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Mountainbike-Fahrtechnik: So geht's, wenn es steil wird Mountainbike-Fahrtechnik: So geht's, wenn es steil wird

Mountainbike-Fahrtechnik: Was tun, wenn es steil wird

5 MTB-Moves für alpines Gelände

Laurin Lehner am 15.08.2016

Alpines Gelände fordert spezielles Können. Wir zeigen die fünf wichtigsten Fahrtechniken. Wer diese Manöver beherrscht, dem ist kein Trail mehr zu technisch, keine MTB-Abfahrt zu steil.

 
ACHTUNG: Alpines Gelände lässt keine Patzer zu. Trainiere diese Manöver unbedingt in einfachem Terrain. Beachte: 
Manöver am Abgrund erfordern Konzentration und Vernunft:

1. Hinterrad versetzen

Bei der Spitzkehre das Hinterrad zu versetzen, ist die eleganteste Variante, enge Kurven zu bezwingen.

2. Spitzkehre

Die Spitzkehre zu meis­tern, fordert viel Feingefühl, ist aber zügig gelernt. Stefan erklärt die wichtigsten Knackpunkte.

3. Steilabfahrt

Scheitern oder Gelingen – im zahmen Terrain liegt das zu 70 Prozent am Kopf, sagt Experte Stefan Herrmann. Im alpinen Gelände ist jedoch mehr gefragt. 

4. Bike tragen 

Ja, auch das muss gekonnt sein. Mit dem Vertride-Griff lässt sich das Bike am bequemsten schultern. Experte Stefan Herrmann sagt, worauf Du achten musst.

5. Blitz-Drop

Der Blitz-Drop kann Biker retten. Mit diesem Manöver verhindert man den gefürchteten Abflug über den Lenker. So funktioniert der Notfallplan.

Fotostrecke: Mountainbike-Fahrtechnik: So geht's, wenn es steil wird

HINTERRAD VERSETZEN

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Darauf kommt es an: Das Hinterrad bei Spitzkehren zu versetzen, beweist echtes Fahrkönnen und macht jede noch so enge Kurve machbar. Wichtig: Man sollte auf keinen Fall im alpinen Gelände, sondern im Idealfall auf einer Teerabfahrt üben. Die Schräge sorgt dafür, dass man sein Heck leichter in die Höhe bekommt, und der Teer sorgt für genug Grip. Eine Kurve kann aufgemalt werden oder man stellt sie sich einfach vor. Übt man tüchtig, macht man schon spätestens nach zwanzig Versuchen deutliche Fortschritte. Wichtig: dranbleiben!  So geht es: 1. Anfahrt: Fahre langsam und mit gebeugten Armen und Beinen an. Der Sattel ist komplett abgesenkt – das gibt Freiraum. Scanne jetzt bereits die Kurve nach Grip und Radius. 

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2. Anfahrt: Dabei schaust Du Dir bereits einen Punkt aus (mit möglichst viel Grip), wo Du das Vorderrad zum Stillstand bringen willst. Wichtig: Das Hinterrad muss genug Raum zum Schwenken haben. 

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3. Bremsen und umsetzen: Auf dem Weg zur gewünschten Stelle ziehst Du dosiert die Vorderradbremse, bis das Vorderrad zum Stehen kommt. Gleichzeitig gehen Beine und Arme dynamisch in die Streckung und unterstützen die Gewichtsverlagerung nach vorne und zur Kurvenaußenseite. 

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4. Bremsen und umsetzen: Folge: Das Hinterrad wird leicht, hebt ab und folgt der Bewegung. 

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5. Bremse lösen: Sobald das Hinterrad weit genug herumgeschwenkt ist, löst Du dosiert die Bremse. 

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6. Bremse lösen: Folge: Das Hinterrad senkt sich. Im Idealfall zeigt die Front nun zum Trail-Verlauf. TIPP: Beim Hinterradversetzen ist Koordination gefragt. Die Kunst ist es, die verschiedenen Bewegungen in eine fließende zu wandeln. Wichtig: unbedingt unter sicheren Bedingungen üben, nicht im alpinen Gelände.

SPITZKEHRE

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Darauf kommt es an: Wenn die Kurve nicht zu eng ist, zirkelt man das Bike am geschicktesten um die Kurve, ohne das Hinterrad zu versetzen. Wichtig: Der Sattel ist im Idealfall maximal abgesenkt. Das gibt Bewegungsfreiheit und Sicherheit.

 

So geht es: 1. Anfahrt: Du kommst langsam angefahren. Das ist wichtig, denn nun musst Du die Kurve auf ihre Beschaffenheit prüfen. Wo ist Grip? Wie eng wird die Kurve hinten raus? Wo kann ich ausholen? Diese Fragen musst Du Dir beantworten können, bevor Du in die Spitzkehre fährst. 

