Wer beim Marathon punkten will, braucht nicht nur Dampf in den Waden, sondern kann auch mit der passenden Fahrtechnik Plätze wettmachen. Fahrtechnikexperte Stefan Herrmann zeigt, wie.

  • So gehört es sich: Wer attackieren will, sollte sich dem Vordermann überlegen fühlen. Bitte nur zum Überholen ansetzen, wenn Du sicher bist, dass Dein Gegenüber Dir nicht sofort aufläuft, weil Dir durch den Sprint die Puste ausgegangen ist. Außerdem ganz wichtig: nur überholen, wenn es die Situation zulässt und Du nicht Gefahr läufst, den Vordermann in einen Sturz zu verwickeln.  
  • Der richtige Zeitpunkt: Perfekt zum Überholen ist eine breite Straße. Auf dem Trail solltest Du genug Platz haben und darauf achten, dass sich die Lenker nicht in die Quere kommen und Du trotzdem auf festem Untergrund fahren kannst. Wichtig: Vermeide hohes Gras! Denn, man weiß nie, was sich darunter verbirgt. Bevor Du zum Überholen ansetzt, sage laut: "Komme von links." Grundsätzlich sollte man nur links überholen (siehe Bild oben), genau wie auf der Autobahn. Das Kommando ist klar definiert. So weiß der Vordermann, was Sache ist. Manche rufen nur "links" oder "rechts" – so lässt man den Vordermann im Zweifel, ob er nun nach links oder rechts ausweichen soll, oder ob er von da überholt wird. Fühlst Du Dich bei Singletrail-Abfahrten technisch überlegen, solltest Du, bevor es runtergeht, unbedingt noch mal Kräfte mobilisieren, um vor Deinem Vordermann in den Trail-Einstieg zu kommen. Überhole dann von außen. TIPP! Warte eine günstige Stelle ab und überhole dann entschlossen. Vor langen Singletrail-Abfahrten lohnt es sich zu überholen. Vor allem, wenn man technisch versiert ist.
  • Darauf kommt es an: Wer sein Rad über das Hindernis heben kann, statt abzusteigen, spart nicht nur Zeit, sondern bekommt auch noch einen mentalen Schub. Um das Vorderrad auf das Wurzelfeld oder auf die Stufe zu heben, solltest Du die Front entlasten können. Das klappt mit dem Manual-Impuls. Wie geht’s? Beuge erste Beine und Arme, um sie danach dynamisch zu strecken, verlagere Dein Gewicht dazu nach hinten (siehe Bild 1 und 2).  So überwindest du die Stufe: Fahre mit genug Schwung an, denn den wirst Du brauchen. 1. Deine Kurbelstellung ist waagerecht. Kurz vor der Stufe gehst Du nach unten, um direkt danach Beine und Arme dynamisch zu strecken. 
  • 2. Sobald das Vorderrad auf der Stufe ist, musst Du schnell umschalten. Jetzt gilt es, das Heck über die Kante zu hieven. Das funktioniert mithilfe eines beherzten Hüftschwungs zum Vorbau. Folge: Das Heck wird leicht. Wichtig hierbei: das Timing. Wer das Heck zu spät nachzieht, bleibt mit dem Kettenblatt an der Kante hängen. 
  • 3. Ist man oben, sofort wieder Fahrt aufnehmen. Sobald das Hinterrad es über die Stufe geschafft hat, solltest Du wieder in die Pedale treten. TIPP! Übe den Move an einer Bordsteinkante und feile am Timing. Die zwei Bewegungen sollten eine fließende ergeben. Tas­te Dich langsam an höhere Stufen heran und achte darauf, dass das Kettenblatt nicht aufsetzt.
  • Darauf kommt es an: Schotterkurven sind häufig tückisch. Hier ist es wichtig, den Untergrund einzuschätzen. Denn daran musst Du Tempo und Schräglage anpassen. Je loser der Untergrund, desto gefährlicher wird es. Grundsätzlich gilt jedoch auch: umso mehr Schräglage, desto schneller kommst Du durch die Kurve. 
