil!

Zweites Nachtlager. In Herberton werden wir zwei Nächte verweilen, an Tag 3 gibt’s einen Rundkurs.

So sieht die Ladestation im Camp aus. Hier gibt’s Saft für GPS-Geräte, Smartphones und Co. Meine Netzabdeckung ließ leider zu wünschen übrig.

Noch ein kleines Schmankerl am Rande: Die Gruppe von Fahrern, die gestern wegen des Gewitters von den Offiziellen um ihre zweite Hälfte der Tour gebracht wurden, durften heute eine Stunde eher an den Start gehen. Leider sind sie gleich nach dem Start gesammelt falsch abgebogen und haben dadurch ihre Tagesetappe auf 65 Kilometer gekürzt.

Crocodile Wundertüte – dritte Etappe

Meine Beine fühlten sich nach allem Möglichen an heute Morgen, nur nicht nach Radfahren. So kam mir das Extra des Tages absolut entgegen: Auf dem ersten Teilabschnitt unserer heutigen Strecke wurde eine alte Bombe auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz gefunden. Das führte letztlich dazu, dass wir per Polizei-Eskorte auf der Straße um den ersten ordentlichen Anstieg herum geleitet wurden und dadurch ein paar Höhenmeter gespart haben. So gab’s nun bislang täglich eine kleine Überraschung, ganz wie es meiner Abenteuer-Mission gebührt!

Die Strecke blieb dennoch eine Herausforderung. Ständiges, teils enorm steiles Auf und Ab, sehr viele steinige Passagen und viele Stellen, an denen der letzte Starkregen die Pfade und Wege ausgewaschen hat. Es gab entsprechend viele Stürze, ich selbst hab’s bei einem Fast-Abstieg belassen und war in der Folge entsprechend gewarnt und vorsichtig.

Wer die Abfahrt genießen wollte, musste allerdings erstmal hier hoch kommen.

Ganz rechts erkennt man einen der pinken Wegweiser, denen wir seit Tagen auf der Spur sind. Links im Bild eine traumhaft schöne Abfahrt, gespickt mit vielen Sprüngen.

Aber hey, unglaublich: Ich war heute 28. (von rund 80) in der Gesamtwertung und schon wieder Zweiter in meiner Altersklasse! Nachdem gestern die Siegerehrung für die Amateure spontan ausgefallen war, weiß ich noch nicht, wie ich da unterwegs war. Eigentlich ist meine Renntaktik ja eben kein Rennen, sondern täglich eine genüssliche Tour zu fahren und mich um die anderen Radler etwa so zu kümmern wie sonst um die zufälligen Begegnungen im heimischen Schönbuch. Nachdem ich jetzt zum wiederholten Male auf's Podium gerufen werde, interessiert's mich plötzlich doch, wie ich im Verhältnis zu den anderen abschneide.

Links Fotograf Igor Schifris – immer auf der Jagd nach dem besten Foto. Rechts am Zelt sind Peggy Herold und Martin Steube, zwei der insgesamt fünf deutschen Fahrer. Sie treten in der Mixed-Wertung an.

Morgen gibt es ein Zeitfahren: erfrischend sparsame 38 Kilometer und gerade mal 1000 Höhenmeter. Gestartet wird mit einer Minute Abstand rückwärts der aktuellen Platzierung in der Gesamtwertung. Mal sehen, welche Überraschung nach dem Frühstück sich noch im Fahrerlager verbreiten wird.

Stefan Schmeckenbecher (37) ist ehemaliger Beachvolleyballer, stand noch nie an einer Marathon-Startlinie und hat sich bei unserer  BIKE Mission Crocodile Trophy  gegen 150 Kandidaten durchgesetzt. Sein Ziel: die Crocodile Trophy in Australien im Oktober 2018.

Schlagwörter: BIKE Mission Crocodile Trophy Blog Crocodile Trophy Leseraktion Marathon Rennen Training


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