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2. Die Ideallinie verläuft bei der Spitzkehre so: außen, Mitte, außen. So hat das Hinterrad genug Platz zum Einscheren. Der Blick visiert bereits den Kurvenausgang an, so dreht der Rumpf automatisch mit. Hole weit aus, und lege das Rad durch dezentes Strecken des inneren Arms und Beugen des äußeren Arms in eine leichte Schräglage. 

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3. Bis zum Kurvenscheitelpunkt gilt es, die Geschwindigkeit zu verringern. Jetzt musst Du Feingefühl beweisen, indem Du den geeigneten Lenkeinschlag wählst. Der Schwerpunkt ist aufgrund des steilen Geländes nach hinten verlagert. Wichtig: Gib für ausreichend Kontrolle trotzdem genug Druck aufs Vorderrad. Beachte: Dosiertes Bremsen ist bei diesem Manöver das A und O. 

 

TIPP: Gutes Balancieren und feines, gleichmäßiges Bremsen sind die Grundlage für die Spitzkehre. Übe im einfachen Gelände und taste Dich langsam an enge Kurven ran. 

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Darauf kommt es an: Bei der technischen Steilabfahrt hängt viel davon ab, ob man das Terrain richtig einschätzt und die ideale Linie wählt. Die größte Rolle spielt jedoch der Kopf. Bevor man sich an solche technischen Abfahrten traut, sollte man bereits Erfahrung und Selbstvertrauen bei Steilabfahrten in einfacherem Terrain gesammelt haben.

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So geht es: 1. Fahre langsam an. Auch hier gilt es, die Situation einzuschätzen und die Abfahrt auf Beschaffenheit zu prüfen. Steige im Zweifel ab und begutachte die Passage. Im gezeigten Fall sehe ich, dass sich die Stufen nicht fahren lassen – zu steil. Mein Vorderrad würde hier gnadenlos abtauchen. Suche Dir also eine Linie, die möglichst viel Grundstein (Grip) und keine zu hohen Stufen oder Absätze enthält. Wichtig: Um nicht zu schnell zu werden, musst Du während die gesamte Aktion dosiert bremsen.

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 2. Verschiebe Deine Körperposition so weit nach hinten, dass Du gerade noch genug Druck aufs Vorderrad geben kannst. 

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3. Wer mit gestreckten Armen zu weit hinten hängt, verliert an Kontrolle. 

BIKE TRAGEN

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Darauf kommt es an: Wer im alpinen Gelände unterwegs ist, kommt nicht drum herum, sein Bike hin und wieder zu tragen. Das geht anstrengend und unbequem, oder mit dem Vertride-Griff, benannt nach den Innsbrucker Vertridern.

 

Richtig anpacken: 1. Dein Rad steht oder liegt quer vor Dir. Wichtig: Die Nicht-Kettenblattseite zeigt zu Dir – so hast Du später keine Kettenschmiere an Deinem Jersey. Gehe in die Hocke und greife mit der linken Hand an die Federgabel und mit der rechten an die Kurbel. 

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2. Hebe das Rad jetzt über den Kopf und lege das Unterrohr auf die Schultern. 

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Tipp: Lege das Unterrohr auf dem Rucksack ab (Siehe Foto). Das ist noch bequemer. Liegt das Rad mittig, kannst Du das Rad mit einer Hand halten. Zum Absetzen gehst Du einfach wieder in die Hocke und setzt das Bike nach vorne ab.

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Darauf kommt es an: Den Blitz-Drop wendest Du nur im Notfall an. Und zwar bei plötzlich auftauchenden Geländekanten und Stufen. Der klassische Ablauf sieht so aus: Du fährst langsam auf eine Kante zu, von der Du nicht weißt, ob sie sich fahren lässt oder nicht. Im letzten Augenblick siehst Du, dass sich die Stufe nicht rollen lässt. Jetzt abrupt abzubremsen, lässt das Gelände nicht zu. Für die gewöhnliche Drop-Technik bist Du viel zu langsam. Jetzt musst Du den Blitz-Drop anwenden. Wichtig: Beim Blitz-Drop ist etwas Auslauf nach der Landung Voraussetzung, denn durch das Manöver nimmst Du für kurze Zeit viel Geschwindigkeit auf.  

Mountainbike-Fahrtechnik: So geht's, wenn es steil wird

So geht’s: Die Kante tut sich plötzlich vor Dir auf. Zeit bleibt keine, um sich vorzubereiten. Bremsen auf! 

Mountainbike-Fahrtechnik: So geht's, wenn es steil wird

Strecke die Beine und Arme blitzartig, und verlagere den Körperschwerpunkt komplett nach hinten. Alles, was geht! Dadurch wird das Vorderrad entlastet. Hat der Notfallplan funktioniert, schweben für einen Bruchteil von Sekunden Vorder- und Hinterrad auf einer Höhe und Du landest mit beiden Rädern gleichzeitig. 

 

TIPP: Übe an kleinen Kanten und verringere Deine Geschwindigkeit jedes Mal dabei. So automatisierst Du den Blitz-Drop und kannst ihn auch im Notfall anwenden.

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Laurin Lehner am 15.08.2016