  • So funktioniert es: Wähle die Ideallinie: außen – innen – außen. Passe die Geschwindigkeit bereits jetzt grob an. Der Blick geht voraus und führt. Verpasse dem Rad nun Schräglage. Diese Bewegung leitest Du mit den Armen ein. Strecke dafür den kurveninneren Arm, der kurvenäußere ist gebeugt. Der Sattel liegt an der Oberschenkelinnenseite an, was Stabilität verleiht. Um für noch mehr Traktion zu sorgen, ist die Kurbelstellung vertikal. Gib viel Druck auf das kurvenäußere Pedal. Jetzt gilt es, die Schräglage an die Situation anzupassen. Bei losem Schotter sollte die Schräglage nur sachte ausfallen. Spürst Du, dass die Reifen an Traktion verlieren, solltest Du kontrolliert aus der Schräglage gehen. Warte beim Kurvenausgang ab, bis das Rad wieder aufrecht steht, bevor Du in die Pedale trittst.  
  • So nicht: Dieses Bild sieht man bei Marathons häufig. Fast 60 Prozent kommen ohne Schräglage um die Kurve gefahren. Der Nachteil: Wer die Kurve nur mit Lenkeinschlag meistert, kann das nur mit sehr geringer Geschwindigkeit und weniger Stabilität. TIPP! Alles Gefühlssache. Übe die Schräglage auf griffigem Waldboden und taste Dich an die Traktionsgrenze ran. Trainiere mit Flat-Pedals, das gibt Sicherheit.
  • Darauf kommt es an: Fahrbar oder nicht fahrbar, das ist hier die Frage. Bei Marathon-Rennen kennt man die Strecken meist nicht. Also gilt es, langsam auf die Kante/Steilabfahrt zuzufahren und abzuwägen. So bezwingt man die Stufe oder die Steilabfahrt: Kennst Du den Absatz nicht, fahre langsam darauf zu und schätze ein, ob er fahrbar ist oder nicht. Achte darauf, dass die Kante nicht so tief abfällt, dass das Kettenblatt aufsetzt. Suche jetzt bereits einen Auslauf, wo sich die gewonnene Geschwindigkeit wieder abbauen lässt. 1. Beuge nun Arme und Beine als Auftaktbewegung. 
  • 2. Sobald das Vorderrad die Kante verlässt, streckst Du dynamisch die Arme. Folge: Der Schwerpunkt wandert nach hinten, das Vorderrad wird entlastet (Siehe Foto). Sobald das Vorderrad wieder den Boden berührt, kannst Du die überschüssige Geschwindigkeit abbauen.  TIPP! Das Wichtigste hierbei: Erfahrungen sammeln. Suche Dir auf der Hausrunde kleine Absätze und Steilabfahrten. Auch hier gilt: Taste Dich langsam ran.
  • Darauf kommt es an: Bei der Abfahrt beim Marathon-Rennen gilt es, Kräfte zu sparen und zu verschnaufen. Bei Ausdauerrennen beobachtet man allerdings häufig Fahrer, die so abfahren, dass beides kaum möglich ist. So ist es richtig: Solange der Untergrund eben ist, sind die Beine gestreckt (sonst leicht angewinkelt), die Arme sind nur leicht gebeugt. Das Kinn schwebt über dem Vorbau. In dieser Position hat man genug Druck auf dem Vorderrad. Die gebeugten Arme können auf Unebenheiten reagieren, und dank der aufrechten Position hat man alles im Blick und kann weit voraussehen. 
  • So nicht: Die Beine sind stark gebeugt, die Arme gestreckt. Das führt nicht nur dazu, dass die Oberschenkel übersäuern statt sich zu regenerieren, sondern auch dazu, dass auf Unebenheiten kaum reagiert werden kann. Durch die gestreckten Arme bekommt man kaum Druck aufs Vorderrad. Folge: Kontrollverlust. Die Haltung schließt auf zu wenig Selbstvertrauen auf dem Bike. Instinktiv geht der Biker in eine defensive Stellung: nach hinten und nach unten, um die Sturzhöhe zu reduzieren.